Das umstrittene Sportevent mit erlaubtem Doping sollte den Leistungssport revolutionieren. Nach der Premiere in Las Vegas zeigt die erste Bilanz der Veranstalter jedoch vor allem eines: Das Projekt hat bislang deutlich mehr Geld verschlungen, als es eingespielt hat.
Die Enhanced Games wollten vieles anders machen als der etablierte Sport. Athleten durften unter medizinischer Aufsicht leistungssteigernde Substanzen nutzen, um Grenzen zu verschieben und Rekorde anzugreifen. Doch die wirtschaftliche Bilanz der umstrittenen Premiere im Mai fällt ernüchternd aus: Die Enhanced Group, das Unternehmen hinter dem Event, meldete für das zweite Quartal 2026 einen Nettoverlust von 61,9 Millionen US-Dollar.
Berichten zufolge nahmen einige Athleten – nicht alle – über einen Zeitraum von zwölf Wochen Präparate wie Steroide, Wachstumshormone, Erythropoetin, Stimulanzien sowie Medikamente zur Beeinflussung des Hormonhaushalts und des Stoffwechsels ein. Trotzdem blieb das groß angekündigte Event aus rein sportlicher Sicht hinter den Erwartungen zurück. Nur in einem von 23 Events gelang es einem Athleten, den bestehenden Weltrekord zu übertreffen: Kristian Gkolomeev schwamm die 50 Meter Freistil, gedopt und mit Hightech-Anzug, 0,07 Sekunden schneller als der reguläre Rekord. Der einzige deutsche Teilnehmer Marius Kusch gewann über 100 Meter Schmetterling und wurde Dritter über 50 Meter Schmetterling. Dafür kassierte er 325.000 US-Dollar Preisgeld.
Bisher nicht profitabel
Den Kosten für das Event standen Einnahmen von 17,7 Millionen Dollar gegenüber. Das Unternehmen gab damit im Berichtszeitraum deutlich mehr Geld aus, als es einnahm. Ein großer Teil der Kosten entstand durch die Organisation der ersten Spiele – etwa für Athleten, Arena, Produktion und die Durchführung. Hinzu kamen Ausgaben im Zusammenhang mit dem Börsengang sowie dem Aufbau weiterer Geschäftsfelder.
Die 61,9 Millionen Dollar sind dabei nicht allein als Verlust der Sportveranstaltung zu verstehen. Es handelt sich um den Quartalsverlust des gesamten Unternehmens. Auch ein klinischer Versuch, höhere Verwaltungsaufwendungen als börsennotierte Firma und der Start der Produktplattform „Live Enhanced“ belasteten das Ergebnis. Der direkte Vergleich zwischen Einnahmen der Games und ihrem tatsächlichen Gewinn ist deshalb nur eingeschränkt möglich.
Immerhin verweist das Unternehmen auf Sponsorenverträge im Gesamtwert von rund 32 Millionen Dollar. Diese Summe wird jedoch nicht vollständig als Umsatz verbucht, sondern teilweise erst in späteren Quartalen, wenn die vereinbarten Leistungen erbracht sind. Zum Stichtag Ende Juni verfügte die Enhanced Group über 19,6 Millionen Dollar an liquiden Mitteln.
Für die Macher ist der Fehlbetrag offenbar eine Investition in den Aufbau einer neuen Marke. Künftig sollen neben den großen Games auch kleinere und kostengünstigere Veranstaltungen sowie das Geschäft mit den Produkten wachsen. Ob diese Strategie aufgeht, bleibt offen. Klar ist aber: Die Premiere hat eindrucksvoll gezeigt, dass weltweite Aufmerksamkeit und ein spektakuläres Konzept noch lange kein profitables Geschäftsmodell garantieren.