Johannes Liebmann hat den 1500-Meter-Weltrekord um 3,88 Sekunden verbessert. Noch beeindruckender als die Zeit ist die Art, wie der 19-Jährige sie erreicht hat.
Johannes Liebmann hat in Paris nicht einfach einen Weltrekord verbessert – der junge Magdeburger hat die Maßstäbe über 1.500 Meter verschoben. 14:26,79 Minuten bedeuten 3,88 Sekunden weniger als die bisherige Bestmarke von Bobby Finke. Erstmals blieb ein Mann unter 14:30 Minuten, was bedeutet, dass Liebmann als erstem ein 100-Meter-Schnitt unter 58 Sekunden gelang (genau sind es 57,79 Sekunden pro 100 Meter).
„Ich wollte schnell angehen und das Tempo so lange wie möglich hochhalten. Das hat am Ende auch echt wehgetan. Und als ich auf den letzten 200 Metern alle Zuschauer stehen sah, wusste ich, hier passiert irgendwas“, sagte Liebmann nach dem Rennen. „Besser hätte es wirklich nicht laufen kann, die Zeit ist unheimlich schnell. Damit habe nicht gerechnet.“
Zahlreiche Stars scheitern am Weltrekord
Bevor Bobby Finke bei den Olympischen Spielen in Paris den damals zwölf Jahre alten Weltrekord von Sun Yang (14:31,02 Minuten) unterbot, hatten sich zahlreiche Schwimmstars an der Marke des Chinesen die Zähne ausgebissen. Florian Wellbrock, Daniel Wiffen oder die Tunesier Ahmed Hafnaoui und Ahmed Jaoudi versuchten es. Allein Gregorio Paltrinieri blieb bereits mehr als zehnmal unter der Marke von 14:40 Minuten. Bei den gerade zeitgleich stattfindenden Pan Pacific Championships in den USA gewann Sam Short aus Australien am Samstag in 14:33,97 Minuten. An die 14:30 Minuten aber reichte niemand heran. Bis Johannes Liebmann kam.
Top 12 | Die schnellsten Schwimmer über 1.500 Meter Freistil
nur Bestzeiten; Quelle: World Aquatics| Rang | Name | Bestzeit | Jahr |
|---|---|---|---|
| Weltrekord | Johannes Liebmann (Deutschland) | 14:26,79 | 2026 |
| 2 | Bobby Finke (USA) | 14:30,68 | 2024 |
| 3 | Sun Yang (China) | 14:31,02 | 2012 |
| 4 | Gregorio Paltrinieri (Italien) | 14:32,80 | 2022 |
| 5 | Ahmed Hafnaoui (Tunesien) | 14:31,54 | 2023 |
| 6 | Samuel Short (Australien) | 14:33,97 | 2026 |
| 7 | Daniel Wiffen (Irland) | 14:34,07 | 2024 |
| 8 | Florian Wellbrock (Deutschland) | 14:34,39 | 2023 |
| 9 | Ahmed Joudi (Tunesien) | 14:34,41 | 2025 |
| 10 | Grant Hackett (Australien) | 14:34,56 | 2001 |
| 11 | Sven Schwarz (Deutschland) | 14:35,69 | 2025 |
| 12 | Mykhailo Romanchuk (Ukraine) | 14:36,10 | 2022 |
Bemerkenswert ist nicht nur Liebmanns Endzeit, sondern auch die Renngestaltung. Der gebürtige Schleswig-Holsteiner schwamm sein hohes Tempo gleichmäßig und kontrolliert, ohne zu überpacen. Rechnet man die ersten und die letzten 100 Meter raus, bewegten sich alle 50-Meter-Splits zwischen 28,75 und 29,31 Sekunden. Seine 800-Meter-Durchgangszeit von 7:40,85 Minuten hätte in Paris zur Silbermedaille gereicht.
Starker Endspurt
Mit diesem Tempo holte Liebmann Zehntel um Zehntel auf den bisherigen Weltrekord heraus. 50 Meter vor dem Ziel lag er schließlich fünf Sekunden unter dem Split von Finke. Spätestens jetzt war klar, dass dem US-Amerikaner auch sein phänomenaler Endspurt von 26,27 Sekunden nichts mehr nutzen würde. Der Deutsche schwamm die letzte Bahn in 27,39 Sekunden und rettete damit 3,88 Sekunden seines virtuellen Vorsprungs ins Ziel.
Dabei kommt der Sprung an die Spitze nicht gänzlich unerwartet, er kommt allerdings verdammt schnell. Liebmann trainiert bei Bernd Berkhahn in der besten Langstreckengruppe der Welt. Vor zwei Jahren gewann er bei den Junioren-Europameisterschaften zwei Medaillen (Silber über 1.500 Meter und Bronze über 400 Meter Freistil). Im April stellte er in Stockholm neben dem Europarekord über 800 Meter mit 14:39,67 einen Europarekord der Junioren auf. In Paris folgte nun der nächste Europarekord über 800 Meter – und nun die 1.500-Meter-Leistung, die weltweit für Aufregung sorgt.
Blickt man auf das junge Alter des Schwimmers (19 Jahre) seine erst wenigen Starts im Erwachsenenbereich über 1.500 Meter und die enorme Steigerung, stellt sich die Frage, wo bei Liebmann die Grenze liegt.