Bei den Eisschwimm-Europameisterschaften in Italien konnte Tina Deeken vom eiskalten Wasser kaum genug bekommen. An fünf Wettkampftagen ging die Para-Schwimmerin insgesamt zehnmal an den Start – sieben dieser Rennen beendete sie mit einer Medaille.
Dreimal Gold und viermal Silber lautet die beeindruckende EM-Bilanz der Hannoveranerin. In Molvena sicherte sich Deeken die Europameistertitel über 50 und 100 Meter Brust sowie über 50 Meter Freistil. In 1:02,13 Minuten und 2:15,93 Minuten über die Bruststrecken sowie 43,67 Sekunden über 50 Meter Freistil war sie nicht zu schlagen. Silber gewann sie über 50 und 100 Meter Rücken (51,10 Sekunden und 1:50,90 Minuten) sowie über 100 und 250 Meter Freistil (1:35,77 und 4:39,66 Minuten). Zudem ging Deeken bei den Titelkämpfen der International Ice Swimming Association (IISA) in drei Staffelrennen an den Start. Das Wasser im 50-Meter-Pool hatte etwa 1 bis 2 Grad.
„Ich werde nicht jünger“
„Ich bin sehr zufrieden mit meinen Resultaten“, sagte Deeken nach den fordernden Wettkämpfen und der hohen Startfrequenz. „Ich freue mich nicht über eine einzelne Leistung, sondern darüber, dass ich über ganz unterschiedliche Distanzen und Lagen immer noch so breit und gut aufgestellt bin.“ Ursprünglich habe sie lediglich mit einem Europameistertitel und vielleicht einer weiteren Medaille gerechnet. „Ich werde ja nicht jünger, und die Paresen im Bein und im Arm werden zunehmend schlechter. Umso schöner, dass ich mehr erreicht habe als erwartet.“
Auch Joseph Rothenaicher durfte sich über Edelmetall freuen. Er gewann Gold über 50 Meter Brust in 44,79 Sekunden und Silber über 100 Meter Brust in 1:44,00 Minuten. Aufgrund einer Erkrankung konnte Rothenaicher an den letzten Wettkampftagen über die Freistilstrecken nicht mehr antreten. Eine weitere deutsche Medaille steuerte Georg Dreuw mit Bronze über 50 Meter Brust in 1:08,75 Minuten bei.
„Das ist echte Inklusion“
Deekens positives Fazit bezieht sich jedoch nicht nur auf ihre sportlichen Erfolge. „Ich finde es großartig, dass Elite-, Masters- sowie Para-Schwimmerinnen und -Schwimmer bei derselben Veranstaltung und sogar gemeinsam in den Heats antreten. Das ist für mich echte Inklusion“, betonte sie. Insgesamt sei es eine sehr gelungene Veranstaltung gewesen, auch wenn große Meisterschaften meist professioneller organisiert seien als kleinere, familiäre Events wie etwa der Silbersee-Cup.
Nach inzwischen drei WM- und zwei EM-Teilnahmen sieht Deeken dennoch weiteres Entwicklungspotenzial: „Verglichen mit einem Wettkampf wie den Internationalen Deutschen Meisterschaften im Paraschwimmen in Berlin gibt es sicher noch Punkte, die verbessert werden könnten.“
Schon Ende Februar wartet auf die Eisschwimmerinnen und Eisschwimmer das nächste Highlight. Vom 2. bis 8. März finden in Oulu (Finnland) die Weltmeisterschaften statt, ausgerichtet von der International Winter Swimming Association.