So werden Sie zum Kraulschwimmer

Das Schwimmen im Kraulstil ist für den Menschen die schnellste bekannte Fortbewegungsart im Wasser. Doch Schnelligkeit ist nur eine Facette dieser Schwimmart. Auch das Training wird deutlich vielseitiger und nimmt an Variationen zu, wenn Sie das Kraulen beherrschen.

| 14. August 2014 | TRAINING

Kraulschwimmer | Kraulschwimmerin im Wettkampf

Kraulschwimmerin im Wettkampf

Foto >Frank Wechsel / spomedis

So werden Sie zum Kraulschwimmer

Am Anfang steht die graue Theorie? Ja, denn schaden kann es nicht, wenn Sie die theoretischen Grundlagen kennen und sich im idealen Fall sogar schon per Video oder DVDs auf den Bewegungsablauf eingestimmt und eine Vorstellung der Technik haben. Gerade bei der Beobachtung sehr guter Schwimmer bekommen Sie dank des Prinzips des Observativen Lernens, also des Lernens durch Zusehen, bestes Beispielmaterial.

Das wichtigste Prinzip des Kraulschwimmens ist die wechselseitige Bewegung der Arme und Beine. Und noch ein Grundprinzip kennzeichnet diese Disziplin – nämlich den regelmäßigen Wechsel zwischen muskulärer Be- und Entlastung. Prägen Sie sich diesen Grundsatz gut ein, denn die Umsetzung entscheidet zu einem hohen Maße über die Ökonomie Ihrer Bewegungen.

Unterwasserphase: aktiv, progressiv

In der Unterwasserphase sind Sie aufgefordert, sich aktiv mit den Antriebsflächen, den Händen, vom Wasser abzudrücken. Das erfordert spezifische Muskelkräfte, die Sie sich sowohl im Wasser wie auch außerhalb des Beckens aneignen können. Überwasser hingegen sollten Sie sich entspannen! Der höchste Punkt in der Schwungphase der Arme ist deshalb der Ellenbogen. Fast wie an einer Marionette schwingt der Unterarm locker nach vorne, um in der Verlängerung der Schulter mit der Hand zuerst in das Wasser einzutauchen.

Lüning | Holger Lüning

Holger Lüning

Nun geht es darum, Geschwindigkeit aufzubauen und eine stabile Wasserlage zu erzielen. Zu Beginn der Zugphase ist es wichtig, dass Sie Ihr Handgelenk fixieren und nicht wie bei einem Griff abwinkeln. Drücken Sie mit Hand und Unterarm von oben nach unten auf das Wasser. Der Ellbogen bleibt in dieser Phase nahe der Wasseroberfläche. Im Schwimmjargon wird diese Schlüsselphase als „Ellbogen stellen“ bezeichnet.

In der seitlichen Ansicht kennzeichnet sich die Phase dadurch, dass sich nun Schulter-, Ellbogen- und Handgelenk auf einer Höhe befinden. Dies ist die notwendige Voraussetzung, um in die Druckphase überzugehen und sich kräftig mit der Handfläche und dem Unterarm in Richtung Oberschenkel abzudrücken. Ab dieser zentralen Schlüsselposition sollten Ihre Fingerspitzen stets zum Beckenboden gerichtet sein, um eine möglichst große Abdruckfläche zu erzeugen.

Im Verlauf der Druckphase bewegt sich Ihr Ellenbogen, immer noch in hoher Haltung nahe der Wasseroberfläche, zum Oberkörper hin. Dank der hohen Ellbogenführung haben Sie die Möglichkeit, zum Ende der Druckphase den Arm noch einmal kräftig zur Streckung bringen zu können. Die günstigen Hebelverhältnisse machen es möglich, die Geschwindigkeit der Unterwasserbewegung progressiv zu gestalten, das heißt die Geschwindigkeit Ihrer Hand nimmt kontinuierlich zu und erreicht kurz vor dem Austauchen am Oberschenkel den höchsten Wert. Hier zahlt es sich aus, wenn Sie über einen gut ausgebildeten Trizeps-Muskel verfügen!