Über Trainingsweltmeister und Killerinstinkte

Kennen Sie das? Sie haben hart trainiert, fühlen sich fit und dennoch will es im Wettkampf nicht klappen. Wenn es nicht gelingt, gute Trainingsleitungen in optimale Wettkampfergebnisse umusetzen, können Trainer und Sportler schnell verzweifeln. Ein Phänomen, das immer wiederkehrt. Wir begeben uns auf Ursachensuche.

| 28. Februar 2013 | TRAINING

404B0518_neu | Michael Phelps vor dem Finale über 200 m Lagen in London.

Michael Phelps vor dem Finale über 200 m Lagen in London.

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Über Trainingsweltmeister und Killerinstinkte

London 2012: Als Medaillenkandidat geht Paul Biedermann am ersten Wettkampftag der Spiele in den Vorlauf über 400 Meter Freistil. Doch 3:48,50 Minuten reichen in einem engen Feld nicht fürs Finale. Biedermann ist raus. Ein Schock, ein Trauma für den Weltrekordler und der Beginn einer deutschen Pleitenserie in London.

Lüning | Holger Lüning

Holger Lüning

Noch dicker erwischte es Thomas Fahrner in Los Angeles 1984. Der 21-Jährige aus Ludwigshafen ist Favorit auf Gold, ebenfalls über 400 Meter Freistil. Auch er schrammt knapp am Finale der Vorlauf-Schnellsten vorbei. Das Unglaubliche: Im abendlichen B-Finale, dem bedeutungslosen Aufgalopp für die Medaillen-Entscheidung, schwimmt der Deutsche Olympiarekord und sogar schneller als der spätere Olympiasieger George DiCarlo. Für Fahrner bleibt trotzdem nur Platz neun.

Aus im Vorlauf

Um ein Haar hätte Franziska van Almsick ein Jahrzehnt später bei der WM 1994 in Rom ein ähnliches Fiasko erlebt. Lediglich der Startverzicht von Dagmar Haase sicherte der Berlinerin mit viel Glück den Platz im Finale. Einige tränenreiche Stunden später schwimmt "Franzi" auf Bahn 8 in Weltrekordzeit zum WM-Titel über 200 Meter Freistil.

Trainer und Athleten fragen sich in solchen Moment: Wie kann das passieren? Warum "funktioniert" der Sportler nicht, wenn es drauf ankommt?

Und dabei handelt es sich nur um ein paar wenige prominente Beispiele. Szenarien, die aber jedes Wochenende bei vielen kleinen Sportwettkämpfen wiederkehren. Und für jeden einzelnen Sportler, ganz gleich ob Bezirks- oder Vereinsmeister, bedeuten sie ein nachhaltiges und negatives Erlebnis.