Kühlung im Sport und was es bringt

Die Regulierung der Körpertemperatur spielt bei Ausdauerbelastungen eine große Rolle. Verschiedene Möglichkeiten, die Temperatur durch Außenanwendungen in den Griff zu bekommen, scheinen die Leistungsfähigkeit erhöhen zu können.

| 20. März 2014 | TRAINING

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Foto >Frank Wechsel / spomedis

In der Kältekammer bei -110 Grad

Eine deutsche Forschergruppe um Winfried Joch und Sandra Ückert von der Universität Münster kam in ihren Untersuchungen zu interessanten Ergebnissen. Sie setzten Sportler für 2,5 Minuten in einer Kältekammer einer Temperatur von –110 Grad aus, um sie danach einem Ausdauertest von 26 Minuten auf einem Fahrradergometer zu unterziehen. Der Effekt dieser Pre-Cooling-Maßnahme war eine signifikant niedrigere Herzfrequenz (ca. acht bis zehn Schläge/Minute) und deutlich geringere Laktatwerte gegenüber dem Standardtest. In weiteren Untersuchungen australischer Forschergruppen wurde zudem ein deutlicher Anstieg des Herzschlagvolumens beobachtet.

J.D. Cotter (2001) konnte eine um 16 Prozent verbesserte Ausdauerleistung bei einem 35-minütigen Ergometertest im Anschluss an eine Kälteapplikation mittels einer Kühlweste beobachten. Triathleten waren im Jahre 1997 Gegenstand einer weiteren australischen Untersuchung. Auch hier wurde mittels eines Pre-Coolings mit einer Kühlweste eine signifikant höhere Radergometerleistung erbracht. Ob dieses Verfahren auch Schwimmern bei heißen Außentemperaturen nutzen könnte, ist bisher nicht untersucht worden. Doch fest steht immerhin, dass es gar nicht immer der hohe materielle Aufwand einer Kühlkammer sein muss. Bereits die Abkühlung beispielsweise mittels einer speziellen Weste kann die Leistungsfähigkeit, gerade unter großer Hitze, enorm verbessern.

Abkühlung nach der Belastung

Die zweite zu beantwortende Frage, neben den Pre-Cooling-Effekten, gilt dem schnellen Abkühlen nach einer Ausdauerbelastung. Auf der Grundlage der diskutierten Untersuchungsergebnisse sei schließlich anzunehmen, dass durch den verbesserten Rückfluss des Bluts in die Organe eine schnellere Wiederherstellung zu erwarten sei.

Die deutsche Forscherin Sandra Ückert beschreibt in ihren Untersuchungen zu diesem Thema stets die verbesserte Herzfrequenzvariabilität. Diese Verbesserung würde die Erwartung zulassen, dass es zu einer größeren vagotonischen Steuerung käme. Diese parasympathische, also entspannende, Wirkung würde eine schnellere Erholung und Regeneration vermuten lassen.

Schneller Rückfluss des Bluts

Ein rasches Abkühlen nach dem Sport sollte vor allem aber den schnellen Rückfluss des Bluts aus der Hautregion in die inneren Organe bewirken. Das höhere Blutvolumen solle somit den Abtransport von Stoffwechselendprodukten oder sonstigen schädlichen Stoffen beschleunigen. Das zu erwartende Ergebnis soll eine schnellere Regeneration und somit ein frühzeitiger Wiedereinstieg in ein intensives Training sein. Ein Regenerationsbeschleuniger also. Paula Radcliff, eine der schnellsten Marathon-Läuferinnen der Welt, nutzt diese Effekte sogar direkt im Anschluss an ihre Wettkämpfe, um den Erholungszeitraum zu verkürzen.

Und wer hat es nun erfunden? Bereits im 19. Jahrhundert kurierte der deutsche Hydrotherapeut Sebastian Kneipp seine eigene Tuberkulose-Krankheit mittels kurzer Bäder in der eiskalten Donau und erkannte die heilende Wirkung des Wassers. Bekannt wurden seine Therapieformen durch die sogenannten Kneippbäder oder das langsame Waten durch flache Wasserbäder.

Wenn Sie nun die Wirkung von kalten Bädern zur schnelleren Regeneration einsetzen wollen, kann also schon ein mit Wasser und Eiswürfeln gefüllter Eimer genügen. Schon mit dieser einfachen Methode können Sie sich die durchblutungsfördernden Effekte zunutze machen. Waten kann Sie also leistungsfähiger machen!