Eklat bei der Siegerehrung

Pfiffe und Buh-Rufe sind beim Schwimmsport zum Glück selten. Meistens geht es in den Schwimmhallen äußerst fair zu. Beim Finale der DMS-Bundesliga in Essen war das anders. Viele Zuschauer und Aktive konnten sich für den neuen deutschen Meister aus Würzburg gar nicht begeistern. SVW-Präsident Thomas Lurz findet das schade.

| 8. Februar 2016 | AKTUELL

DMS | Impressionen von der DMS Bundesliga in Essen.

Impressionen von der DMS Bundesliga in Essen.

Foto >Thomas Stuckert / SG Essen

Der Grund für die Aufregung: Die Würzburger sollen sich extra für die Titel-Entscheidung in Essen mit zahlreichen ausländischen Schwimmern verstärkt haben - und das nicht zum ersten Mal. So berichtet die WAZ, dass die Mainfranken schon vergangenes Jahr kurzfristig Sportler aus dem Ausland ins Team geholt hätten, die zuvor nie für Würzburg angetreten seien. Bei den Frauen sei dadurch ein unerwarteter zweiter Platz herausgesprungen. Diesmal wird berichtet, hätten bei Würzburg insgesamt acht internationale Neuzugänge auf dem Meldebogen gestanden, davon sechs aus Ungarn.

DMS | \"DMS Söldner frei\" fordern hier Schwimmer aus München und Essen während des Wettkampfes.

"DMS Söldner frei" fordern hier Schwimmer aus München und Essen während des Wettkampfes.

Foto >Thomas Stuckert / SG Essen

Verboten ist dieses Vorgehen durch das Reglement nicht, in den Augen vieler anderer Schwimmer ist es aber höchst unfair. Sie protestierten deshalb während der Siegerehrung und hielten Schilder mit der Aufschrift "DMS Söldner frei" hoch, wie der Essener Pressesprecher gegenüber swim.de bestätigt. Bei der Siegerehrung kam es dann zum Eklat.

Lurz: "Wir haben ein gutes Netzwerk"

Wie seit einigen Jahren üblich, erhält das Siegerteam wie beim Boxen einen Meistergürtel. Dieser wird nicht offiziell vergeben, jedoch jedes Mal symbolisch vom Vorjahressieger an den neuen deutschen Meister weitergereicht. Doch statt den Gürtel an die Würzburger zu übergeben, reichten die entthronten Titelverteidiger aus Potsdam das Schmuckstück lieber an die zweitplatzierten Essener. "Das haben die Potsdamer eindrucksvoll inszeniert", kommentierte der SGE-Vorsitzende Bernhard Gemlau die Szene gegenüber der WAZ.

Thomas Lurz, seit Januar Präsident des SV Würzburg, fand die Aktion vor dem Podest dagegen unfair gegenüber seinen Schwimmern. "Ich finde es sehr schade, da wir gegen keine Regel verstoßen haben", sagte der Rekord-Weltmeister im Freiwasserschwimmen zu swim.de. "Man sollte Gewinnern immer fair gegenüber treten, nur dann kann man selbst auch gewinnen."

Dass Würzburg im Mannschaftswettbewerb viele Ausländer einsetze, liege an einem guten Netzwerk und daran, dass viele Athleten aus anderen Ländern Würzburg als Trainingsstandort nutzen, so Lurz. "Bei uns fühlen sich viele Athleten sehr wohl und kommen gern. Das ist ein Geheimnis des Erfolgs. Konkurrenz belebt das Geschäft." Für die Bundesliga bewertet er den Einsatz starker Schwimmer aus dem Ausland positiv und als Bereicherung. "Leider ist wenig Qualität vorhanden bei der DMS, deswegen ist das ein Gewinn und es profitieren alle davon."

Am Ergebnis ändert der Protest nichts. Der SV Würzburg 05 ist Mannschaftsmeister 2016.