WakenitzMan:
14 Kilometer im Amazonas des Nordens

Der WakenitzMan gehört zu den coolsten Wettbewerben überhaupt. Die Schwimmer kraulen 14 Kilometer weit durch ein idyllisch dahinfließendes Flüsschen bei Lübeck.

Was für eine grandiose Kulisse. Egal auf welche Seite ich atme: rechts wie links üppig wachsende Büsche und Bäume. Und auch beim Blick unter Wasser: alles grün. Die Wakenitz ist glasklar, auf den ersten von insgesamt 14 Kilometern jedenfalls. Später wird sich die Szenerie indes ändern.

Eben ist in Rothenhusen – am nördlichen Ende des Ratzeburger Sees – der Startschuss für den Wakenitzman gefallen. Und ich bin mitten drin im Trubel, schwimme nach ein paar Minuten sogar in der Spitzengruppe mit. Maximal eine Handvoll Schwimmer sind vor mir – und ebenso viele Kanus. Jeder Schwimmer hat nämlich ganz für sich allein ein Begleitboot. Die Einzelstarter sind bereits vor einer Viertelstunde auf den langen Weg nach Lübeck geschickt worden. Jetzt also die Zweier- und Vierer-Staffeln.

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WakenitzMan 2019
Fania Tschepe Das Feld zieht sich nach dem Start schnell in die Länge.

Ich schwimme mit Plan B im Kopf

Zu meinem Startplatz bin ich gekommen wie die sprichwörtliche Jungfrau zum Kinde. Der Wakenitzman stand seit Jahren auf meiner ganz persönlichen To-do-Liste. Aber die Startplätze sind ja immer so schnell weg … Erst vor ein paar Tagen kam die Mail von André: „Suche jemanden, der mich beim Wakenitzman vertritt.“ André Hook ist einer der besten Swimrunner Deutschlands. Er hatte sich von seinem Sportsfreund Lars Krieger zu einer Staffel überreden lassen, nur eine Woche vor der Swimrun-WM in Schweden – und dann hat er Bedenken bekommen. So kurz vor dem Saisonhöhepunkt soweit kraulen? Lieber doch nicht. Ich habe spontan zugesagt und bin nach Schleswig-Holstein gefahren. Am Abend vorher habe ich Lars kennengelernt, meinen Staffel-Schwimmpartner, den Organisator des Insel-Swimruns, der Mitte September in Ratzeburg stattfindet.

Jetzt also kraule ich schnell, aber nicht zu schnell durch die Wakenitz. Grandios. Auf meinem Programm stehen sieben Kilometer. Ziemlich genau in der Mitte der Strecke wartet Lars. Ich habe aber einen Alternativplan im Kopf: Die zweiten sieben Kilometer werde ich Lars womöglich begleiten – die Veranstalter habe ich kurz vor dem Start eigeweiht. Die Antwort war erfreulich: Hier dürfe jeder machen, was er wolle. Nur in die Einzelwertung werde ich halt nicht kommen. Also abwarten, wie sich meine Arme nach sieben flott geschwommen Kilometern anfühlen und dann spontan entscheiden.

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WakenitzMan 2019
Fania Tschepe Bei so schönem Wetter treibt es nicht nur die Schwimmer in die Wakenitz.

Im Slalom durch die Einzelschwimmer

Mittlerweile sind wir seit gut einer Stunde im Wasser – und überholen bereits die ersten Einzelstarter. Cool. Mitunter muss ich ein bisschen Slalom schwimmen – vorbei an den Kanus der anderen. Im meinem Begleitboot sitzen André und meine Tochter Fania. Die beiden versorgen mich gelegentlich mit Cola – einmal nehme ich einen Energy-Riegel. Ich habe am Abend vorher bei Lars ordentlich Pasta gegessen und am Morgen dann Müsli und Brot – bin also gut versorgt.

Unmittelbar vor dem Start haben die Veranstalter uns ein paar Hinweise mit auf dem Wasserweg gegeben: Nehmt Rücksicht! Die Wakenitz ist ein Naturschutzgebiet. Haltet also Abstand zum Ufer! Meidet möglichst die Seerosen! Und steigt nur an den befestigten Stellen aus dem Fluss.

Nach 1 Stunde und 45 Minuten: Halbzeit. Wir liegen in unserer Staffelwertung auf Platz zwei. Lars wartet schon im Wasser. Die rote Bademütze mit unserer Startnummer 201 ist der Staffelstab. Lars reißt sie mir vom Kopf, setzt sie sich auf – und krault los. Und ich? Schwimme weiter. Jetzt mit einer leuchtend grünen Kappe, auf der das Logo des Insel-Swimruns gedruckt ist. Ein klein bisschen Werbung machen für diesen – wie Lars augenzwinkernd sagt – schönsten Swimrun überhaupt. „Meldet Euch an“ – das wird er später im Ziel alle möglichen Leute bitten.

WakenitzMan 2019
Fania Tschepe Daumen hoch. Gleich ist es geschafft.

Ziel im Naturbad Falkenwiese

Die Wakenitz wird breiter und breiter. Längst sind an diesem strahlend schönen Sommertag ungezählt Boote mit Ausflüglern unterwegs. Der Fluss ist jetzt so breit wie ein See. Früher haben die Lübecker die Wakenitz gestaut – um die Mühlen betreiben zu können. Das Wasser ist auf diesem Flussabschnitt nicht mehr klar, sondern trüb.

Lars war mal Ruderer, er krault flott – ab nicht so flott wie ein paar andere Staffelschwimmer. Im Laufe der nächsten zwei Stunden überholen uns knapp eine Handvoll Zweier-Staffeln. Als wir nach 3:44 Stunden zu zweit im Ziel ankommen, beim Naturbad Falkenwiese, landen wir auf Platz sechs. Die schnellste Zweier-Staffel, das Team Zoot, war bereits nach 3:31 Stunden da. Die schnellste Vierer-Staffel, das Team von der SG Stormarn Barbüttel, benötigt 3:18 Stunden. Die beste Zeit indes liefert eine Einzelschwimmerin: Jane Meißner vom Flensburger Schwimmklub schlägt nach 3:10 Stunden an.

Im Ziel werden alle Schwimmer frenetisch gefeiert, die schnellen und die langsameren, die mitunter länger als fünf Stunden im Wasser sind. Man könnte sagen: Die Schwimmer, die zuletzt ankommen, haben alles richtig gemacht. Denn sie haben die Wakenitz, diesen schönen kleinen Fluss in Norddeutschland, viel länger genießen können als alle anderen.

WakenitzMan 2019
Fania Tschepe Das ganze Team: Lars Krieger, André Hook, Martin Tschepe, Fania Tschepe (von links).
WakenitzMan 2019
Fania Tschepe Beim WakenitzMan wird jeder Athlet von einem Boot begleitet.

Martin Tschepe ist Redakteur der Stuttgarter Zeitung und Langstreckenschwimmer vom SV Ludwigsburg. Auf swim.de berichtete er regelmäßig von seinem Schwimmabenteuern.

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