Was für eine Reise: Der US-Amerikaner Rob Lea hat als erster Mensch sowohl die Seven Summits als auch die Ocean’s Seven bewältigt.
Was für Bergsteiger die Seven Summits sind, sind für Freiwasserschwimmer die Oceans Seven: zwei der härtesten Ausdauerherausforderungen der Welt. Der US-Amerikaner Rob Lea hat nun beide Projekte vollständig gemeistert – und damit als erster Mensch überhaupt die sogenannte Double Seven vollendet.
Den entscheidenden Schritt machte der 45-Jährige aus Park City (Utah) in der Tsugaru-Straße zwischen den japanischen Inseln Honshu und Hokkaido. Für die letzte noch fehlende Durchquerung benötigte er 11 Stunden und 44 Minuten. Bereits 2023 war er an dieser Passage gescheitert. Diesmal trotzte er starken Strömungen, Wind und stark sinkenden Wassertemperaturen und erreichte nach fast zwölf Stunden erschöpft das Ziel. Die Tsugaru-Straße gilt als eine der anspruchsvollsten Etappen der Oceans Seven.
Zwei legendäre Herausforderungen: Berge und Ozeane
Die Double Seven vereint zwei ikonische Ausdauerprojekte: Die Seven Summits stehen für die jeweils höchsten Berge aller sieben Kontinente – vom Aconcagua in Südamerika bis zum Mount Everest in Asien. Die Oceans Seven wiederum bestehen aus sieben extremen Freiwasser-Durchquerungen: Ärmelkanal, Catalina Channel, Cook Strait, North Channel, Straße von Gibraltar, Molokai Channel und Tsugaru-Straße.
In der Krise zum Lebensprojekt
Im Januar 2009 bestieg Lea den Aconcagua, im Juni 2010 folgte der Denali in Alaska. Ein systematisches Projekt dahinter gab es damals nicht. „Ich hatte keinerlei konkrete Vorstellung davon, die Seven Summits zu machen. Ich hatte keine Ahnung, dass ich jemals den Everest oder Ähnliches schaffen könnte“, sagte Lea.
Erst Jahre später nahm die Idee Form an – ausgelöst durch eine schwere Knöchelverletzung im Jahr 2017. Nach einer aufwendigen Rekonstruktion riet ihm ein Arzt, das Laufen aufzugeben. Für Lea, der sein Leben lang sportlich aktiv gewesen war, war das ein Wendepunkt.
Er schwamm bereits während seines Studiums an der University of California Davis wettkampfmäßig und gewann 2012 als Triathlet seine Altersklasse bei der Ironman-70.3-Weltmeisterschaft. Nun brauchte er ein neues Ziel für die lange Rehabilitation. Die Wahl fiel auf den Ärmelkanal.
Everest und Ärmelkanal in 45 Tagen
In der Vorbereitung auf das Freiwasserschwimmen stieß Lea auf Diskussionen, ob der Ärmelkanal oder der Mount Everest die größere Herausforderung sei. Statt sich zu entscheiden, wollte er beides erleben.
2019 setzte er diese Idee radikal um: Innerhalb von nur sechs Monaten absolvierte er seinen selbst entwickelten Ultimate World Triathlon – mit der Besteigung des Mount Everest, der Durchquerung des Ärmelkanals und einer mehr als 5.600 Kilometer langen Radtour quer durch die USA. Das auch Peak & Pond genannte Double aus Everest und Ärmelkanal absolvierte Lea innerhalb von 45 Tagen.
Für den Sportler wurde die Phase zum Ausgangspunkt eines noch größeren Projekts: der Kombination aus Seven Summits und Oceans Seven. 17 Jahre sollte es dauern, alle 14 Herausforderungen zu meistern.
Die sieben Berge der Seven Summits
Südamerika: Aconcagua 6.961 m (2009)
Nordamerika: Denali 6.190 m (2010)
Asien: Mount Everest 8.848 m (2019)
Antarktis: Vinson-Massiv 4.892 m (2021)
Afrika: Kilimandscharo 5.895 m (2022)
Ozeanien: Puncak Jaya 4.884 m (2025)
Europa: Mont Blanc 4.805 m (2026)
Die Ocean’s Seven von Rob Lea
Ärmelkanal 34 km (Juli 2019, 11:47 Stunden)
Catalina Channel 34 km (August 2021, 11:14 Stunden)
Cook Strait 26 km (2024, 8:07:26 Stunden)
North Channel 34 km (August 2024, 10:36 Stunden)
Straße von Gibraltar 14 km (Oktober 2025, 4:20 Stunden)
Molokai Channel 44 km (November 2025, 14:36 Stunden)
Tsugaru-Straße 20 km (Juni 2026, 11:44 Stunden)
Allein mit den Ocean’s Seven gehört Lea bereits zu einem kleinen Kreis von nicht mal 50 Athletinnen und Athleten, die alle Schwimmen erfolgreich bewältigt haben. Der Weg war geprägt von enormen Belastungen. Besonders der Molokai Channel auf Hawaii forderte ihn: Meterhohe Wellen, extreme Bedingungen und ein schwimmbedingtes Lungenödem führten zu einem Krankenhausaufenthalt. Auch Begegnungen mit Quallen und Haien gehörten zu seinen Erfahrungen.
Ein Projekt, das nie allein entstand
Leas Erfolg ist eng mit seinem Umfeld verbunden. Seine Ehefrau Caroline Gleich, selbst professionelle Ski-Bergsteigerin und Ausdauersportlerin, begleitete ihn auf fünf der sieben Gipfel und unterstützte ihn bei zahlreichen Freiwasserschwimmen als Crewmitglied und für Social Media. Auf seiner Reise sei seine Frau extrem wichtig gewesen, sagte Lea. „Sie hat mir beigebracht, wirklich groß zu träumen und extrem ambitionierte Ziele zu setzen.“
Mehr als eine Liste
Laut Lea ging es bei seinem Projekt nie nur darum, zwei Checklisten abzuhaken. Die Double Seven ist für ihn Ausdruck einer grundlegenden Überzeugung: „Ich glaube, wir alle können viel mehr, als wir denken. Man muss sich nur ein Ziel setzen und es verfolgen.“