34 Kilometer und mehr als 18 Stunden im Wasser: Extremschwimmerin Anke Höhne hat den Lake Tahoe in den USA durchquert und damit eine ganz besondere Challenge bewältigt.
Als Anke Höhne am Sonntagabend um 21 Uhr ins Wasser stieg, lagen 34 Kilometer und viele Stunden Schwimmen vor ihr – die ersten davon in völliger Dunkelheit. Der Lake Tahoe an der Grenze der US-Bundesstaaten Kalifornien und Nevada gilt unter Freiwasserschwimmern aufgrund seiner Höhe als besondere Herausforderung. Der alpine See liegt rund 1.900 Meter über dem Meeresspiegel, ist bis zu 500 Meter tief und bekannt für seine wechselhaften Bedingungen.
Tagsüber macht vor allem der regelmäßig aufkommende Wind das Schwimmen schwierig. Deshalb begann Höhnes Durchquerung in der Nacht, als der See deutlich ruhiger war. „Somit ging es erst mal neun Stunden durch die Nacht, was vor allem eine mentale Herausforderung für mich darstellte“, berichtet die Freiwasserschwimmerin aus Hamburg. Entschädigt wurde sie dafür mit einem besonderen Anblick: „Der Sternenhimmel über mir und die Klarheit des Sees, in der ich sogar nachts immer noch meine Arme unter Wasser sehen konnte.“
21 Grad Wassertemperatur
Die ersten Stunden wurden zusätzlich durch eine Gegenströmung erschwert. Später konnte Höhne ihr Tempo dann kontinuierlich steigern. Nach 18 Stunden und 7 Minuten erreichte sie schließlich das Ziel auf der anderen Seite des Sees. Die Wassertemperatur lag bei relativ angenehmen 21 Grad, während die Luft in der Nacht auf zwölf bis 13 Grad abkühlte.
Besonders zufrieden ist Höhne auch wegen ihrer Vorgeschichte. „Ich bin total happy, dass ich dieses Schwimmen geschafft habe“, sagt sie. Es sei ihr längstes Schwimmen gewesen, seit sie im vergangenen Jahr eine Schulterverletzung erlitten hatte. „Entsprechend fehlten mir Trainingskilometer, und mein Schwimmtempo ist immer noch geringer als vor der Schulterverletzung.“
Eine weitere Unbekannte war die Höhe. In knapp 1.900 Metern Höhe steht dem Körper weniger Sauerstoff zur Verfügung, was die Leistungsfähigkeit beeinträchtigen kann. Höhne und ihr Team reisten deshalb bereits eine Woche vor dem Schwimmen an, um sich zu akklimatisieren. „Offensichtlich war unsere Strategie erfolgreich“, zieht sie Bilanz.
Monster Swims vollendet
Mit der Lake-Tahoe-Querung vollendete Höhne die sogenannte Triple Crown of Lake Monster Swims. Dahinter stehen drei besonders lange See-Durchquerungen, um die sich jeweils Legenden von Seeungeheuern ranken: 36 Kilometer durch Loch Ness in Schottland, die Heimat von „Nessie“, 40 Kilometer durch den Lake Memphremagog zwischen den USA und Kanada, wo das Monster „Memphre“ leben soll (mehr dazu hier), sowie nun die 34 Kilometer durch den Lake Tahoe mit dem sagenumwobenen „Tessie“.
Höhne hatte die beiden anderen Strecken bereits bewältigt und ist damit nach eigenen Angaben die erste deutsche Schwimmerin, die diese drei „Monster Swims“ komplettiert hat. Laut der Datenbank ultraswimming.org ist sie erst der siebte Mensch weltweit mit diesem Triple-Erfolg.
Unterstützt wurde sie auf dem Lake Tahoe erneut von ihrem Mann Karl, der das Feeding während des Schwimmens übernahm, sowie von Pilot Tom Linthicum, dessen Enkel Rhys im Kajak begleitete. Außerdem überwachte ein Observer der Lake Tahoe Swim Federation die Einhaltung der Regeln für das Marathonschwimmen.
Und was ist mit dem namensgebenden Seeungeheuer? Höhne kann Entwarnung geben: „Tessie ließ sich zum Glück nicht blicken.“
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