Besser als Züge zählen

Immer wieder hört man im Schwimmbad die Aufforderung, die Anzahl der Züge zu minimieren, um die Phase des Gleitens noch besser zu erlernen. Doch Vorsicht: Lang kann auch schnell langsam bedeuten.

| 19. November 2015 | TRAINING

Kraul | Kraulschwimmen

Kraulschwimmen

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Besser als Züge zählen

"e weniger Züge ich pro Bahn benötige, umso besser kann ich gleiten!“ Diesen Satz hört man gar nicht so selten. Dahinter verbirgt sich ein Phänomen, das es in der Form eigentlich nur beim Schwimmen gibt. Der Begriff des Gleitens führt schnell in die Irre – nämlich dann, wenn man glaubt, durch eine lange Gleitphase die Geschwindigkeit aufrecht erhalten oder sogar steigern zu können. Da man ohne ein zuvor erzeugtes Tempo jedoch nicht gleiten kann, sind die Prioritäten klar gesetzt. Eine Qualitätsaussage nach dem Schema "wie viele Züge benötige ich pro Bahn“ ist deshalb unmöglich und nicht mehr als eine Pi-mal-Daumen-Aussage.

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Holger Lüning

Foto >privat

36 Züge für 50 Meter

Denn eine Komponente wird dabei gerne vergessen: Die Zeit. Es macht einen Riesenunterschied, ob man 36 Züge für 50 Meter benötigt und, wie Olympiasieger Florent Manaudou, diese Strecke in 21 Sekunden bewältigt oder man 42 Sekunden benötigt. Dann nämlich dauert der Zug im Vergleich zum Topschwimmer doppelt so lang. Eine gute Technik lässt sich aus diesen Daten jedenfalls nicht herauslesen, allenfalls vermuten.

Vor dem Gleiten steht deshalb immer die Erzeugung von Geschwindigkeit. Erst wenn dies geschehen ist und eine strömungsgünstige Wasserlage eingenommen, kann sich ein echts Gleitgefühl einstellen. Doch wie schafft man es, das optimale Maß aus Zugzahl, Bewegungsfrequenz und allen anderen Faktoren herzustellen?

Nur grobe Pauschalwerte

Die Messung der Frequenz spielt im Schwimmsport dafür eine herausragende Rolle. Da jeder Mensch aufgrund seines Körperbaus über unterschiedliche Hebel verfügt und auch muskulär individuell ausgestattet ist, lassen sich in Bezug auf die Zugzahl nur grobe Pauschalwerte nennen. Umso mehr macht es deshalb Sinn, die individuelle Frequenz regelmäßig zu messen, um möglichen Technikfehlern frühzeitig auf die Schliche zu kommen oder auch Leistungspotenziale zu erkennen. Denn, nur der Frequenzwert gibt tatsächlich Aufschluss über die Geschwindigkeit der Armbewegung. Beispielsweise kann sie die Frage beantworten, wie viel Zeit ich für einen Zug benötige. Zähle ich jedoch nur die Züge pro Bahn, fehlt genau diese, aber sehr entscheidende Komponente.

Im Schwimmen misst man die Frequenz in Zyklen pro Minute. Ein Zyklus umschreibt eine komplette Bewegung der linken und rechten Körperhälfte. Beim Kraul- und Rückenschwimmen bilden folgerichtig ein linker und ein rechter Armzug gemeinsam einen Zyklus. Möchte man die Anzahl der Züge pro Minute ermitteln, multipliziert man den Frequenzwert deshalb einfach mit dem Faktor zwei. Bei den Gleichschlagschwimmarten Brust und Delfin bildet der Frequenzwert einen gemeinsamen Zyklus beider Arme ab.