Europameisterin Doreen Löwe: Am schlimmsten ist die ewige Warterei

Die Masters-Titelkämpfe in London sind einer EM "unwürdig": Das Urteil der Hamburger Europameisterin Doreen Löwe fällt hart und eindeutig aus. Am schlimmsten sei die ewige Warterei. "Ich bin froh, dass es vorbei ist", sagt die Sprinterin im Interview mit swim.de.

| 29. Mai 2016 | AKTUELL

London | Doreen Löwe bei der EM Masters 2016.

Doreen Löwe bei der EM Masters 2016.

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Man wartet, um in die Halle zu kommen. Man wartet, um zum Warm-up zu kommen. Man wartet, um zum Callroom zu kommen. Immer muss man warten!

Doreen Löwe

Doreen Löwe, herzlichen Glückwunsch zum EM-Titel über 100 Meter Schmetterling und den deutschen Rekord in der AK 35-39 (1:06,54 Minuten). Wie waren das Rennen und Ihre weiteren Starts? Vielen Dank! Das Rennen ist gut gelaufen, die letzten Meter waren aber recht schwer. Das ewige Warten vor der Halle hat müde gemacht. Ich bin aber sehr zufrieden. Über 50 Meter Schmetterling waren die Beine durch die Warterei schwer. Die 100 Meter Freistil waren nur noch Quälerei. Ich bin froh, dass es vorbei ist.

Sie hatten das Pech, alle drei Rennen im Pool 2 schwimmen zu müssen, also nicht im Olympiabecken, sondern im eigentlichen Trainingsbecken. War das sehr enttäuschend für Sie? Ich habe versucht, das nicht an mich ranzulassen. Ändern kann ich es ja eh nicht, auch wenn ich mich aufrege. Ich hatte gehofft, wenigstens einmal das Wasser im Olympiapool spüren zu können. Aber selbst das war nicht möglich, denn man durfte gar nicht an den Pool, wenn man dort keinen Wettkampf hat. Traurig war, dass man im Trainingspool komplett für sich geschwommen ist. Anfeuern war nicht möglich. Meine Vereinskameraden standen draußen in der Schlange, die kamen aber sowieso nur zum Olympiapool.

Doreen Löwe wurde 1981 in Schwedt/Oder geboren und besuchte in der Jugend ein Sportinternat in Potsdam. Seit 2001 lebt sie in Hamburg. Sie schwimmt für den Hamburger Schwimm-Club von 1879.

Vor der EM wurde viel über das Meldechaos, die Reduzierung auf drei Starts pro Athlet und überfüllte Schwimmhallen geredet: Wie ist es vor Ort? Ich denke, es wurde noch das Beste aus den vorhandenen Möglichkeiten gemacht. Aber ohne ordentliches Ein- und Ausschwimmen gute Leistungen abzurufen, ist schon schwierig. Die Reduzierung auf drei Starts ist nachvollziehbar, verzehrt aber das Potential der Athleten und die Ergebnisse.

London | Doreen Löwe (3. v. r.) und ein Teil des Hamburger EM-Teams.

Doreen Löwe (3. v. r.) und ein Teil des Hamburger EM-Teams.

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Was nervt am meisten? Das ständige Warten. Man wartet, um in die Halle zu kommen. Man wartet, um zum Warm-up zu kommen. Man wartet, um zum Callroom zu kommen. Immer muss man warten! Ein Mannschaftskollege sagte, das sei wie das "Vieh, das zum Schlachthof geführt wird". Positiv ist, dass von Tag zu Tag dazugelernt wird und das Prozedere etwas besser abläuft.

Wie Teilnehmer berichten, sind auch die Siegerehrungen eher eine Zumutung. Ja, das ist wirklich traurig. Die Siegerehrungen finden außerhalb der Schwimmhalle, in einem anderen Haus statt. Das Flair fehlt dort völlig. Sind nicht gerade zufällig Mannschaftskollegen dabei, die einen begleiten können, steht man dort ganz allein. Ich musste mich heute zum Beispiel entscheiden: Gehe ich zur Siegerehrung, dann muss ich hinterher wieder ewig warten, um in die Halle zu kommen oder lasse ich sie aus. Sowas darf bei einer EM nicht sein.

London | Siegerehrung 100 Meter Schmetterling: Platz 1 Doreen Löwe.

Siegerehrung 100 Meter Schmetterling: Platz 1 Doreen Löwe.

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Wie fällt Ihr Gesamturteil aus? Insgesamt unwürdig!

Mastersmeisterschaften ziehen immer mehr Sportler an. Sollte man die Teilnehmerzahl begrenzen, zum Beispiel durch Pflichtzeiten? Auf jeden Fall, egal in welcher Form. Ob durch Pflichtzeiten oder eine bestimmte Anzahl Starts.

Was war Ihr persönliches Highlight in London? Die Stadt ist sehr imposant.

Sie arbeiten als Kriminalkommissarin, haben ein Kind im Grundschulalter und ein Kindergartenkind. Wie oft trainieren Sie und wie oft fällt das Training kurzfristig aus? Ich schwimme einmal in der Woche bei meinem Verein, dem Hamburger Schwimm-Club. Dass das Training wegen unvorhersehbare Ereignisse ausfällt, kommt schon mal vor.