Krafttraining vor oder nach dem Schwimmen?

Das Training erfolgreicher Schwimmers findet längst nicht mehr nur ausschließlich im Becken statt – das ist kein Geheimnis. Kraft- und Athletiktraining gehören zum festen Bestandteil im Alltag leistungsambitionierter Schwimmer.

| 17. April 2014 | TRAINING

Thomas Lurz | Thomas Lurz beim Krafttraining in Würzburg

Thomas Lurz beim Krafttraining in Würzburg

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Dieses Wissen findet bereits in der Jugendklasse Anwendung, auch wenn dort größtenteils ein Trockentraining mit kräftigendem Charakter unter Einsatz des eigenen Körpergewichts stattfindet.

Im Erwachsenenbereich hingegen ist der Weg in den Kraftraum schon lange kein außergewöhnlicher Programmpunkt innerhalb der Trainingsplanung. Dabei gibt es einige individuelle Gewohnheiten und Vorlieben, das Gewichttraining vor oder nach dem Schwimmen zu absolvieren. Oftmals handelt es sich dabei um verschiedene Aussagen zum Wassergefühl, je nachdem, ob man vorher oder nachher das Krafttraining durchführt. Doch was sagt die Wissenschaft dazu?

Video: Die Deibler-Brüder beim Krafttraining für Olympia:

Zur Vorbereitung auf die Weltmeisterschaften im Juli in Shanghai und die Olympischen Spiele 2012 in London gehört für Steffen und Markus Deibler auch das tägliche Krafttraining. swimTV hat die beiden Brüder beim Kräftemessen im Olympiastützpunkt in Hamburg begleitet.

Foto >Miriam Müller und Sylvi Hoschke

In Untersuchungen aus dem Jahr 2012 konnte beispielsweise festgestellt werden, dass ein moderates, vorheriges Ausdauertraining zu einer erhöhten Testosteron-Produktion und somit das nachfolgende Krafttraining in der Wirkung unterstützen und zudem zu schnelleren Regenerationszeiten führen könnte. In einer neueren Studie hingegen wurde genau diese Erkenntnis widerlegt.

Gleiches Niveau nach 24 Wochen

Diese Studie der finnischen Universität Jyväskyla unterteilte Sportler in zwei Gruppen, die über 24 Wochen hinweg ein Krafttraining vor bzw. nach einem Ausdauertraining absolvierten. Nach der Hälfte der Periode stellten die Wissenschaftler eine mindere Kraftentwicklung und verlangsamte Regenerationszeiten in der Gruppe fest, die ein vorheriges Ausdauertraining absolvierten. Die Annahme war, dass die anabolen Prozesse aufgrund der höheren Müdigkeit bei Aufnahme des Krafttrainings nicht im gleichen Maße „ansprangen“ wie bei der zweiten, ausgeruhten Gruppe.

Jedoch stellte sich ab der 13. Woche eine zunehmende Gleichstellung der Trainingseffekte heraus, die bis zum Ende des Untersuchungszeitraums auf das exakt gleiche Niveau kamen. Beide Gruppen verbesserten nach 24 Wochen ihre Kraftfähigkeiten in gleichen Prozentsätzen und wiesen das identische Muskelwachstum auf.

Reihenfolge unerheblich?

Studienleiter Moritz Schumann stellte am Ende fest, dass es offenbar unnötig sei, die Reihenfolge der Trainingsinhalte nach wissenschaftlichen Erkenntnissen festzulegen. Vielmehr würden die Ergebnisse dafür sprechen, die Organisation des Trainings an erster Stelle in Abhängigkeit von Zeit, örtlichen Gegebenheiten und anderen, den Trainingsablauf beeinflussenden Faktoren, vorzunehmen.

Lüning | Holger Lüning

Holger Lüning

Dennoch gilt auf jeden Fall die Empfehlung, bei zwei oder mehr Einheiten im Kraftraum pro Woche, die Trainingsinhalte so zu wählen, dass die spezifischen Auswirkungen und Belastungen mit einem nachfolgenden Schwimmtraining ideal kombinieret werden sollten. Werden die Ergebnisse der Untersuchungen und Aussagen der Experten zusammengefasst, so scheint sich aber die Durchführung des Krafttrainings vor einem schon zeitlich deutlich längeren Ausdauertraining als tendenzielle Empfehlung heraus zu kristallisieren.