Mit 40 Jahren
Olympiasieger Anthony Ervin greift über 50 Meter noch einmal an

In Rio gelang Anthony Ervin der große Coup: Gold über 50 Meter Freistil. Jetzt will es der älteste Olympiasieger der Schwimmgeschichte noch einmal wissen.

Wer bei Olympia die 50 Meter Freistil gewinnt, ist immer auch eins: der schnellste Schwimmer der Welt. Natürlich gibt es Weltmeisterschaften, Weltrekorde und die schnelle Kurzbahn. Doch am Ende steht diese eine Bahn alle vier (oder fünf) Jahre im Olympiapool über alles. Wenn die Besten der Besten bis in die Haarspitzen austrainiert aufeinandertreffen, muss vom Start weg alles passen. Reaktionszeit, Flug- und Eintauchphase, Unterwasserphase, Übergang, Rhythmus, Atmung, Anschlag. Jede Hundertstel, die man liegen lässt, kann entscheidend sein, jeder kleinste Vorteil den Sieg bringen.

Zweites Gold nach 16 Jahren

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2016 gelang Anthony Ervin im Olympiafinale die große Überraschung. In 21,40 Sekunden verwies der US-Sprinter, der nach der Saison 2003 eine achtjährige Schwimmpause eingelegt hatte, London-Sieger Florent Manaudou um 0,01 Sekunden auf den Silberrang. Bronze holte in Rio Nathan Adrian in 21,49 Sekunden. Für zwei Besonderheiten sorgte Ervin, der auch mit der US-Staffel triumphierte, bei seinem 50-Meter-Sieg. Erstens gelang es ihm als erstem Schwimmer, 16 Jahre nach seinem Erfolg in Sydney (21,98 Sekunden, zeitgleich mit Gary Hall Jr.) erneut Olympiasieger über dieselbe Strecke zu werden. Außerdem löste er mit damals 35 Jahren Michael Phelps als ältesten Schwimm-Olympiasieger ab. Der Rekordchampion war 2016 31 Jahre alt.

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Steigerung bis zu den Trials nötig

Ervin ist heute 39, am 26. Mai wird er 40 Jahre alt. Wenige Wochen später will er versuchen, sich bei den US-Trials in Omaha noch einmal für die Spiele zu qualifizieren. Fast würde er es damit Dara Torres nachmachen, die 2008 mit 41 Jahren in Peking schwamm und drei Silbermedaillen mit nach Hause brachte. Leicht wird es im Land der erfolgreichsten Schwimmnation aber natürlich nicht, wie der Blick auf Ervins aktuelle Leistungen zeigt. Die Quali für die Trials hat er durch eine Zeit von 22,68 Sekunden, geschwommen im Mai 2019, zwar in der Tasche. Vor drei Wochen schlug er bei einem Meeting aber erst nach 23,41 Sekunden an. Die 100 Meter schwamm er in 51,89 Sekunden. Beide Zeiten werden bei Weitem nicht für das US-Olympiateam reichen. Über 50 Meter führen Ryan Held (21,62 Sekunden) und Caeleb Dressel (21,83 Sekunden) das diesjährige Ranking an. Mit David Curtiss, Nathan Adrian und Michael Andrew gibt es mindestens drei weitere Schwimmer, denen Zeiten deutlich unter 22,00 Sekunden zuzutrauen sind. Über 100 Meter müsste wohl mindestens eine Zeit um 48,00 Sekunden her, um es in die Staffel zu schaffen. Kann Anthony Ervin da noch mithalten?

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Für das US-Portal Swimswam schrieb Olympiasieger Mel Stewart jetzt, Ervin habe bestätigt, bei den Trials antreten zu wollen. Und, dass der Sprinter sich in Kalifornien bei Topcoach David Marsh auf seine Rennen vorbereite. Allerdings, so Stewart, könne es auch sein, dass Ervin einfach nur mit dabei sein wolle, wenn er das sprichwörtliche Zepter an die nächste Sprinter-Generation übergibt. Doch ob mit oder ohne echte Olympia-Ambitionen, für alle Schwimmfans sollte es ein Fest sein, Anthony Ervin noch einmal schwimmen zu sehen.

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