Ersttäter im Eiswasser

Was für einen Schnapsidee, das mögen sich manche in Erbstetten gedacht haben. Dann sind gut drei Dutzend unverfrorene Frauen und Männer zum Winterschwimmen ins eiskalte Freibad gekommen.

| 13. Dezember 2017 | AKTUELL

Schwimmen für den guten Zweck in Erbstetten bei Stuttgart.

Schwimmen für den guten Zweck in Erbstetten bei Stuttgart.

Foto >Martin Tschepe

Was für einen Schnapsidee, das mögen sich manche in Erbstetten gedacht haben. Dann sind gut drei Dutzend unverfrorene Frauen und Männer zum Winterschwimmen ins eiskalte Freibad gekommen.

Pünktlich zum Start dieses Benefiz-Eisschwimmens spielt sogar Frau Holle mit: gegen Mittag beginnt es zunächst ganz leicht zu schneien, dann werden die Flocken immer größer. Bald ist alles weiß. Was für eine Kulisse für diese Aktion im Kaltwasser, die im Sommer während eines Pressegesprächs spontan angestoßen worden war.

0 Grad Lufttemperatur

Gut drei Dutzend unverfrorene Frauen und Männer stehen im Dezember bei etwa null Grad Lufttemperatur am Rande des Beckens des alten Freibads in Burgstetten-Erbstetten in der Nähe von Stuttgart. Sie tragen nur Badehose oder Badeanzug, Badekappe und Schwimmbrille, und sie wollen gleich im gut sechs Grad kalten Wasser ein bisschen schwimmen. Was für eine Schnapsidee, mögen sich manche Zuschauer denken und bibbern.

Dieses Eisschwimmen ist kein knall harter Wettbewerb, sondern eine Aktion, bei der Geld zusammen kommen soll für die dringend notwendige Sanierung des rund 70 Jahre alten Bads. Sponsoren bezahlen dafür, dass sich andere ins Wasser wagen. Gekommen sind einige routinierte Eisschwimmen, sie nutzen den Termin in Erbstetten als Training für die German Open im Eisschwimmen, die Anfang Januar in Veitsbronn ausgetragen werden. Gekommen sind indes auch ein paar Ersttäter, Leute, die nie zuvor in so kaltem Wasser waren.

1.000 Euro für 1.000 Meter

Und alle werden von den Zuschauern frenetisch angefeuert - ganz egal, ob sie eine Bahn schwimmen, also 33 Meter weit - oder, wie ich, 1.000 Meter, 30 Bahnen. Die Sponsoren lassen pro Schwimmer 50 Euro springen, manche auch 100 Euro - und einer bezahlt sogar 1.000 Euro für meine 1000 Meter. Vielen Dank dafür, Herr Wiesheu. Im Laufe des Nachmittags kommen rund 5.000 Euro zusammen. Die Damen und Herren vom Bad-Förderverein sind zufrieden - und alle Schwimmer, die soeben den eigenen Schweinehund überwunden haben, sowieso.

Als ich meine 1.000 Meter nach gut einer Viertelstunde beende, steigt tatsächlich Florian Muhl ins Wasser, der Mann, der das erste (aber sicherlich nicht letzte) Eisschwimmen in Erbstetten angestoßen hat, damals im Sommer bei gut 25 Grad im Schatten. Muhl ist Redakteur der Backnanger Kreiszeitung - und wir beide waren zusammen zu dem Pressegespräch der Gemeinde und des Vereins gekommen. Gesprochen wurde über Aktionen, die Geld in die Kasse bringen könnten für die Sanierung. Und der Kollege hat dann feixend auf mich gezeigt und erklärt: Wie wäre es mit einem Schwimmen im Winter, der Herr Tschepe ist doch Deutscher Meister im Eischwimmen. Stimmt nicht, hab ich gesagt, bin nur Vizemeister - aber ich bin aus der Nummer nicht mehr rausgekommen, wollte ich auch gar nicht.

Nächstes Jahr als Wettkampf?

Das war mal eine coole Veranstaltung in Erbstetten, haben alle gesagt, die da waren. Auch ein paar Schwimm-Routiniers, etwa Bruno Dobelmann, der Mann, der die Doppel-Beltquerung geschwommen ist, und Oliver Halder, der Veranstalter der Bodenseequerung. Schnell war man sich einig: Im nächsten Winter soll das zweite Eisschwimmen in Erbstetten steigen. Vermutlich mit einem kleinen Wettbewerb über 33 Meter oder über 100 Meter, und dann womöglich auch bei echten Wettbewerbsbedingungen, denn fürs Eisschwimmen muss das Wasser eigentlich unter fünf Grad haben. Aber wer diesmal bei sechs Grad gekrault ist, der kann das ganz bestimmt auch bei nochmal ein, zwei Grad weniger. Notfalls werfen wir halt ein paar Eiswürfel ins Becken - damit 2018 geschwommene Rekorde auch zählen.

Der Autor hat sich Verstärkung mitgebracht. Tochter Fania schwamm 130 Meter, Trainingskumpel Reiner Koch (Mitte) 600 Meter.

Der Autor hat sich Verstärkung mitgebracht. Tochter Fania schwamm 130 Meter, Trainingskumpel Reiner Koch (Mitte) 600 Meter.

Foto >Martin Tschepe

Martin Tschepe ist Redakteur bei der Stuttgarter Zeitung und Langstreckenschwimmer beim SV Ludwigsburg. Er schreibt gelegentlich für swim.de