Critical Swim Speed

Leistungsdiagnostische Maßnahmen sind im Leistungssport, ganz gleich auf welchem Alters- und Könnensniveau, eine wichtige Methode, um das Training auf seine Wirksamkeit zu überprüfen. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist dabei die möglichst exakte Einstellung der Intensitäten im Training. Die Suche nach der Critical Swim Speed könnte eine Alternative zu teuren und aufwendigen Tests sein.

| 9. April 2015 | TRAINING

Stoppuhr | Stoppuhr

Stoppuhr

Foto >Sonja Schleutker-Franke / spomedis

Bei der Critical Swim Speed (CSS) geht es um die Feststellung genau des Tempobereichs, in dem sich Energieverbrauch und -gewinnung im Einklang befinden. In der Trainingswissenschaft spricht man auch von einem steady-state. Dieser Wert wird vor allem über laktatgesteuerte Testserien ermittelt und ist somit nur den wenigsten Schwimmern zugänglich. In Australien hat sich in den 90er-Jahren der folgende Schwimm-Test etabliert, um diese Werte ohne die aufwendige und teure Analyse der Blutwerte möglich zu machen. Alles was Sie benötigen ist ein 25- oder 50-Meter-Pool und eine Stoppuhr. Und so sieht der Testverlauf in der Praxis aus.

Holger Lüning | Holger Lüning

Holger Lüning

Foto >privat

Ablauf

Nach einem ausführlichen Einschwimmen (empfehlenswert ist ein typisches Wettkampf-Einschwimmen), werden die folgenden Strecken geschwommen:

400 m maximale Intensität mit Start aus dem Wasser

Pause von mindestens 15 Minuten (aktiv und passiv)

50 m maximale Intensität mit Start aus dem Wasser

Bestimmen Sie die erzielten Zeiten in totalen Sekundenwerten, um sie dann in folgende Formel zu überführen:
(D2 – D1) : (T2 – T1) = CSS (in m/s)

Erklärung:
D2 = 400 m
D1 = 50 m
T2= 400-Meter-Zeit in Sekunden
T1= 50-Meter-Zeit in Sekunden

Beispiel:
400 m in 5.00,00 min
50 m in 30,00 s
(400-50) : (300-30) = 1.29 m/s
1.29 m/s entspricht einer Zeit pro 100 Meter von
100 : 1,29 = 1.17,5 min

Mit diesem Wert können Sie nun Intervallserien und Dauerschwimmen steuern. Die errechnete Zeit können Sie beispielsweise in 100-Meter-Intervallserien wie auch beispielsweise in 4x400 Meter-Serien als Schwellenzeit festlegen. Untersuchungen am National Sports Research Center in Australien haben in Vergleichen belegt, dass es eine gute Korrelation zwischen leistungsdiagnostischen Tests auf der Basis der Laktabestimmung und des CSS-Test gibt.

Tipp

Ermitteln Sie während des Trainings immer wieder Ihre Herzfrequenz (Messen am Handgelenk oder an der Halsschlagader), um zusätzliche Werte zu ermitteln und ins Verhältnis zur Intensität setzen zu können.
Schwimmen Sie den Test in ausgeruhtem Zustand, im Idealfall nach einem regenerativen Trainingstag. Neben der Steuerungsgröße der ermittelten Werte, dienen die erzielten Ergebnisse ebenfalls als gute Leistungsüberprüfung. Wiederholen Sie den Test alle zwei Monate, um das Training an die aktuelle Leistungsfähigkeit anzupassen.