Kein Monster zu sehen: Langstreckenschwimmerin Anke Höhne meistert den 39,7 Kilometer langen Lake Memphremagog.
39,7 Kilometer durch einen See, der zwei Länder verbindet: Von Newport im US-Bundesstaat Vermont bis ins kanadische Magog führte am 19. August 2025 Anke Höhnes bislang längste Schwimmen. Unter dem Motto „In Search of Memphre“ richtet der Verein Kingdom Games seit einigen Jahren diese besondere Herausforderung aus – benannt nach dem Seeungeheuer „Memphre“, das hier ähnlich wie Nessie in Schottland leben soll.
Das Schwimmen im Lake Memphremagog zählt zur Triple Crown of Lake Monster Swims und ist damit eine mythische Schwester der großen Freiwasserprüfungen. Neben „Nessie“ und „Memphre“ ist „Tessie“ im Lake Tahoe (Kaliforniern/Nevada) das dritte Monster, das es bei dieser Herausforderung zu bezwingen gilt. Das Schwimmen wird entsprechend zelebriert mit Hoodies und Handtücher mit Monsterlogo, auch ein Besuch der Kultkneipe Jaspers Tavern samt Verewigung an der Außenwand gehören dazu. Insgesamt bemühen sich die Organisatoren von Kingdom Games um eine familiäre Atmossphäre. Der Berliner Matthias Kassner bewältigte vor einem Jahr dieselbe Strecke.
Start in der Nacht
Höhnes Start erfolgte eine Minute nach Mitternacht. Die Lufttemperatur sank nach Angaben ihrer Begleiter bis auf sieben Grad, das Wasser war dank eines ungewöhnlich heißen Sommers aber immerhin 22 Grad warm. Windstille und leichter Rückenwind sorgten für perfekte Bedingungen – nur die Nachtkälte machte dem Begleitteam auf dem Boot zu schaffen. Mit mehreren Lagen Kleidung und einem improvisierten Gasofen hielt man sich an Bord so gut es ging warm. Erst gegen 6 Uhr brachten die ersten Sonnenstrahlen etwas Entlastung.
Anke Höhne schwamm von Beginn an mit eiserner Konstanz: fünf Stunden Dunkelheit, 51 Züge pro Minute, regelmäßige Feedings, kaum ein Wort der Klage. „Nach der Hälfte fühlt es sich an, als würde man durch Ahornsirup schwimmen“, beschreibt die Athletin die Zähigkeit solcher Distanzen. Ihr Begleiter Peter Wortelker ergänzt: „Anke ist nicht die schnellste Schwimmerin, aber von unglaublicher Willensstärke und großer Konstanz. Dieses Mal wollte sie nach 15 Stunden weniger Feedingpausen und erhöhte sogar die Schlagzahl auf 55. Damit schwamm sie schneller als zu Anfang, was eigentlich völlig ungewöhnlich bei solchen Distanzen ist.“
Am frühen Abend war Memphres Reich bezwungen und Höhne stand im kanadischen Magog an der Nordspitze des Sees schließlich wieder auf festem Boden. 18 Stunden und 44 Minuten dauerte der Schwimm-Marathon. Zeichen eines Monsters konnte die Schwimmerin nicht erkennen.