Talent oder Fleiß, was ist wichtiger?

Als die Reporter Michael Phelps 2008 nach dem Gewinn seiner acht olympischen Goldmedaillen auf sein außergewöhnliches Talent ansprachen, entgegnete der Superstar, dass es vielmehr das Ergebnis eines unglaublich harten Trainingsprozesses sei. Und dann erfuhr man, was wirklich hinter dem großen Champion steckt. Nämlich als er verriet, in den drei Jahren vor Peking tatsächlich an jedem Tag des Jahres trainiert zu haben.

| 27. Juni 2013 | TRAINING

Michael claims his first ever Olympic Gold in the 400m IM in Athens, 2004 | Michael Phelps

Michael Phelps

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Was es braucht, ein Champion zu werden

 
Auf der einen Seite bedarf es demzufolge eines frühen Einstiegs in das strukturierte Üben einer Tätigkeit. Auf der anderen Seite lässt aber auch ein später Beginn das Erreichen einer Spitzenleistung zu. Nämlich dann, wenn man beharrlich an seinem Können arbeitet. Insofern ist es grundsätzlich – fast – nie zu spät. Doch es gehört, selbstredend neben dem durch die Natur gegebenen Vorteil von begünstigenden Körpermerkmalen, noch etwas mehr dazu, ein Champion zu werden.

Spitzenkönner zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass sie in der Lage sind, sehr viel härter trainieren zu können und sich folgerichtig deutlich häufiger an der Schwelle ihrer Leistungsfähigkeit befinden. Oder um es wie der britische Autor Matthew Syed („Was heißt schon Talent?“, Riemann Verlag) auf den Punkt zu bringen: Spitzenkönner besitzen die Eigenschaft, sich tendenziell im Training häufiger willentlich zu überfordern als andere.

Michael Phelps | 2003: Michael Phelps im Gespräch mit seinem langjährigen Coach Bob Bowman.

2003: Michael Phelps im Gespräch mit seinem langjährigen Coach Bob Bowman.

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Für Trainer bedeutet das, genau diese Fähigkeit bei ihren Schützlingen wachzurütteln und/oder sie bei den Sportlern zu entdecken. Es scheint, als sei diese Eigenschaft ein Schlüssel zum Erfolg. Ganz gleich auf welchem Leistungsniveau sich der Sportler gerade befindet.

Motivation muss von innen kommen

Bedeutet das für die Eltern sportbegeisterter Kinder nun, ihre Kinder möglichst früh an sehr hohe Trainingsumfänge zu gewöhnen? Sicher nicht, denn ein weiteres Charakteristikum wird bei Betrachtung der Topstars deutlich: der Wille und die Disziplin muss aus den Sportlern selber kommen, die sogenannte intrinsische Motivation. Natürlich spielt aber auch das Umfeld immer eine große Rolle, wenn es um Motivation geht. Wie in jeder frühen Entwicklungsphase spielt auch hier das Thema der Nachahmung eine bedeutende Rolle. Da, wo Begeisterung für etwas vorgelebt wird und die Unterstützung von Eltern, Familie, Freunden und Trainern vorhanden ist, wird die notwendige Basis für Top-Leistung geschaffen.

Man kann diese Umgebung nicht künstlich erzeugen. Man kann aber sehr wohl mit gutem Beispiel vorangehen und authentisch genau das vorleben, was man bei anderen Menschen erzeugen möchte: Begeisterung! Am besten beginnen Sie sofort und hören auch nach 10.000 Stunden nicht damit auf – ganz gleich, ob Sie sich selber oder andere motivieren wollen.