Bis zur Fertigstellung des neuen Nationalen Schwimmzentrums erhalten die Magdeburger Leistungsschwimmer eine eigene Trainingsstätte. Die ungewöhnliche Lösung in einem ehemaligen Gerichtsgebäude stößt auch auf Kritik.
Der Weg zurück zu verlässlichen Trainingsbedingungen führt Magdeburgs Spitzenschwimmer an einen ungewöhnlichen Ort: Das ehemalige Gerichtsgebäude am Jerichower Platz soll ab November zur provisorischen Trainingsstätte des Bundesstützpunkts Schwimmen werden. Der Stadtrat beschloss die Übergangslösung am Donnerstag ohne Gegenstimmen. Für knapp zwei Jahre soll in der Halle ein 50 Meter langes Becken mit acht Bahnen stehen. Nach den notwendigen Um- und Einbauten im September und Oktober könnten dort die Leistungssportler sowie der Nachwuchsleistungssport trainieren.
Notwendig wurde die Lösung durch die Sperrung der Elbeschwimmhalle. Wegen der Schäden am maroden Dach können die Topathleten der Trainingsgruppe von Bundestrainer Bernd Berkhahn dort derzeit nicht trainieren. Stattdessen weichen sie auf die Schwimmhalle an der Großen Diesdorfer Straße aus – mit Folgen für Schulen, Vereine und den öffentlichen Badebetrieb. Die neue Behelfshalle soll den Leistungssport aus dieser Konkurrenz um Wasserzeiten herauslösen und damit zugleich Kapazitäten für andere Nutzer schaffen. Für Berkhahns Gruppe ist eine stabile Trainingsperspektive mit Blick auf die WM 2027 und die Olympischen Spiele 2028 besonders wichtig.
Die Kosten für Miete, Becken und Umbauten werden auf 3,76 Millionen Euro geschätzt. Das Land Sachsen-Anhalt will sich mit etwa 700.000 Euro beteiligen und die benötigte Fläche bis Juni 2028 kostenfrei bereitstellen. Der Stadtrat entschied sich damit nach Prüfung mehrerer Varianten für die Nutzung des ehemaligen Prozessgebäudes.
Ganz unumstritten ist die Lösung allerdings nicht. In dem Gebäude fand der Prozess zum Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt statt. Eine Betroffene, die bei dem Anschlag ihre Mutter verlor und selbst verletzt wurde, bezeichnete die geplante Umnutzung in einem offenen Brief als „unfassbar“ und „respektlos“. Auch eine Petition wandte sich gegen die Pläne. Für Kritiker ist der Ort eng mit dem Gedenken an die Opfer und der Aufarbeitung der Tat verbunden – der künftige Trainingsalltag der Schwimmstars steht deshalb für sie in einem schwierigen Kontrast zur jüngsten Geschichte des Gebäudes.