Chaos und Abbruch bei Schwimm-EM
Leonie Beck wird Europameisterin bei extremen Bedingungen

Zum Abschluss der Schwimm-Europameisterschaften in Rom ist Leonie Beck über zehn Kilometer zur Goldmedaille geschwommen. Die Bedingungen an der italienischen Küste waren alles andere als einfach.

Simone Castrovillari/LEN

Hohe Wellen und aufgewühltes Wasser zeichneten die Freiwasserwettkämpfe der Europameisterschaften in Rom. Viele Schwimmerinnen und Schwimmer kamen mit den widrigen Bedingungen nicht klar und mussten die Wettkämpfe vorzeitig beenden. Nicht so Leonie Beck. Über die olympische Zehn-Kilometer-Strecke schwamm die Würzburgerin in einem spektakulären Finish zum ersten deutschen Europameistertitel der Frauen über diese Strecke seit 2006. Damals hatte Angela Maurer in Budapest gewonnen.

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2:01:13,0 Stunden benötigte Beck für die Strecke, auf den letzten Metern vor dem Ziel waren die Wellen so hoch, dass sie die Orientierung verlor und anstatt Richtung Land aufs offene Meer schwamm. Die Vizeweltmeisterin fand aber den Weg zurück und sicherte sich in einem spannenden Endspurt noch die Goldmedaille vor der Italienerin Ginevra Taddeucci, die das Ziel 2,2 Sekunden später erreichte. Das Podium komplettierte Angelica André aus Portugal in 2:01:16,4 Stunden.

Angriff auf der letzten Runde

“Europameisterin ist was ganz Besonderes. Das ist auch meine erste Goldmedaille im Einzel”, sagte Beck nach ihrem Rennen. “Es war ziemlich hart, es war ziemlich wellig. Es war, glaube ich, eins der Top drei welligsten Rennen, die ich jemals gemacht habe. Ich habe am Anfang die Gruppe verloren und musste wieder aufholen, aber an sich war es cool und hat mir Spaß gemacht.” Gemeinsam mit der zweiten deutschen Starterin Lea Boy schwamm Beck über das ganze Rennen am Ende der Spitzengruppe, bis sie sich auf der letzten Runde Stück für Stück nach vorn kämpfte. Boy beendete das Rennen nach 2:04:44,3 Stunden auf Rang 13.

Klemet schwimmt auf Platz fünf

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Bei den Männern verpasste Gregorio Paltrinieri das Podium über zehn Kilometer. Der als Topfavorit gehandelte Italiener belegte am Ende nur den siebten Platz (1:51:12,7 Stunden). Den Europameistertitel gewann ein anderer Italiener, Domenico Acerenza berührte die Anschlagmatte nach 1:50:33,6 Stunden als Erster vor Marc-Antoine Olivier aus Frankreich (1:50:37,3 Stunden) und dessen Landsmann Logan Fontaine (1:50:39,1 Stunden). Die beiden deutschen Teilnehmer Oliver Klemet (1:51:04,8 Stunden) und Ben Langner (1:58:04,9 Stunden) belegten die Plätze fünf und 16.

Abbruch über 25 Kilometer

Tags zuvor fanden bereits die Rennen über fünf und 25 Kilometer statt. Auch hier waren die Bedingungen in Lido di Ostia nicht besser. Nachdem das kürzere Rennen normal durchgeführt werden konnte (die Titel sicherten sich die Niederländerin Sharon van Rouwendaal in 56:58,7 Minuten und Paltrinieri in 52:13,5 Minuten), verschlechterten sich die Bedingungen zum Nachmittag noch einmal. Nach zehn von 15 zu schwimmenden Runden wurde das Rennen im Tyrrhenischen Meer dann abgebrochen. Die heftigen Winde und der starke Wellengang ließen keine andere Entscheidung zu. Viele Athletinnen und Athleten hatten jedoch schon vor dem offiziellen Abbruch entschieden, das Rennen vorzeitig zu beenden. Acht Frauen und 13 Männer schwammen jedoch bis zum Schluss tapfer weiter, unter ihnen auch Elea Linka, Andreas Waschburger und Ben Langner.

Ein offizielles Ergebnis über die längste Freiwasserstrecke gibt es nicht. Zwar wurden die für eine Wertung nötigen 15 Kilometer absolviert. Jedoch wurde wohl versäumt, den Rennabbruch rechtzeitig an die Sportler zu kommunizieren. “Einige Athleten hatten gar kein Begleitboot mehr, es war sehr, sehr gefährlich”, sagte DSV-Leistungssportdirektor Christian Hansmann. “Als es abgebrochen wurde, gab es ein absolutes Chaos. Keiner wusste, schwimme ich weiter, wo muss ich hinschwimmen? Die Bojen waren nicht mehr zu sehen, weil die Wellen so hoch waren. Aus meiner Sicht haben sie zu spät abgebrochen und den Abbruch nicht richtig vorbereitet.”

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