Winterschwimmen in Burghausen | Eiskalter Weltcup im Wöhrsee

Kaltes Wasser und Schnee, eine tolle Kulisse mit der längsten Burg der Welt, glückliche Sportler und ein Weltrekord. Burghausen hat einmal mehr bewiesen: die Stadt ist das deutsche Eisschwimm-Mekka.

Martin Tschepe

Was für eine Kulisse! Die Eisarena im Wöhrsee in Burghausen ist für Eis- und Winterschwimmer der Hit. Ein Traum. Zumal bei diesen Bedingungen: Schnee, drei Grad kaltes Wasser, am Ufer Eis auf dem See – und im Blick fast immer die längste Burg der Welt. Zum Finale des Wettkampfs am Sonntag lugt sogar ab und zu die Sonne zwischen den Wolken hervor. Grandios! Das dritte Adventswochenende. 

Auf der 25-Meter-Bahn im Wöhrsee geht der Weltcup der International Winter Swimming Association (IWSA) über die Bühne. Am Start sind Sportler aus 17 Nationen, unter anderem auch ein Dutzend Israelis, für die meisten von ihnen ist dieser Wettbewerb der erste im eiskalten Wasser überhaupt. Verrückt? Vermutlich ja, schwimmverrückt. Einer der Israelis wird später erzählen, dass er ein paar Tage zuvor ganz vorsichtig versucht habe in das eiskalte Wasser zu steigen, für ein kurzes Test-Training. Er habe länger benötigt, um in das Eiswasser zu kommen. Beim Wettkampf am Wochenende indes sind auch die Damen und Herren aus Nahost ganz schnell im Wasser – und dann auch ziemlich schnell unterwegs.

3 Grad? Schön kalt!

Der Wöhrsee ist mit rund drei Grad richtig kalt – viele Eisschwimmer, nicht nur die Israelis, haben bis dato noch gar nicht unter solchen Bedingungen trainieren können. Was viele Menschen im Land gefreut hat, ist für Eisschwimmer nämlich ein Handicap: Der Herbst war zu warm, viele Gewässer sind noch nicht kalt genug. Eis- und Winterschwimmer wünschen sich weniger als fünf Grad Wassertemperatur. Auch dieser Wunsch geht in Burghausen in der Adventszeit in Erfüllung.

Alisa Fatum sorgt am zweiten Dezemberwochenende beim Weltcup in Bayern für die herausragende Leistung: Die Leipzigerin, Jahrgang 1995, schwimmt über 450 Meter Freistil einen neuen Overall-Weltrekord, 5:37,14 Minuten. Insgesamt werden zudem 22 Altersklassenweltrekorde aufgestellt. Unter anderem von Mark Rother aus Polen (Jahrgang 1968) über 450 Meter Freistil in 5:41,90 Minuten, von Tobias Wybierek (1993) aus Burghausen über 50 Meter Brust in 32,90 Sekunden, von Markus Günther (1968) aus Burghausen über 25 Meter Schmetterling in 14,57 Sekunden und von Kilian Franke (2000, ebenfalls Burghausen) über 25 Meter Freistil in 12,42 Sekunden.

Endlich wieder Eisschwimmen

Bei dem Weltcup feiern viele Eis- und Winterschwimmer einen Wiedereinstieg ins Wettkampfleben nach der langen Corona-Pause. Im vorigen Winter sind nur wenige Veranstaltungen ausgetragen worden. Jetzt indes geht es Schlag auch Schlag. Außer der IWSA hat auch der Konkurrenz-Verband, die International Ice Swimming Association (IISA) Wettkämpfe ausgeschrieben. Beide Verbände veranstalten im Januar ihre Weltmeisterschaften, die IISA Mitte Januar in Frankreich und die IWSA gut eine Woche später im Slowenien. Diese Terminballung sei ein bisschen ungeschickt, sagen viele Schwimmer. Einige wollen aber bei beiden WMs starten. Lars Mack aus München zum Beispiel, der neue IWSA-Athletensprecher. Andere indes werden nur entweder in Frankreich an den Start gehen oder in Slowenien.

Nachwuchs am Start

Der Trainer des Vereins Serwus Burghausen und Renndirektor des Weltcups in Bayern, Stefan Hetzer, sagt am Sonntagabend: „Es war nach der Coronapause ein harter Anfang wieder einen hochkarätigen Wettkampf zu organisieren.“ Mithilfe der Stadt Burghausen und vielen starken Helfern seines Clubs sei es aber gelungen, den Cup zu stemmen. Er freue sich über die „sehr starke Resonanz“, über die Teilnehmer aus vielen Ländern, unter anderem aus Argentinien und aus Chile. „Die herrliche winterliche Stimmung in unsere Wöhrsee-Arena“ habe sich auf alle Teilnehmer übertragen. „Diese erstklassige Veranstaltung“ werde sicherlich einen weiteren Aufschwung für die anstehenden Weltmeisterschaften der beiden Weltverbände bringen. 

Der Chefcoach eines der weltweit erfolgreichsten Eisschwimm-Clubs sagt, Serwus Burghausen habe wieder ein paar neue, junge Athleten und Athletinnen an die Weltspitze herangeführt, unter anderem Marie-Therese Bartel, Jahrgang 2003. Ihr ist es über 25 Meter Freistil mit 14,08 Sekunden gelungen, die Über-Eisschwimmerin Alisa Fatum um ein paar Zehntel abzuhängen. Alsbald, so Hetzer, sollte diese Frage geklärt werden: Ist Burghausen bereit nach 2017 wieder mal eine WM zu organisiert? Für welchen der beiden Verbände auch immer.

Zusatzinfo: Auch unser Autor ist beim Weltcup gestartet. Er landete in seiner Altersklasse über 200 Meter Freistil auf Platz zwei.

Interessante Links:
Ergebnisse vom Weltcup in Burghausen
International Winter Swimming Association
International Ice Swimming Association

Martin Tschepe
Martin Tschepehttp://www.bahn9.de/
Martin Tschepe ist freier Autor, Swimguide, Freiwasser- und Eisschwimmer des SV Ludwigsburg.