Technikfeinheiten
Kleinigkeiten, die den Unterschied machen

Nicht alle Rennen entscheiden sich dadurch, wer der schnellere Schwimmer ist. Manchmal sind es Feinheiten, die über Sieg oder Niederlage entscheiden

Adam Pretty/Getty Images

Wer kennt das nicht? Der Trainer ist mal wieder total pingelig und meckert an jeder Kleinigkeit herum. „Nach der Wende nicht atmen!“, oder „Stream­line!“, ruft er durch die Halle. Das sagt sich so leicht, wenn man gemütlich am Beckenrand steht, während man selbst im Wasser den zehnten 400er schwimmt. Doch im Innersten wissen wir natürlich, dass uns der Coach nicht ohne Grund auf Details hinweist, denn sie können im Rennen den Unterschied machen.

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Der Anschlag

Olympische Spiele 2008: Über 100 Meter Schmetterling schwimmt Michael Phelps um seinen siebten Sieg in Peking, sein größter Konkurrent, Milorad Cavic (im Bild rechts), sieht kurz vor dem Ziel wie der Sieger aus. Trotzdem holt Phelps (links) mit dem besseren Anschlag und 0,01 Sekunden Vorsprung Gold. Während Cavic die letzten Zentimeter angleitet, entscheidet sich der Superstar für einen letzten Armzug und erreicht damit perfekt die Wand. Ein kleiner Unterschied, ohne den die Schwimmgeschichte anders verlaufen wäre.

Tipp: Versuche im Training jede Bahn bestmöglich bis zum Ende durchzuschwimmen und jeden Anschlag perfekt zu erwischen. Dabei solltest du bereits während der letzten Meter die Wand fokussieren und deine Zuglänge kontrollieren. Schiebe beim Anschlag im Rennen die Schultern möglichst weit vor und strecke die Finger. Der erste Wandkontakt zählt.

Die Kopfhaltung

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Eine Möglichkeit, ohne große Anstrengung schneller zu werden, ist die Kopfhaltung. Die Position des Kopfes beeinflusst sowohl den Wasserwiderstand als auch die Wasserlage des gesamten Körpers. Ist er zu weit oben, sacken die Füße nach unten. Optimalerweise liegt der Kopf beim Kraulschwimmen ruhig im Wasser mit nach unten gerichtetem Blick. So ist der Widerstand am geringsten. Bewegst du den Kopf zu sehr nach links und rechts, wirkt sich das negativ auf die Wasserlage aus. Dann schlängelst du dich wie ein Aal durchs Wasser.

Tipp: Schwimme Übungen, bei denen du die Kopfhaltung bewusst variierst. Nimm den Kopf für einige Meter nach oben und richte den Blick nach vorn. Oder schaue beim Schwimmen zu deinen Füßen. So bekommst du ein Gefühl dafür, wie stark dein Kopf die Wasserlage beeinflusst, und kannst selbst entscheiden, welche Haltung für dich am besten ist.

Die Atmung

Am schnellsten sind Schwimmer nicht etwa beim Sprint, wenn das Ziel schon vor Augen ist, sondern nach dem Start und nach den Wenden. Mit einem kräftigen Startsprung oder Abstoß erreichen sie Geschwindigkeiten, die selbst mit den besten Kraulzügen unerreichbar sind. Um dieses Höchsttempo möglichst lange aufrechtzuerhalten, empfiehlt es sich, bei den ersten Zügen nach der Tauchphase auf das Atmen zu verzichten.

Tipp: Um auch bei hoher Belastung die ersten Züge ohne Atmung zu schaffen, solltest du regelmäßig Atemmangelübungen ins Training einbauen. Schwimme dafür zum Beispiel 4 x 50 Meter Kraul und atme in der gesamten Serie nur zwölfmal. Oder tauche 4 x 25 Meter. Höre bei diesen Übungen unbedingt auf deinen Körper und führe sie nicht ohne Aufsicht durch – auch Schwimmer sind vor der Gefahr des stillen Ertrinkens nicht sicher.

Die Streamline

Schneller schwimmen, ohne sich zu bewegen, ist der Traum eines jeden Sportlers. Zugegeben, das Einhalten einer guten Gleitposition ist ohne Anstrengung kaum möglich, aber für einen kurzen Moment fühlt es sich viel leichter an als aktives Schwimmen. Mit einem kräftigen Abstoß und einer guten Gleitphase lassen sich schon mal einige Meter gewinnen, die später nicht mehr geschwommen werden müssen. Allerdings ist das nur sinnvoll, solange man nach dem Abstoß schneller ist als beim Schwimmen.

Tipp: Konzentriere dich auf die Körper­spannung, die in den Fingerspitzen beginnt und sich bis zu den Fußspitzen durch deinen Körper ziehen sollte. Um die Gleitposition perfekt auszunutzen, lege deine Arme möglichst nah am Kopf an und die Hände gestreckt übereinander. So bietest du dem Wasser einen möglichst geringen Widerstand.

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