Dorothea Brandt in Rio: "Noch ist hier alles Baustelle"

Auf zwei Wochen Brasilien im Januar kann man schon mal neidisch werden. Doch Dorothea Brandt und die anderen deutschen Olympia-Hoffnungen sind nicht zum Baden an den Zuckerhut geflogen. Bei über 30 Grad schuften sie für den WM-Sommer und lernen dabei schon mal Land und Leute für Rio 2016 kennen.

| 19. Januar 2015 | AKTUELL

Brasilien | Fotos von Dorothea Brandt während des Trainingslagers in Brasilien.

Fotos von Dorothea Brandt während des Trainingslagers in Brasilien.

Foto >Dorothea Brandt

"Wir sollen uns orientieren, damit wir im Sommer 2016 nicht abgelenkt werden."

Dorothea Brandt

Dorothea Brandt, warum hilft es bei einem großen Wettkampf, wenn man das Land, die Anreise und vielleicht die Schwimmhalle schon kennt? Olympische Spiele finden nur alle vier Jahre statt und müssen deshalb besonders intensiv vorbereitet werden. Im Vordergrund steht deshalb das Kennenlernen von Reise und Land. Wir sollen uns orientieren, damit wir im Sommer 2016 nicht abgelenkt werden. Dass man das Land bereits gesehen hat, ist sicher rein subjektiv, kann aber durchaus von Vorteil sein. Jedoch werden wir das WM-Becken in Kasan vorher auch nicht sehen, genauso wie wir Barcelona und Berlin nur von Bildern kannten. Ich persönlich habe durch Weltcups und viele andere Wettkämpfe gelernt, mich schnell zu orientieren und anzupassen. Außerdem reise ich gern.
Dorothea Brandt | Dorothea Brandt (30) schwimmt seit 2012 für die SG Essen. Im Dezember gewann die Sprinterin auf der Kurzbahn in Doha WM-Bronze.

Dorothea Brandt (30) schwimmt seit 2012 für die SG Essen. Im Dezember gewann die Sprinterin auf der Kurzbahn in Doha WM-Bronze.

Foto >Peter Jacob / spomedis

Wie viele Schwimmer sind dabei? Wir sind insgesamt 16 Schwimmerinnen und Schwimmer aus dem „Olympia-Team“ des DSV. Dieses Team ist vom Chefbundestrainer berufen worden, um hinsichtlich der Spiele 2016 besonders gefördert zu werden.

Bis Rio 2016 sind es noch eineinhalb Jahre. Ist dort schon Olympiastimmung? In der Stadt nicht wirklich. Wir haben im Maria-Lenk-Stadion trainiert, das auf dem späteren Olympia-Gelände steht. Man findet ein paar Banner, die auf die Spiele hinweisen. Insgesamt ist es aber noch recht sparsam. Alles ist Baustelle.

Brasilien | In Rio zogen die deutschen Schwimmer ihre Bahnen im Maria Lenk Aquatic Center.

In Rio zogen die deutschen Schwimmer ihre Bahnen im Maria Lenk Aquatic Center.

Foto >Dorothea Brandt

Und die olympische Schwimmhalle? Die steht noch gar nicht. Das Gerüst ist in Arbeit, aber es sieht noch nicht nach Schwimmhalle aus. Außerdem ist es verboten, das Baustellen-Gelände zu betreten.

Von Rio sind Sie Richtung Süden nach Florianopolis geflogen. Wie oft geht es zum Training ins Wasser? Es stehen zwei Einheiten pro Tag auf dem Plan. Diese belegt jeder für sich individuell, ebenso wie die freien Nachmittage. Hier ist es eher unspektakulär und die Bedingungen sind schwieriger als in Rio. Auch deswegen steht definitiv das Training im Vordergrund.

Sie unternehmen die Reise zusammen mit der schwedischen Nationalmannschaft. Gibt es Unterschiede? Manchmal schwimmen einige von uns die Pläne der Schweden mit. Ich trainiere aber für mich, da ich sehr speziell trainiere. Auffällig ist, dass bei den Schweden die Belastungen im Vordergrund stehen und nicht die Umfänge, ebenso wie ausreichend Regenerationszeit.

In Brasilien ist Sommer, es ist 30 Grad heiß und der Strand nicht weit. Möchten Sie nicht lieber Baden und Surfen? Die Strände in Rio und auch hier im Süden sind wirklich sehr, sehr schön und verlockend. Ich muss aber nicht jeden Tag an den Strand oder in die Sonne. Für mich steht bis Rio das Training im Fokus. Ich habe in den letzten Jahren gut gearbeitet, weiß aber auch, dass ich diese Arbeit bis zu den Olympischen Spielen fortsetzen und qualitativ noch steigern muss. Ich habe nicht das Gefühl, dass ich etwas verpasse, denn ich habe mich bewusst für diesen Weg mit diesem Ziel entschieden. Ich gebe aber auch zu, dass ich hier schon einen freien Nachmittag am Strand genossen habe.

Brasilien | Christusstatue im Nebel: Von Rios Wahrzeichen war bei einem Ausflug nicht viel zu sehen.

Christusstatue im Nebel: Von Rios Wahrzeichen war bei einem Ausflug nicht viel zu sehen.

Foto >Dorothea Brandt

Genießen Sie als Älteste im Team einen Sonderstatus? Nein! Ich bin Mitglied der Mannschaft wie jede andere. Die Zeiten in denen die Jüngeren die Älteren bedienten sind vorbei. Nur weil ich älter bin, heißt es nicht, dass ich nicht weniger hart trainieren muss. Ich muss für meine Strecke, die 50 Meter Freistil, mindestens genauso hart trainieren wie alle anderen. Nur eben anders: in sehr hohen Geschwindigkeiten. Und dafür sind andere Fähigkeiten notwendig, wie zum Beispiel viel Kraft.

Sie haben schon unzählige Trainingslager hinter sich. Welches ist Ihr Lieblingsort? Und wo ordnen Sie Brasilien ein? Das stimmt, in 14 Jahren Leistungssport kommt einiges zusammen. Rio und Brasilien sind definitiv etwas Besonderes. Durch eine sehr enge Freundschaft aus Hamburger Zeiten zu einer brasilianischen Familie ist mein Bezug zu diesem Land ohnehin sehr intensiv. Eigentlich bin ich aber lieber für Wettkämpfe unterwegs und bleibe fürs Training zu Hause. Dort habe ich alles, mein Umfeld und eine gewisse Ruhe und Sicherheit. Trotzdem muss auch da mal die Möglichkeit sein, abzuschalten. Das kann ich in Essen auch sehr gut. Ich muss nicht in ein Trainingslager, um mich auf das Training zu konzentrieren. Deshalb: zu Hause ist es doch am schönsten!