Bis Ende 2027 sollen alle 20 öffentlichen Hallenbäder von Bäderland mit einem KI-gestützten Warnsystem ausgestattet werden. Kameras analysieren die Bewegungen im Wasser und alarmieren das Personal bei möglichen Notfällen.
Ein ungewöhnliches Bewegungsmuster, ein Kopf, der zu lange unter Wasser bleibt, oder ein Mensch, der sich plötzlich nicht mehr bewegt: In Hamburgs Schwimmbädern soll Künstliche Intelligenz künftig dabei helfen, kritische Situationen frühzeitig zu erkennen. Der städtische Betreiber Bäderland stattet dafür sämtliche 20 öffentlichen Hallenbäder mit einem digitalen Assistenzsystem aus. Die vollständige Einführung ist bis Ende 2027 geplant.
Die Technik arbeitet mit Kameras, die von der Decke aus die Becken und Teile des unmittelbaren Beckenrandes erfassen. Eine Software wertet die Bilder in Echtzeit aus und sucht nach Anzeichen für einen möglichen Badeunfall. Erkennt das System eine verdächtige Situation, erhält die Badeaufsicht eine Warnung auf ihrer Smartwatch. Ein schematischer Beckenplan zeigt, an welcher Stelle Hilfe erforderlich sein könnte. Dadurch soll das Personal schneller reagieren können, bevor aus einer Gefahrensituation ein lebensbedrohlicher Notfall wird.
Drei Millionen Euro für mehr Sicherheit
Erprobt wurde das System bereits im Billebad in Bergedorf. Dort läuft der Testbetrieb seit Ende 2024. SWIM.DE hatte letztes Jahr die Gelegenheit, das System anzusehen und auch selbst mit einer Notfallübung auszutesten. Nun folgt der Ausbau: Insgesamt sind 256 zusätzliche Kameras an 48 Schwimmbecken vorgesehen. Als erster Standort wird die Alsterschwimmhalle ausgestattet. Weitere Bäder sollen schrittweise folgen. Bäderland beziffert die Investition auf rund drei Millionen Euro.
Die neue Technik ist ausdrücklich nicht als Ersatz für menschliche Aufmerksamkeit gedacht. Die Zahl der Aufsichtskräfte soll unverändert bleiben. Vielmehr soll die KI die Beschäftigten unterstützen, deren Aufgabe es ist, zahlreiche Badegäste gleichzeitig im Blick zu behalten. Gerade in gut besuchten Schwimmbädern oder bei Kursen kann es entscheidend sein, einen Notfall wenige Sekunden früher zu bemerken.
Datenschutz bleibt ein wichtiges Thema
Entwickelt wurde das System vom israelischen Unternehmen Lynxight. Nach Angaben des Anbieters werden die Bilder lokal im Schwimmbad verarbeitet und nach 15 Sekunden gelöscht. Eine dauerhafte Speicherung in einer Cloud sei nicht vorgesehen. Auch der Hamburger Datenschutzbeauftragte war in die Vorbereitung eingebunden.
Hinter dem Ausbau steht auch ein tragischer Badeunfall aus dem Jahr 2023: Im Schwimmbad Bondenwald geriet ein fünfjähriges Mädchen während eines Schwimmkurses unter Wasser und starb an den Folgen des Sauerstoffmangels. Der Fall rückte die Frage nach einer zuverlässigeren Erkennung von Gefahrensituationen in den Fokus.