Das Team Warmduscher hat seinen 200. Mannschaftssieg bei 24-Stunden-Schwimmen gefeiert. Hinter der beeindruckenden Bilanz stehen 17 Jahre Ausdauer, Freundschaft und gelebter Teamgeist.
Ein besonderer Meilenstein für ein besonderes Team: Die Schwimmerinnen und Schwimmer des „Team Warmduscher“ haben am vergangenen Wochenende ihren 200. Mannschaftssieg bei 24-Stunden-Schwimmen gefeiert. Beim Dauerschwimmen der DLRG Schonungen legten sie gemeinsam 312 Kilometer zurück und ließen die Konkurrenz damit deutlich hinter sich. Hinter der beeindruckenden Bilanz steckt eine Gemeinschaft, in der nicht nur die geschwommenen Meter zählen.
„200 Teamsiege sind wirklich nur schwer zu fassen“, sagt Teamchef Sven Eckardt. „Hinter der Zahl stecken so viele Emotionen, Schmerzen, persönliche Kämpfe, knappe Siege, aber auch Niederlagen.“
In Schonungen gewann das Team souverän vor den „Flotten Raupen“ mit 139 Kilometern und „Chlorchester“ mit 88 Kilometern. Insgesamt legten die 236 Teilnehmer nach Veranstalterangaben 1.668.450 Meter zurück, das entspricht der Distanz von Stuttgart nach Athen. In der Einzelwertung setzte sich die 17-jährige Hermine Werner mit 48,8 Kilometern durch. Bei den Männern schwamm Markus Linß mit 40,4 Kilometern am weitesten.
Mehr als eine Mannschaft
Wie weit kann man innerhalb eines Tages schwimmen? Diese einfache Frage steht hinter den zahlreichen 24-Stunden-Schwimmen, die in Deutschland regelmäßig stattfinden, aber oft abseits der großen Sportöffentlichkeit bleiben. Das Team Warmduscher gibt seit mittlerweile 17 Jahren eine eindrucksvolle Antwort: sehr weit!
Für die Warmduscher ist der Jubiläumssieg ein weiterer Höhepunkt ihrer Geschichte. Das Team ist kein eingetragener Verein, sondern ein Zusammenschluss von Menschen, die ihre Begeisterung für das Langstreckenschwimmen teilen. Freundschaft, Inklusion und Fair Play stehen dabei im Mittelpunkt. „Dass wir seit so langer Zeit erfolgreich dabei sind, steht für Beharrlichkeit, Demut und den Willen, nicht aufzugeben“, sagt Eckardt. „Auch Corona konnte uns nicht stoppen.“
Was einst als kleiner Zusammenschluss leidenschaftlicher Schwimmerinnen und Schwimmer in Raum Baden-Württemberg begann, ist über die Jahre zu einer großen Gemeinschaft gewachsen. Etwa 800 Aktive aus ganz Deutschland traten im Laufe der Zeit bei 24-Stunden-Schwimmen für die Warmduscher an.
Die vielen Siege sind nicht allein das Ergebnis individueller Ausdauer. Sie stehen auch für einen Teamgedanken, der Menschen mit unterschiedlichen Voraussetzungen und Leistungsniveaus zusammenbringt. Rekordhalter bei den Warmduschern ist Chris Hoffmann mit 94,55 Kilometern. Eine solche Distanz ist allerdings die absolute Ausnahme und wird auch nicht gefordert. „Für uns zählt jeder Kilometer“, heißt es auf der Warmduscher-Website. Laut Teamchef Eckardt legten alle Mitglieder zusammen bisher 77.000 Kilometer zurück.
Gerade bei einem Wettkampfformat, das körperlich und mental über viele Stunden fordert, kann die Gemeinschaft entscheidend sein. Wenn mitten in der Nacht die Kräfte nachlassen und Zweifel aufkommen, helfen gegenseitige Motivation und gemeinsame Ziele dabei, das nächste Tief zu überwinden.
24 Stunden schwimmen – für sich und für andere
Fast jedes Wochenende findet irgendwo in Deutschland ein 24-Stunden-Schwimmen statt. Organisiert werden die mal ambitionierten, mal eher familiären Veranstaltungen von Schwimmvereinen, DLRG-Ortsgruppen oder Badbetreibern. Häufig geht es um mehr als die sportliche Leistung. Mit den Veranstaltungen werden Spenden für die Jugendarbeit, örtliche Krankenhäuser oder soziale Initiativen gesammelt.
Die Regeln sind einfach: Innerhalb von 24 Stunden schwimmt jede und jeder so viele Meter, wie die eigene Ausdauer und Motivation zulassen. Den Wechsel zwischen Schwimmen und Pause regelt jeder selbst. Manche nehmen sich zehn, 20 oder 30 Kilometer vor, andere wollen einen Schwimmmarathon über 42,2 Kilometer bewältigen. So treffen ambitionierte Langstreckenschwimmer auf Freizeitsportler, die ihre persönlichen Grenzen austesten oder einfach Teil einer besonderen Gemeinschaft sein möchten.
Verschiedene Ambitionen auf einer Bahn
Wie weit die menschliche Ausdauer im Wasser reichen kann, zeigen die Weltrekorde. Der niederländische Freiwasser-Olympiasieger Maarten van der Weijden legte 2018 sage und schreibe 102,8 Kilometer zurück. Den Frauen-Weltrekord hält Vera Niemeyer aus Aachen: Sie schwamm 2017 in Meiningen 96,3 Kilometer.
Von solchen Distanzen muss längst nicht jeder träumen. Die Faszination liegt gerade darin, dass beim 24-Stunden-Schwimmen ganz unterschiedliche Ziele auf einer Bahn Platz finden. So wie bei den Warmduschern, für die der 200. Mannschaftssieg nicht der letzte gewesen sein soll. Bereits am Samstag ist das Team in Regensburg und eine Woche später in Haar bei München am Start. Gut möglich, dass die Erfolgsgeschichte danach um ein oder zwei Kapitel erweitert werden muss.