Freiwasser | Die Alternative heißt Nordsee

Viele Bäder sind wegen Corona noch geschlossen, die Flüsse und Seen nicht jedermann Favoriten. Schwimmt in der Nordsee! Zum Beispiel auf Sylt.

Der Himmel ist tief blau. Es weht allenfalls ein laues Lüftchen aus Westen. So weit das Auge reicht: kaum Wellen. Vom Oststrand in Hörnum aus sind die Sylter Nachbarinseln Amrum und Föhr glasklar zu erkennen. Grandiose Bedingungen für Freiwasserschwimmer – sie sollten halt einigermaßen kältefest sein. Die Nordsee hat derzeit rund zehn Grad. Mit Neoprenanzug ist das Meer aber DIE Alternative.

Viele Bäder in Deutschland sind wegen der Coronakrise nach wie vor geschlossen. Und selbst jene Bäder, die unter ganz speziellen Bedingungen eröffnet wurden, sind nicht unbedingt nach dem Geschmack vieler Schwimmer mit sportlichen Ambitionen. Mitunter ist Überholen nämlich verboten. Man fragt sich: Ist Training in so einem Becken überhaupt möglich? Wohl kaum.

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Beim Atmen das Wahrzeichen im Blick

Fahrt ans Meer! Urlaub im Heimatland ist 2020 ja ohnehin angesagt. An den deutschen Küsten ist jedenfalls jede Menge Platz. Zum Beispiel auf Sylt. Bei der Anreise haben sich die Autos an manchen Tagen zwar mehrere Kilometer weit gestaut. In der Himmelfahrtswoche zumindest haben sich alle Urlauber sehr gut auf der Insel verteilt. In Hörnum herrschte nie Hochbetrieb, ganz im Gegenteil. Am Strand ist jede Menge Platz, und im Meer ist der Schwimmer ohnehin fast allein.

Beim Kraulen in Richtung Südspitze muss ich an diesem Sommertag im Frühling nur aufpassen, dass mir die Stand-up-Paddler nicht in die Quere kommen. Also immer wieder Wasserball-Kraul schwimmen, mit Kopf nach oben und Augen nach vorn. Ein Zug rechts, einer links, einer rechts, einer links. Vom Hauptstand aus kann man etwa einen Kilometer weit schwimmen, dann heißt es umdrehen – denn die Strömung an der Odde, dem äußersten Sylter Südzipfel, ist tückisch.

Prächtige Unterwasserwelt

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Über Wasser ist die Sicht sensationell. Beim Atmen nach rechts ist stets das Hörnumer Wahrzeichen im Blick: der rot-weiß gestrichene Leuchtturm, in dem anno dazumal die Grundschule des kleinen Ortes untergebracht war. Und zur Linken sieht der Schwimmer die Adler-Ausflugsschiffe und die Nachbarinseln. Unter Wasser gibt es mehr zu sehen als in allen Freibädern, Seen und Flüssen zusammen: ab und zu kleine Fische, jede Menge Muscheln und Steine, mitunter eine Strandkrabbe, die hektisch mit den Scheren in Richtung Schwimmer zeigt, oder eine Qualle.

Zehn Grad im Wasser und Sonne satt von oben – das ist für einen routinierten Eisschwimmer mollig warm. Alle anderen Krauler sollten auch einigermaßen zurecht kommen mit solchen Bedingungen. Und wenn nicht: wartet noch ein bisschen. Der Sommer steht an, die Nordsee und die Ostsee werden ganz bestimmt bald wärmer.

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