Schwimmersatz | Kajak statt Kraul

Die Schwimmer vermissen ihre Bäder. Wie trainieren? Das fragen sich viele. Unser Autor hat für sich jetzt eine schöne Alternative gefunden. Wasser ist freilich auch erforderlich.

Ich schwimme schon immer im Freiwasser – in Seen, in Flüssen und im Meer. Aber nicht täglich. Wegen der Coronakrise sind aber alle Bäder geschlossen – also bleibt nur das Freiwasser. Doch immer nur im Fluss schwimmen? Jeden Tag? Das wird spätestens nach ein paar Wochen auch langweilig. Was also tun? Ich habe jetzt eine coole Alternative gefunden und kann dabei ordentlich Gas geben, Freiwasser ist freilich auch erforderlich.

Notgedrungen bin ein kürzlich in ein Kajak gestiegen – okay, ich fahre ab und zu Kanu. Gelegentlich daheim auf dem Neckar, einmal in Neuseeland, ab und zu in meiner zweiten Heimat, auf Sylt. Diesmal indes ist alles anders. Kajakfahren ist seit etwa zwei Wochen meine zweite sportlich Leidenschaft, und das Training auf dem Fluss statt im Fluss ist effektiv – das bilde ich mir zumindest ein. Mein Motto heißt jetzt immer öfter: Kajak statt Kraul.

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Martin Tschepe fährt Kajak im Neckar
Martin Tschepe Der Autor paddelt durch den Neckar.

Mit Strömung hin, ohne zurück

Die Tage sind lang, das Wetter in Süddeutschland super sommerlich. Nichts spricht dagegen, täglich hinunter zum Neckar zu fahren – mit dem Rad. Keine Frage: Ich schwimmen immer noch oft. Ich lasse aber immer öfter das Kajak zu Wasser. Meine Haustrecke: von der Schleuse in Ludwigsburg-Poppenweiler bis zur Schleuse Marbach und zurück, etwa 13 Kilometer. Zunächst mit der Strömung, die zweite Etappe ist also ein bisschen anspruchsvoller.

Die Uhr ist meine ständige Begleiterin, so wie beim Schwimmen auch. Längst habe ich meinen Ehrgeiz auch im Kajak entdeckt. Ich will möglichst von mal zu mal schneller werden – was freilich nicht in jedem Training klappt. Mal bläst der Wind von vorn, mal von hinten, mal von der Seite. Unter 1:45 Stunden schaffe ich die Strecke aber immer – in einem schnöden Ausflugsboot, notgedrungen.

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Martin Tschepe fährt Kajak im Neckar
Martin Tschepe Ein Spaßkajak tut es auch

Mit gemischten Gefühlen am Freibad vorbei

Denn in einem Rennkajak würde ich vermutlich keine hundert Meter weit kommen, behaupten die Kumpel von der Kanuabteilung meines Schwimmclubs. Viel zu wackelig so ein Renner. Vermutlich haben die Könner ja recht. Vor ein paar Tagen habe ich mich mal in so ein Wettkampfboot gesetzt, und mir ist gelungen, was keiner für möglich gehalten hatte. Ich hab tatsächlich eine kleine Runde gedreht, ohne in den Fluss zu fallen. Schnell fahren, das funktioniert aber gar nicht – also ist so ein Renner keine Option für mich – vorerst zumindest.

Ich steige in das Spaßboot und lege los. Auf meiner Trainingsrunde paddele ich mit gemischten Gefühlen vorbei an unserem schönen Freibad – das in dieser Saison womöglich gar nicht öffnet. Ich lasse Neckarweihingen rechts liegen, komme vorbei an einem Kraftwerk, das über eine elektrische Fischsperre verfügt. Und bin an dieser Stelle immer froh, dass ich nicht im Wasser bin. In der Fischsperre schwimmt es sich nämlich alles andere als angenehm, das haben mein Freund Volker Heyn und ich vor fünf Jahren auf unserer Neckarlängsquerung schmerzvoll erfahren. Seither kraulen wird nur noch auf der anderen Uferseite.

Martin Tschepe fährt Kajak im Neckar
Martin Tschepe 13 Kilometer in 1:39 Stunden: schneller paddlen als schwimmen

Wenn auf der Kajaktour das Schiller-Nationalmuseum zu sehen ist, kommt bald die Wendemarke. Dann geht es zurück zum Start. Allmählich werden die Oberarmmuskeln schwer. Rechts, links, rechts, links. Es ist wie beim Kraulen, fühlt sich gut an. Und ich bin überzeugt: Kajakfahren hat ähnliche Trainingseffekte wie Schwimmen. Und es hat – der Schwimmer muss es zugeben – einen Vorteil: man sieht mehr von der Umgebung. Zurück beim Startplatz, der Blick geht sofort zur GPS-Uhr. Sehr schön: diesmal 1:43 Stunden. Mit einem 100er-Schnitt unter 50 Sekunden. Leider nicht geschwommen diese Zeiten…

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1 Kommentar
  1. Jan Frehse

    Kanu ist eine gute Ergänzung* zum Schwimmen und jetzt eben ein Ersatz. Mache seit Jahren ein bis zwei Mal wöchentlich eine Stunde mit dem Kajak und dann noch ein Läufchen. Oder wie heute eine Viertelstunde Liegestütze und Klimmzüge im Wechsel. Mal sehen, ob sich das lohnt.
    LG von der Elbe

    * Diana Nyad hat es genutzt als sie sich für ihr Schwimmen von Havanna nach Florida vorbereitet hat.

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