Europameister Grigori Falko nutzte Edelgas Xenon

Russische Wintersportler sollen ihre Leistung durch ein Gasgemisch aus Xenon und Sauerstoff verbessert haben. Das berichtete unter anderem der WDR kurz nach Ende der Olympischen Spielen in Sotschi. Nun wurde bekannt, dass die Methode wohl in mindestens 16 Sportarten durchgeführt wurde. Angefangen habe alles im Schwimmen.

| 4. März 2014 | AKTUELL

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Stillleben Weltcup Berlin 2012

Foto >Silke Insel / spomedis

Der Berliner Autor Tom Mustroph berichtet für die "Stuttgarter Nachrichten" von einer Publikation des russischen Forschungsinstituts Atom Meed Center, in der der Einsatz der Methode in insgesamt 16 Sportarten dokumentiert ist. Betroffen seien neben Leichtathletik, Radsport, Ringen, Biathlon, Skilanglauf, Eisschnelllauf, Eishockey, Fußball, Basketball, Volleyball und Rudern eben auch Schwimmen. Namentlich genannt wird der russische Brustschwimmer Grigori Falko.

Der 1987 in Leningrad geborene Falko wurde 2008 in Eindhoven Doppel-Europameister über 200 Meter Brust und mit der russischen Lagenstaffel. Im Einzelwettbewerb verdrängte er in 2:09,64 Sekunden den Norweger Alexander Dale Oen und Hugues Duboscq aus Frankreich auf die Plätze zwei und drei. Weder vor der EM noch danach trat Falko auf der Langbahn groß in Erscheinung. Bei Olympia in Peking wurde er in 2:11,88 Minuten 23.

Leistungssteigerung um 7,5 Sekunden?

Dem Bericht nach machten die russischen Schwimmer 2003 als erste Gebrauch von der Xenon-Methode. Falkos Verbesserungen von 2,02 Sekunden über 100 Meter und 7,5 Sekunden über 200 Meter Brust werden explizit auch darauf zurückgeführt. Beim Vergleich der auf der Website swimrankings.net notierten Bestzeiten der Jahre 2006 und 2008 ergibt sich eine Verbesserung von 1,63 Sekunden über 100 Meter und 5,12 Sekunden über 200 Meter Brust.

Ob Xenon als Dopingvergehen im Sinne des WADA-Codes gilt, ist umstritten. In der Verbotsliste der Welt-Anti-Dopingagentur taucht der Stoff nicht auf. Jedoch wiesen wissenschaftliche Studien in England bereits 2003 eine 1,6-fach gesteigerte EPO-Produktion nach. Für führende Anti-Doping-Experten, wie beispielsweise den früheren WADA-Chef Richard Pound oder den Kölner Sportmediziner Mario Thevis handelt es sich deshalb zumindest dem Sinne nach um Doping, denn entscheidend sei die Absicht. Den "Stuttgarter Nachrichten" sagte Thevis: "Aus der Dokumentenlage geht ganz eindeutig die Intention der Gabe hervor. Man wollte etwas zur Regeneration beitragen, ohne das Risiko einzugehen, die WADA-Regeln zu verletzen."

Vom Chef der staatlichen medizinisch-biologischen Agentur Russlands (FMBA), Wladimir Uiba, ist dagegen folgende Aussage überliefert: "Es ist möglich, dass unsere Sportler Xenon-Inhalatoren benutzt haben. Doch daran ist nichts falsch. Es ist nicht illegal, nicht schädlich und hat keine Nebenwirkungen. Wir halten uns an das Prinzip, keine Dinge einzusetzen, die von der WADA verboten sind."