Mittwoch, 22. Mai 2024

KI is watching you

Künstliche Intelligenz hat längst Einzug in unseren Alltag erhalten, nicht zuletzt durch Programme wie ChatGPT. Was manche für eine lustige Spielerei von Technik-Freaks halten, soll das Schwimmen in Wiesbaden sicherer machen.

Komelau | Dreamstime.com

Ein intelligentes System überwacht im Hallenbad Kleinfeldchen das Treiben im Schwimmbecken und informiert die Aufsicht, sobald sich ein Gast auffällig bewegt oder gar zu ertrinken droht. Wie die Hessenschau berichtet, ist das System schon seit 2020 im Einsatz. Der 25×15 Meter große Pool wird von vier Kameras überwacht, die die Bewegungen der Badegäste erfassen. Die KI konstruiert daraus Bewegungsprofile und schlägt Alarm, sobald sie Auffälligkeiten feststellt.

Das Badpersonal wird dann über einen Alarm auf der Smartwatch auf die Situation aufmerksam gemacht, inklusive Bilder der Situation und Standort im Becken. „Mit der Zeit hat die Künstliche Intelligenz gelernt, welche Bewegungen für Schwimmer normal sind und wann eine Person Probleme hat“, sagt Shahabeddin Khatibi dem Hessenfunk. Der Fachangestellte für Bäderbetriebe begleitet das Projekt seit Beginn. Probleme habe es in der Anfangszeit zum Beispiel bei Rollwenden gegeben. In diesem Fall musste die KI erst „lernen“, dass das komplette Abtauchen und der schnelle Richtungswechsel nichts mit Ertrinken zu tun hat, sondern eine beim Schwimmen normale Bewegung ist. Um das System noch schlauer zu machen, meldet das Badpersonal nach jedem Alarm zurück, ob eine Situation richtig bewertet wurde.

Den Schwimmmeistern ist die KI schon jetzt eine große Hilfe. „Gerade, wenn im Sommer 4.000 bis 6.000 Gäste an einem Tag im Schwimmbad sind, hilft es uns sehr, den Überblick zu behalten“, sagt Khatibi. Das System erkenne nicht nur, wenn Badegäste beim Schwimmen in Not geraten, sondern auch, wenn sich Kleinkinder von ihren Eltern entfernten.

Kosten einer Vollzeitkraft

30.000 bis 40.000 Euro kostet die künstliche Überwachung pro Jahr, das ist in etwa so viel wie eine ausgebildete Vollzeitkraft im selben Zeitraum nach Tarifvertrag verdient. Personal ersetzen soll das System aber vorerst nicht, heißt es. „Wenn es nur ein Mal in zehn Jahren funktioniert und ein Menschenleben rettet, dann war jeder investierte Cent es wert“, sagt Thomas Baum, Betriebsleiter beim Wiesbadener Badbetreiber mattiaqua. Andere Badbetreiber sehen das anders, sie finden das System zwar sinnvoll, halten die Kosten aber noch unverhältnismäßig, so die Hessenschau.

Jule Radeck
Jule Radeck
Jule Radeck studierte Sportwissenschaften, bevor sie als Volontärin nach Hamburg zog. In ihrer Freizeit findet man sie oft im Schwimmbecken, manchmal auf dem Fahrrad und selten beim Laufen.

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