Neuer Kurs in der Seine | Den Coach freut’s, doch Wellbrock würde lieber auf der Olympia-Strecke schwimmen

Zwei Jahre nach den Olympischen Spielen in Paris kehren Florian Wellbrock und Co. an die Seine zurück.

Frank Wechsel / spomedis Florian Wellbrock schwimmt 2024 beim Olympiarennen in der Pariser Seine.

Vor zwei Jahren war es das Dauerthema der Olympischen Spiele in Paris: die Wasserqualität der Seine. Bei den am Dienstag beginnenden EM-Freiwasserwettbewerben spielt dieses Thema jedoch keine Rolle. Geschwommen wird zwar wieder im Hauptstadtfluss, allerdings in einem deutlich ruhigeren Seitenarm. Zwischen den Brücken Pont de Grenelle und Pont de Bir-Hakeim wurde nach den Spielen eine öffentliche Badestelle errichtet. Schiffsverkehr gibt es hier nicht und die Strömung soll laut Deutschem Schwimm-Verband maximal 0,1 Meter pro Sekunde betragen. Kein Vergleich mit den 0,7 Metern pro Sekunde, die die Olympiaschwimmer vor zwei Jahren teilweise fast auf der Stelle schwimmen ließen.

Offene Rechnung mit der Seine

Bundestrainer Bernd Berkhahn freut sich über den Ortswechsel. „Wir sind erleichtert, dass wir deutlich bessere Bedingungen haben als 2024. Wir haben hier kaum Strömung, eine gute Wasserqualität und das Wasser ist warm. Es ist fast idyllisch“, sagte Berkhahn kurz vor den beiden 10-Kilometer-Rennen am Dienstag. Rund 26 Grad soll die Wassertemperatur diesmal betragen, das sind drei Grad mehr als bei Olympia. Während bei den Männern Florian Wellbrock und Oliver Klemet mit Medaillenchancen ins Wasser gehen, wird das Frauenrennen ohne deutsche Beteiligung über die Bühne gehen. Sowohl Leonie Märtens als auch Lea Boy mussten krankheitsbedingt absagen.

Die leichte Strömung ist für den erfahrenen Freiwassercoach trotzdem Thema. In Zusammenarbeit mit dem Institut für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten (FES) wurden sogar Strömungsprofile für den Rennkurs ermittelt. „Es geht schließlich um Zehntel- oder Hundertstelsekunden. Wenn man in der Lage ist, Kraft zu sparen, macht man das natürlich und nutzt jeden kleinen Vorteil, der sich auf der Strecke ergibt“, erklärte Berkhahn. Der Coach setzt dazu auf die Sensibilität der Schwimmerinnen und Schwimmer, die beim Streckencheck die ganze Breite der Seine abtasten. „So kreieren wir uns nun die optimale Strecke.“

Wellbrock würde WM-Medaillen eintauchen

Florian Wellbrock wäre trotzdem lieber auf der Originalstrecke der Olympischen Spiele geschwommen. Der Magdeburger kam mit den Bedingungen damals überhaupt nicht zurecht und wurde mit einer Minute Rückstand auf den Sieger Achter. Im Interview mit welt.de sagte er jetzt: „Ich hätte gerne die olympische Strecke gehabt. Einfach um zu schauen: Wie fühlt es sich an, wie könnte es ausgehen, wenn ich dem Ganzen eine zweite Chance gebe.“

Der verpassten Olympiachance trauert Wellbrock auch zwei Jahre später noch hinterher, das wird in dem Gespräch deutlich. Denn auch im Pool lief es für ihn nicht. Über 800 und 1.500 Meter Freistil schied der Schwimmstar jeweils im Vorlauf aus. Vergangenes Jahr schwamm sich Wellbrock mit vier Goldmedaillen bei der WM in Singapur eindrucksvoll zurück in die Weltspitze. Aber, so der 28-Jährige gegenüber welt.de: „Wenn jetzt eine Fee vorbeikäme und mir anbieten würde, meine vier Goldmedaillen aus Singapur gegen eine olympische Medaille aus Paris einzutauschen, würde ich das machen. Es geht einfach nichts über eine olympische Medaille.“

Die EM-Starts des DSV-Teams

4. August, 10:00 Uhr:
 10 km Männer mit Florian Wellbrock, Oliver Klemet
4. August, 14.30 Uhr: 10 km Frauen ohne deutsche Beteiligung nach krankheitsbedingter Absage von Leonie Märtens und Lea Boy

5. August, 10:00 Uhr: 5 km Männer mit Oliver Klemet, Florian Wellbrock
5. August, 14:30 Uhr: 5 km Frauen mit Julia Ackermann, Fabienne Wenske

7. August, 09:00 Uhr: Knockout-Sprint Frauen mit Isabel Gose
7. August, 11:15 Uhr: Knockout-Sprint Männer mit Oliver Klemet, Florian Wellbrock, Johannes Liebmann

8. August, 10:00 Uhr: 4 x 1,5 km Mixedstaffel mit DSV-Quartett

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Peter Jacob
Mit sechs hieß es für den kleinen Peter schwimmen lernen - falls er mal ins Wasser fällt. Inzwischen ist er groß und schwimmt immer noch jede Woche. Mal mehr, mal weniger, meistens drinnen und manchmal draußen. Und immer mit viel Spaß und Leidenschaft.

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