Brisbane 2032 | Freiwasserschwimmen steht bei Olympia angeblich vor dem Aus

Neue Diskussionen um das Olympia-Programm 2032 sorgen in der Open-Water-Szene für Unruhe. Steht das Freiwasserschwimmen vor dem Aus?

Frank Wechsel / spomedis In Paris sorgten die Schwimmerinnen und Schwimmer für spannende Rennen in der Seine.

Die Zukunft des Open-Water-Schwimmens bei Olympischen Spielen steht plötzlich zur Debatte. Auslöser ist ein Artikel des US-Portals Swimswam, in dem über mögliche Einschnitte im olympischen Programm berichtet wird. Hintergrund sind die steigenden Kosten für die Ausrichtung der Spiele und der Wunsch des IOC, die Zahl der Sportarten und Disziplinen zu reduzieren.

Diese Zahl ist zuletzt fast kontinuierlich gestiegen. Von 26 in London (2012) auf 28 (Rio 2016), 33 (Tokio 2020) und 32 (Paris 2024). In Los Angeles kommen Baseball/Softball, Flag-Football, Cricket, Lacrosse und Squash dazu, sodass die Zahl der Sportarten eine Rekordhöhe von 36 erreichen wird.

IOC-Präsidentin Kirsty Coventry hatte zuletzt erklärt, dass Brisbane 2032 kleiner ausfallen solle als frühere Sommerspiele. Medien mutmaßen über ein Programm mit 28 bis 32 Sportarten. Mit Boxen, Ringen, Reiten oder Schießen gelten auch traditionsreiche Sportarten als gefährdet.

Dass aber auch das 10-Kilometer-Freiwasserschwimmen zur Disposition stehen könnte, ist neu. Die Disziplin wurde 2008 in Peking erstmals ins Programm aufgenommen. Seitdem holten die deutschen Freiwasser-Athleten vier Medaillen (1 x Gold, 2 x Silber, 1 x Bronze). Eigentlich hofften viele, dass das Freiwasserprogramm demnächst um eine Staffel oder den kurzweiligen Knockout-Sprint erweitert werden könnte.

Hohe Anforderungen, wenig TV-Präsenz

Die Autorin des Swimsam-Artikels stützt sich auf anonyme Quellen aus dem IOC-Umfeld. Demnach würden vor allem Wettbewerbe auf den Prüfstand kommen, die hohe Anforderungen an die Organisation stellen, aber vergleichsweise wenig zahlende Zuschauer anziehen und TV-Reichweite erzeugen. Auch die Social-Media-Tauglichkeit einer Sportart soll eine Rolle spielen. Wegen dieser Aspekte könnte es für das Open-Water-Schwimmen kritisch werden.

Für die Wettbewerbe werden eigene Strecken und Sicherheitskonzepte benötigt, häufig an separaten Austragungsorten. Zudem gelten Freiwasserrennen wegen Wetter, Wasserqualität und Strömungen als schwer planbar. Wird vor der Küste im Meer geschwommen, ist das Zuschauen vor Ort schwierig. Bei den Spielen in Paris hatte die Wasserqualität der Seine weltweit Schlagzeilen produziert. Auch für Brisbane gibt es Diskussionen über geeignete Austragungsorte.

Über das Programm der Spiele 2032 wird dieses Jahr entschieden. Eigentlich hätte es bereits vor einem Jahr so weit sein sollen, aber das IOC nutzte sein Recht, die übliche Verkündung sieben Jahre vor Beginn der Spiele um ein Jahr zu verschieben.

Anna Bruder / spomedis In Paris schwammen die Athleten in Sichtweite des Eiffelturms.

Diskussionen in der Freiwasser-Szene

In der Open-Water-Community sorgen die Gedankenspiele inzwischen für Unruhe. Auf Fachseiten und in sozialen Netzwerken wird diskutiert, ob das Freiwasserschwimmen innerhalb der olympischen Familie tatsächlich an Bedeutung verliert.

Besonders kritisch wird gesehen, dass eine etablierte Ausdauerdisziplin infrage stehen könnte, während neue Trendsportarten wie BMX, Breaking oder Skateboarding den Weg zu den Spielen finden. Auf seiner Website setzt sich Freiwasser-Pionier Steven Munatones in einem langen Beitrag explizit mit den Argumenten auseinander.

Disziplin sorgt für großartige Bilder

Stimmen aus der Szene argumentieren, dass Open Water längst mehr sei als ein Nischenformat. Weltcups, spektakuläre City-Rennen und die Verbindung von Natur, Ausdauer und Taktik hätten dem Sport in den vergangenen Jahren neue Aufmerksamkeit verschafft. Trotz aller Probleme hätten die Freiwasserrennen in Paris für ikonische Bilder gesorgt. Gleichzeitig wächst die Sorge, dass wirtschaftliche Überlegungen künftig stärker zählen könnten als sportliche Vielfalt.

Noch gibt es keine offizielle Entscheidung des IOC und es könnte auch sein, dass Australien als große und erfolgreiche Schwimmnation sowohl im Pool als auch außerhalb nicht auf diese Disziplin verzichten möchte. Doch allein die Diskussion zeigt, wie unsicher die Zukunft einzelner olympischer Disziplinen geworden ist.

SWIM+

Hochwertige Informationen, packende Unterhaltung und ganz viel Service – das ist SWIM+

Monatsabo

6,99 -
Jetzt mitmachen bei SWIM+
  • volle Flexibilität
  • € 6,99 pro Monat
  • monatlich kündbar
Peter Jacob
Mit sechs hieß es für den kleinen Peter schwimmen lernen - falls er mal ins Wasser fällt. Inzwischen ist er groß und schwimmt immer noch jede Woche. Mal mehr, mal weniger, meistens drinnen und manchmal draußen. Und immer mit viel Spaß und Leidenschaft.

Feedback & Co.

Fehler gefunden oder Feedback zu diesem Artikel? Bitte teile uns hier mit, was du loswerden möchtest oder was wir verbessern können!
Feedback unter Artikel