Bei der Schwimm-EM in Paris starteten russische und belarussische Athleten noch neutral. Seit dem 1. September dürfen sie in Europa wieder unter eigener Flagge antreten.
Die Schwimm-Europameisterschaften in Paris sind gerade erst beendet, da beginnt für den internationalen Schwimmsport ein neues Kapitel im Umgang mit Russland und Belarus. Während der Titelkämpfe mussten die zugelassenen Athletinnen und Athleten beider Länder noch als neutrale Teilnehmer antreten – ohne Flagge, Hymne und nationale Symbole. Seit dem 1. September ist diese Übergangsphase beendet.
European Aquatics erlaubt erwachsenen Sportlern aus Russland und Belarus nun wieder den Start in Nationalfarben. Damit vollzieht der europäische Dachverband den nächsten Schritt zurück zur vollständigen Integration. Grundlage ist die Entscheidung des Weltverbandes World Aquatics vom April, die verbliebenen Einschränkungen aufzuheben. Der europäische Verband hatte diesen Schritt noch bis zum Ende der EM hinausgezögert. Voraussetzung für die Teilnahme bleiben unter anderem zusätzliche Dopingkontrollen und eine Überprüfung des persönlichen Hintergrunds.
5 EM-Siege ohne russische Hymne
Wie umstritten dieser Kurs ist, zeigte sich bereits in Paris. 43 russische und acht belarussische Schwimmerinnen und Schwimmer waren dort als sogenannte neutrale Athleten mit den Kürzeln NAB für Russland und NAA für Belarus (die Kürzel stehen für Neutrale Athleten A und Neutrale Athleten B) vertreten. Die russischen Schwimmerinnen und Schwimmer landeten mit 19 Medaillen (5 x Gold, 5 x Silber, 9 x Bronze) auf Platz drei im Medaillenspiegel. Bei den Siegen wurde nicht die russische Hymne gespielt, sondern die von European Aquatics.
Für die Ukraine ist die Rückkehr ein schwerer Schlag. Ihr Verband kritisierte die Entscheidung und verwies darauf, dass sich an der Situation seit dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022 grundsätzlich nichts geändert habe. Auch Polen und Norwegen hatten Widerstand gegen die vollständige Rückkehr angekündigt.
Damit ist der Schwimmsport seiner eigenen Sonderrolle treu geblieben: World Aquatics öffnete die Tür früh, European Aquatics folgte mit Verzögerung. Andere Sportarten wie die Leichtathletik oder der Fußball halten dagegen weiter an weitreichenden Ausschlüssen fest.