Samstag, 1. Juni 2024

Lost Places in Berlin | Wie digitale Kunst dem Stadtbad Lichtenberg neues Leben einhaucht

In der Ausstellung „Stadtbad RELOADED“ treffen Geschichte und moderne Kunst aufeinander. Zahlreiche Video-Animationen verleihen dem stillgelegten Hubertusbad in Berlin eine mystische Atmosphäre.

Frank Wechsel

Einst muss es im Stadtbad Lichtenberg sehr laut zugegangen sein. Das verraten historische Fotoaufnahmen vom bunten Treiben im und am Becken. Sie zeigen Kinder und Jugendliche in mehreren Reihen dicht gedrängt am Beckenrand, während ihre Altersgenossen im Wasser etwas vorführen. Heute ist es im Stadtbad sehr ruhig. Gespielt und geschwommen wir hier schon lange nicht mehr. Stattdessen wird das denkmalgeschützte Gebäude für Ausstellungen genutzt. Aktuell gibt es eine Performance mit Licht- und Video-Animationen auf 157 Tablets.

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„Stadtbad RELOADED“ heißt das aktuelle Programm, bei der die Video-Animationen überall im Bad an an den Wänden hängen: in alte Duschen, in die historischen Einzelumkleiden oder auf den Sprungturm. Weil Strom knapp ist und keine Leitungen installiert werden können, werden die Tablets mit Akkus betrieben, die jede Nacht an die Powerbank müssen.

Ein Highlight im auch unter dem Namen „Hubertusbad“ bekannten Schwimmbad ist ein Parkettboden über dem ehemaligen Männerbecken (das übrigens fünf Meter länger als das Frauenbecken ist). Dadurch lässt sich heute über das Becken gehen, was ein durchaus mulmiges Gefühl mit sich bringt. Schließlich geht es unter der dünnen Holzschicht mehrere Meter in die Tiefe. Wer sich traut und in der Mitte eines der Kissen zum Hinlegen nutzt, wird mit einem ganz besonderen Blick belohnt.

An diesem einzigartigen Ort verschmelzen Geschichte und moderne Kunst. Der Kontrast zwischen den oft quitschbunten Animationen und den seit Jahrzehnten ungenutzten Schwimmbadräumen ist enorm. Mystisch geht es hier zu und das Ambiente könnte auch Kulisse für einen Gruselfilm sein. Eine Nacht eingesperrt sein möchte man hier nicht.

Den alten Charme unterstreichen Installationen wie der alte Kassenautomat (Erwachsene zahlten 0,50 Mark, Kinder 2 x 0,10 Mark und Jugendliche 3 x 0,10 Mark). Schilder erinnern daran, welche Bedeutung Schwimmbäder von rund 100 Jahren für die allgemeine Hygiene hatten. Heißluftbehandlung, Fußbäder, Brausebäder und Wannenbäder konnte man hier bekommen. Aus den Öffnungszeiten geht hervor, dass auf eine strikte Trennung zwischen Männern und Frauen Wert gelegt wurde.

Die Organisatoren schreiben: „In dieser digitalen Kunstausstellung kannst Du zwei einzigartige Atmosphären genießen: Tagsüber sorgt das Sonnenlicht für eine schillernde Präsentation von Architektur und Kunstwerken. Nachts scheinen die Leinwände im Raum zu schweben, wodurch eine magische Atmosphäre entsteht!“ Mehr Infos zu Eintrittspreisen und Öffnungszeiten gibt es her.

Die Ausstellung ist noch die nächsten Monate über zu sehen. Im Juni soll ein mechanisches vier Quadratmeter großes Illusions-Kunstwerk hinzukommen und einen Monat später soll es sogar ein 220 Quadratmeter großes Kunstwerk zu bestaunen geben.

Peter Jacob
Peter Jacob
Mit sechs hieß es für den kleinen Peter schwimmen lernen - falls er mal ins Wasser fällt. Inzwischen ist er groß und schwimmt immer noch jede Woche. Mal mehr, mal weniger, meistens drinnen und manchmal draußen. Und immer mit viel Spaß und Leidenschaft.