Eine Woche WM im Winterschwimmen in Oulu: Unser Autor schwimmt jeden Tag mit, berichtet aus dem Eiswasser – und vom Beckenrand.

Der letzte WM-Tag, die Superfinals über 50 Meter Freistil mit drei deutschen Schwimmerinnen: Franziska Partheymüller, Marie-Therese Bartl, Alisa Fatum-Böker. Das Rennen im eiskalten Wasser unter blauem Himmel und bei strahlender Sonne indes macht die Französin Luduvine Blanc (29,31 Sekunden), Marie-Therese holt Platz zwei (30,51) vor Alisa (30,81) auf Rang drei. Franzi bleibt die undankbare Blechmedaille (31,32). Das Rennen bei den Männern gewinnt Viktor Bromer aus Dänemark in 25,84 Sekunden.
Zum grandiosen Abschluss der Meisterschaften in Oulu: die Staffel, 4 x 25 Meter Brust und 4 x 25 Meter Freistil. Ich sollte eigentlich auch noch einmal zum Einsatz kommen, ziemlich unverhofft einspringen im Team der IWSA, weil eine Schwimmerin passen muss. Schlussendlich müssen aber alle anderen auch zurückziehen, weil sie komplett eingespannt sind am Beckenrand. Also bin ich an diesem Tag „nur“ Reporter. Bis dato war ich ja immer doppelt dabei: als Schwimmer und als Schreiber.
Alle Artikel aus Martins WM-Tagebuch
Tag 1: Willkommen in Oulu
Tag 2: Die ersten Wettkämpfe in Finnland
Tag 3: Schmelzendes Eis und kalte 450 Meter
Tag 4: Sprint im Eiswasser
Tag 5: Partystimmung bei 0 Grad Wassertemperatur
Tag 6: Oulu, ich komme wieder!
Strafe fürs Tauchen
Team Germany mit Alisa Fatum-Böker, Marie-Therese Bartl und Christoph Karow (und mit einem polnischen Gast-Schwimmer) gewinnt mit einer AK-Freistil-Staffel Bronze. Das Team France Frozen Frogs (mit Sonja Opitz aus Deutschland) gewinnt Bronze mit einer Brust-Staffel. Für ein bisschen Wirbel zum Abschluss sorgt eine Fünf-Sekunden-Strafe, die einem der schnellsten Freistil-Teams wegen einer angeblich zu langen Tauchphase eines Schwimmers zunächst aufgebrummt und schließlich wieder zurückgenommen wird. Für viel Spaß hatten zuvor die Water-Performances von mehreren Gruppen im und am Wasser gesorgt.

Mein ganz persönliches Fazit: Diese WM im Winterschwimmen war grandios, im Becken, beim Schreiben und beim Partymachen. Oulu, Kulturhauptstadt Europas 2026, ist im Winter – und ganz bestimmt auch im Sommer – eine Reise wert. Nicht nur, aber ganz speziell für Schwimmer, denn man muss nur ein paar Minuten gehen – und schon ist man am Wasser, am Oulu River oder am Meer. Was will der Schwimmer mehr? Oulu, ich komme wieder!
Resümee des Quasi-Bundestrainers
Stefan Hetzer, beim DSV zuständig fürs Eisschwimmen, zieht nach den fünftägigen Meisterschaften in Finnland Bilanz und erklärt: Die International Winter Swimming Association (IWSA) habe „eine würdige WM“ ausgerichtet. Für alle DSV-Kaderathleten endet mit dieser WM eine lange Saison. Der DSV kooperiert bekanntlich seit 2025 mit dem zweiten internationalen Verband, mit der International Ice Swimming Association. IISA und IWSA wechseln sich mit der Ausrichtung der WM jährlich ab. Die WM 2027 findet in Rumänien statt, die WM 2028 in Argentinien.
Hetzer weiter: Mit den vier Stationen des Deutschland-Eis-Cup, mit den IISA-Europameisterschaften im italienischen Molveno und nun mit der IWSA-WM in Finnland „standen sowohl für die Sportler als auch für die Verbände und Veranstalter viele Herausforderungen an, die auf dem Weg zur olympischen Anerkennung zu meistern sind“. Die IISA strebt seit Jahren an, dass Eisschwimmen (Winter)olympisch wird, 2030, spätestens 2034, soll es aus Sicht des Verbands so weit sein.


Deutsche Athleten holen 30 Goldmedaillen
Jetzt in Oulu habe der Veranstalter IWSA keine Mühen gescheut, „Wettkämpfe unter diesen extremen Wetterbedingungen ordnungsgemäß und sicher über die Bühne zu bringen, was größtenteils auch gut gelang“, so der Erfolgstrainer. In Oulu seien vornehmlich die Kaderschwimmerinnen des DSV gestartet, die Männer nicht. Zusammen mit den anderen deutschen Winter- und Eisschwimmern, die nicht dem neuen DSV-Kader angehören, seien „hervorragende Erfolge“ erzielt worden. Das deutsche Team habe insgesamt 30 Weltmeistertitel, 20 Silbermedaillen und 20 Bronzemedaillen erkämpft.
Elke Ortloff (Aqua Berlin/Serwus Burghausen) sei mit fünf Titeln die erfolgreichste AK-Starterin gewesen. Die DSV-Kadersportlerinnen hätten Spitzenleistungen in das knapp unter null Grad kalte Wasser gezaubert, sagt Hetzer, der durch sein Amt auch als Nationaltrainer der deutschen Eisschwimmer gesehen werden könnte. Alisa Fatum-Böker (Leipzig) und Marie-Therese Bartl (Serwus Burghausen) holten je vier Titel, Franziska Partymüller (Bad Tölz/Serwus Burghausen) drei Titel, Christina Gockeln sowie Mariella Mück (beide SG Mallersberg-Pfaffenhofen) erkämpften ebenfalls Medaillen.

Erfreulich aus Sicht Hetzers: die „Neuentdeckung“ Mareike Förster (SG Stadtwerke München), die drei Titel gewonnen hat. Junge Sportlerinnen der SG Mallerskerg-Pfaffenhofen hätten sich „mit viel Erfolg den Herausforderungen“ gestellt und zeigten, „dass der Nachwuchs schon in den Startlöchern steht“. Nun gelte es, die Saison auszuwerten, die internationalen Trends beider Verbände zu analysieren und zu bewerten, um seitens des DSV mit der Entwicklung schritthalten zu können. In Oulu hatten neben den deutschen Athleten auch viele Schwimmerinnen und Schwimmer anderer Nationen Topleistungen gezeigt, Frauen und Männer unter anderem aus Polen, aus Frankreich und aus Argentinien.
