Eigentlich wollte ich ja gar nicht nach London reisen ...

Eigentlich wollte ich gar nicht zu diesen Olympischen Spielen reisen. Eigentlich wollte ich ja, dass sie zu mir kommen. Damals, vor neun Jahren, als die schönste Stadt der Welt, Hamburg, ihren Hut in den Ring geworfen hat.

| 15. August 2012 | AKTUELL

London 2012 - Schlussfeier - 05 | Schlussfeier der Olympischen Spiele von London

Schlussfeier der Olympischen Spiele von London

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Hamburg war im Zuge der deutschen Olympiabewerbung 2012 der aussichtsreichste der fünf nationalen Kandidaten. Aber gegen alle Meinungen der Experten hatten viele deutsche Sportfunktionäre im Jahr 2003 eine eigene Meinung und es wurde viel darüber spekuliert, was wer wie zur Meinungsbildung beigetragen hat. Ein paar Sportfunktionäre glaubten, dass die zugegeben schöne Stadt Leipzig (500.000 Einwohner) gegen Städte wie London (14 Millionen Einwohner) eine Chance hätte, sie glaubten, das IOC vom Gigantismus abkehren zu können, und sie glaubten tatsächlich, dass sie die Macht und Weitsicht hätten, Geschichte schreiben zu dürfen. Nicht erst seit den grandiosen Spielen von London 2012 ist klar, welch einen historischen Fehlgriff die deutsche Sportpolitik sich da geleistet hat!

Inspire a generation

Das Motto dieser tollen Olympischen Spiele 2012 in London hieß: Inspire a generation! Und wie sich die Briten haben inspieren lassen. Auch am letzten Tag der Spiele war es noch immer ein sehr emotionaler Augenblick für mich, in den Olympiapark zu kommen und zu sehen, wie Männer, Frauen, Kinder, ganze Familien sich verkleidet und bemalt mit dem Stadion im Hintergrund fotografieren lassen: Seht her, wir haben die Spiele und wir sind dabei! Ein Foto, das Enkel und Urenkel sich eines Tages mit dem gleichen Stolz anschauen werden, wie ihn die Briten in den vergangenen zweieinhalb Wochen gelebt haben.

Großartige Spiele - irgendwann auch in Deutschland?

Ich gönne den Briten diese Olympischen Spiele von ganzem Herzen, denn sie haben ihre Sache hervorragend gemacht und ihren Traum in vollen Zügen gelebt. Und damit meine ich nicht die Londoner Tube, denn weder das Wetter noch das Verkehrschaos waren so schlimm, wie es die - auch und vor allem deutschen - Medien im Vorfeld heraufbeschworen hatten. Aber ich hoffe, dass die Inspiration dieser Spiele auch auf Deutschland und seine Funktionäre überschlägt. Eine Bewerbung um Olympische Sommerspiele wäre so wichtig für den deutschen Sport, die Deutschen überhaupt.

Man muss kein vereinigtes Königreich sein, um große Olympische Spiele ausrichten zu können. Aber man muss sich von der sportpolitischen Kleinstaaterei trennen, die einst die Bewerbung Deutschlands zunichte machte.

Danke, London, für die wunderbare Zeit!