Zehn Medaillen in zwei Tagen, darunter viermal Gold: Die deutsche Para-Schwimm-Nationalmannschaft ist furios in die Europameisterschaften im türkischen Kocaeli gestartet. Tanja Scholz schwamm sogar Weltrekord.
Die deutschen Para-Schwimmerinnen und -Schwimmer haben bei den Europameisterschaften in Kocaeli (Türkei) einen Traumstart erwischt. Nach den ersten beiden Wettkampftagen stehen bereits zehn Medaillen zu Buche. Viermal gab es Gold, viermal Silber und zweimal Bronze. Tanja Scholz sorgte für einen Weltrekord.
Die 42-Jährige gewann die 50 Meter Brust in der Klasse SB2 in 56,44 Sekunden und verbesserte ihre eigene Bestmarke gleich um mehr als viereinhalb Sekunden. Für Scholz war es der erste EM-Titel ihrer Karriere. „Mein Traum war es, unter einer Minute zu schwimmen. Das schien so weit weg“, sagte die Paralympics-Siegerin von Paris.
Taliso Engel bleibt ungeschlagen
Auch Verena Schott schlug am ersten Tag zu. Über 100 Meter Rücken (S6) holte die 37-Jährige in 1:29,41 Minuten Silber. Einen Tag später legte Schott über 100 Meter Freistil (S6) in 1:16,65 Minuten Bronze nach. Für die dreifache Mutter, die 2025 ihr drittes Kind bekommen hatte, ein besonderer Erfolg. Ihre Tochter Stella war bei der Siegerehrung dabei.
Am Dienstag setzte sich der deutsche Medaillenregen fort. Gina Böttcher, Elena Semechin und Taliso Engel sorgten für einen Gold-Hattrick. Böttcher setzte sich über 100 Meter Freistil (S4) nach einem engen Duell noch deutlich gegen die Russin Mira Larionova durch. Für die 25-Jährige war es bereits der vierte EM-Titel.
Semechin gewann die 100 Meter Brust (SB12) in 1:15,85 Minuten. Die Paralympics-Siegerin von Tokio und Paris arbeitet sich nach der Geburt ihres Sohnes im vergangenen Jahr zurück an die Weltspitze. „Die Goldmedaille ist die Belohnung für die Arbeit“, sagte die 32-Jährige.
Auch Taliso Engel verteidigte seinen EM-Titel über 100 Meter Brust (SB13). In 1:02,07 Minuten distanzierte der 24-Jährige die Konkurrenz deutlich. Seit seinem WM-Triumph 2019 hat Engel damit bei Welt- und Europameisterschaften sowie Paralympics jedes Gold über diese Strecke gewonnen.
Für ein weiteres Highlight sorgte Philip Hebmüller. Der 19-Jährige schwamm über 100 Meter Schmetterling (S13) in persönlicher Bestzeit von 1:08,74 Minuten noch von Platz sechs auf Rang drei und gewann damit erstmals bei einem internationalen Großereignis eine Medaille.
Silber ging an Mira Jeanne Maack über 100 Meter Rücken (S8) und Josia Topf über 150 Meter Lagen (SM3), jeweils in persönlicher Bestzeit. Hinzu kamen mehrere vierte Plätze, unter anderem durch die erst 13-jährige Nisanur Kocabas und Maurice Wetekam.
Bundestrainerin Ute Schinkitz sprach angesichts der Ausbeute von einem „sehr, sehr erfolgreichen“ Auftakt. Gleichzeitig verwies sie auf die Bedeutung der EM für die zahlreichen jungen Athletinnen und Athleten mit Blick auf die Paralympics 2028 in Los Angeles. Der Medaillenhunger des deutschen Teams dürfte damit noch lange nicht gestillt sein.