Jan-Philip Glania: Von null auf Weltspitze

Der DSV hat seine Vorschläge für ein schlagkräftiges Becken-Team für London 2012 an den DOSB weitergereicht, der am 25. Juni die Schwimmer benennen wird, die im Sommer Teil der deutschen Olympia-Mannschaft sein sollen. Swim.de stellt die über ihre Einzelstrecken qualifizierten Athleten vor. Heute: Jan-Philip Glania.

| 18. Juni 2012 | AKTUELL

Glania | Jan-Philip Glania Olympia-Serie

Jan-Philip Glania Olympia-Serie

Foto >Frank Wechsel / spomedis (Grafik: dreamstime.com / Siloto)

Jan-Philip Glania: Von null auf Weltspitze

Jan-Philip Glania war 15, da fasste er sich im Trainingslager ein Herz, ging beim Duschen zu Helge Meeuw, damals verheißungsvoller Kandidat für die Spiele in Athen, und sagte: „Helge, irgendwann steh’ ich mal über Dir, wenn’s drauf ankommt.“

Das erste Olympia-Ticket

Damals habe Meeuw ihn noch ausgelacht, acht Jahre später war der mittlerweile gute Freund einer der ersten Gratulanten, als sich der 23-jährige Glania bei den deutschen Meisterschaften über 200 Meter Rücken nicht nur sein erstes Olympia-Ticket sicherte, sondern mit einer persönlichen Steigerung von fast drei Sekunden im Vergleich zum Vorjahr auch noch Meeuws sechs Jahre alten deutschen Rekord aus der Zeit vor den Hightech-Anzügen knackte.

„Das ist mein erster Meistertitel. Dass es dann gleich mit so einem Knall kommt, hätte ich auch nicht gedacht“, sprudelte es aus Glania heraus. Als er dann noch erfuhr, dass ihn dieser Knall aus dem Berliner Becken direkt auf Platz zwei der Weltjahresbestenliste katapultiert hatte, verschlug es dem gebürtigen Fuldarer sogar kurz die Sprache. 

Nun schien die Zeit reif, um alte Ansagen wahr zu machen. Und so schnappte Glania seinem Vorbild einen Tag später auch den Titel über dessen Paradestrecke weg. Einzel-Norm inklusive.

Zahnmedizin ade

Glania ist fast schon eine Art Spätzünder. Im Sommer 2010, Rücken-Ass Meeuw hatte gerade WM-Silber in Rom gewonnen, reifte in dem damals 21-Jährigen der Traum von Olympia. Dafür ließ er nach drei Semestern sein Studium der Zahnmedizin ruhen, steigerte seine Trainingsumfänge und wechselte vor einem Jahr in die Trainingsgruppe von Michael Ulmer, jene Truppe, aus der vor einem Jahr Freistilsprinter Marco di Carli zum Shootingstar des DM-Wochenendes aufstieg.

Dort habe Glania, der zur Ablenkung zwischen den Trainingseinheiten häufig in der Bibliothek verschwindet, um sich auch geistig fit zu halten, „richtig hart“ arbeiten müssen – an seinen Grundlagen, vor allem aber an seinen Tauchphasen. Schließlich hätten US-Superstar Ryan Lochte und Co. bei der WM in Shanghai aufgezeigt, „dass in den Delphinkicks der Schlüssel zum Erfolg liegt“, so Ullmer. „Das haben wir im Training in allen Variationen bis zum Ende geübt.“