Das Projekt? Täglich ein anderes Gewässer. Unser Autor hat einen Monat lang die tollsten Schwimm-Spots gesucht und gefunden.
Dieser winzig kleine See wird mir vermutlich für immer und ewig in Erinnerung bleiben. Ein Tipp von Anne, einer Schwimmfreundin im Erzgebirge. Danke dafür, liebe Anne. Wobei das Wort „See“ für dieses einmalige Gewässer übertrieben ist. Wer den Lehmheider Teich einmal im Kreis abschwimmt, immer möglichst nah am Ufer entlang, kommt auf kaum mehr als einhundert Meter. Also drehe ich an diesem Vormittag an einem glühend heißen Tag im Hochsommer mehrere Runden, vergessen, wie viele genau.
Mein Vorhaben während eines etwa vierwöchigen Roadtrips mit Start in Ludwigsburg bei Stuttgart zum Bodensee und von dort aus immer weiter nach Norden: tagtäglich einen ganz besonderen Schwimm-Spot suchen und finden. Mittlerweile bin ich an der Nordsee angekommen und kann sagen: Hat ganz gut geklappt. Mit Hilfe von Freunden und Freundinnen wie Anne aus Zöblitz und manchmal auch einfach auf gut Glück oder mit Google Maps. Ich bin jeden einzelnen Tag bei einem tollen Gewässer gelandet und bin darin mal mehr, mal weniger Kilometer weit geschwommen.
Der Lehmheider Teich erinnert mich kurz vor dem Start meiner kleinen Schwimmeinheit an den Mirror Lake, den ich vor vielen Jahren auf der Südinsel Neuseelands gesehen habe. Wow! Die vielen Bäume und der tiefblaue Himmel spiegeln sich grandios. Nach dem Eintauchen der Hände ins Wasser bilden sich kleine Wellen. Ich schwimme behutsam. Ganz allein. Bei strahlendem Sonnenschein. Mitten im Wald. Genieße diesen Moment für die Ewigkeit.
Fixe Idee im Kopf
Ein paar Tage vorher: Ich starte beim Bodenseeschwimmen des TSV Lindau, hole den undankbaren Platz vier in der Gesamtwertung – und habe dann diese fixe Idee im Kopf. Täglich ein anderer See, einen Monat lang, in Süddeutschland, im Osten, in Norddeutschland, in Dänemark und in Schweden. Ja, ich weiß: Andere machen das schon viel länger. Wigald Boning zum Beispiel. Der Komiker, Sprecher, Musiker und Moderator ist seit Juli 2022 jeden Tag im Wasser. Und Uwe Stammer von der Nordseeinsel Föhr war von September 2023 bis Januar 2026 genau 873 Tage lang alle 24 Stunden einmal im Meer.
Ich bin seit vielen Jahren Woche für Woche geschätzt fünf- oder sechsmal im Wasser, und jetzt diese kleine Challenge: wirklich täglich! Und möglichst immer in einem ganz speziellen, einzigartigen Gewässer! Nach dem Bodenseeschwimmen stehen ein paar kleinere Seen im Bayerischen auf meinem Programm, der Deiniger Weiher zum Beispiel, ein Tipp meiner „alten“ Schwimmfreundin Claudia vom SV Ludwigsburg. Sie begleitet mich.
Richtig, richtig gut gefällt mir der Motzinger See südlich von Berlin. Da gibt’s wirklich nix zu motzen. Ich entdecke diesen See komplett zufällig (oder ist es Schicksal?) und ausgerechnet an diesem Tag geht am Ufer das traditionelle Fischerfest über die Bühne. Ich bleibe also bis zum nächsten Tag, schlafe wie fast jede Nacht in meinem Dachzelt auf dem Auto und mache am nächsten Morgen eine Ausnahme von meinem Plan: Ich kraule erneut quer über diesen tollen See und wieder zurück zu meinem Startplatz. Also zweimal nacheinander ein und derselbe See.
Keine Jungfrau, aber Fische
In Berlin schwimme ich in der Krummen Lanke. Diesen Stopp in der Hauptstadt (die meine Geburtsstadt ist) inklusive Training in genau diesem See am Stadtrand hatte ich schon länger im Kopf. Auch in der Großstadt ist zu meiner Überraschung das Übernachten im Dachzelt überhaupt kein Problem. Die Krumme Lanke ist insbesondere bei jüngeren Leuten superbeliebt. An diesem Werktag ist am Ufer und auf dem See, speziell während der Abendstunden, die Hölle los. Angesagt ist also ein Slalomschwimmen.
Am Pinnower See in Schleswig-Holstein werden auf einer Tafel am Ufer sagenhafte Geschichten erzählt, etwa die Story von einer verzauberten Jungfrau auf der Insel in dem See, die von einem jungen Fischer gerettet worden sei. Ich begegne während meines Schwimmens zu eben jener Insel und einmal um das Eiland herum (leider) keiner verwunschenen Jungfrau, nur ein paar Fischen.
An den nächsten Tagen kraule ich in Dahme in der Ostsee, bei Schleswig in der Schlei und nach dem Grenzübertritt nach Dänemark im Roskilde Fjord, der so flach ist, dass ich überall, wo ich schwimme, stehen oder gehen könnte. Nächster Tag, nächstes Gewässer, mal wieder salzig: Im Kopenhagener Hafen zeigt mir mein dänischer Eisschwimmfreund Peter sein Revier, ein etwa 100 mal 30 Meter großes, mit Leinen markiertes Eck im Hafen.
An diesem Samstagmorgen kommen viele junge und ältere Männer und Frauen (viele ganz selbstverständlich oben ohne) zum Frühsport. Nach dem Dip gibt’s Frühstück am Ufer, dänische Croissants und Milchkaffee. Wer mag, kann jederzeit auch kurz in die Sauna gehen zum Aufwärmen. Das Wasser hat 18 Grad. Peter erzählt mir von seinem Klub, der das Areal betreibt, im Sommer, im Winter, immer.
Kopenhagen, Aalborg, Göteborg: Eintritt frei!
In Südschweden schwimme ich in einer menschenleeren Bucht bei Västervik im klaren Brackwasser. Auf dem Weg weiter nach Norden in diesem grandiosen Land, mit vielen entspannten Menschen, bin ich an einem Tag im winzigen Badplats in dem Örtchen Järåp und am nächsten Tag im Vänern. Der Vänern ist der größte See in der EU, zehnmal so groß wie der Bodensee und für jemanden, der aus einem Land mit Hitzewelle kommt, ziemlich kalt. Das Wasser hat geschätzt etwa 15 Grad. Letztes Schweden-Schwimmen in Göteborg, im sensationellen Pöl Harbor, einem Public Swimming Pool: mehrere Becken mitten im Hafen, eins davon mit Sprungturm. Viele Rettungsschwimmer, Eintritt frei. Unglaublich.
Zurück in Dänemark. Auf gut Glück steuere ich Aalborg an und finde den Vestre Fjordpark. Man könnte sagen: Dieser Wasserpark ist die Steigerung der Becken in Göteborg. Eine Mega-Anlage mit Spielgeräten mitten im Wasser, mit 50-Meter-Becken, Toiletten und und und – Eintritt frei.
Kraulen in der Heimat
Nächster Tag: zurück in Schleswig-Holstein. Ein paar Kilometer in meinem ganz persönlichen Geheimtipp-Wasser, im Treene-Flussbad in Friedrichstadt. Übrigens auch Eintritt frei. Dann geht es mit dem Adler-Express von Nordstrand mit Highspeed mitten durchs Weltkulturerbe Wattenmeer. Ich lasse mich ausnahmsweise mal übers Wasser chauffieren. Ziel ist der Ort, in dem ich zur Schule gegangen bin: Hörnum auf Sylt. Seither kraule ich täglich in der Nordsee, vorerst vor Sylt und demnächst vor Pellworm. Am Samstag, 29. August, möglichst schnell: als Starter meiner Staffel beim Trifun. Bei diesem Spaß-Triathlon treten wir als Titelverteidiger an. Ich hoffe, die Einheiten während meiner Reise durch Wasser-Land waren effektiv und wir holen wieder Platz eins.
Wer mit mir ein paar Meter (oder ein paar Kilometer) schwimmen mag vor Pellworm: gerne an den Tagen nach dem Trifun. Einfach melden. Ihr findet mich auf Facebook. Oder irgendwo im Meer vor der Insel.