Wahnwitzige Wildwasserschwimmer

Eine üble Schnittwunde an der Wade, ungezählte blaue Flecke, Prellungen und ein gebrochener Zeh – das ist der eher unangenehmere Teil der Bilanz des Rennens, das am Wochenende rund 80 tollkühne Frauen und Männer im tosenden, rund elf Grad kalten Inn bei Roppen in Österreich ausgetragen haben – schwimmend wohlgemerkt.

| 10. September 2014 | AKTUELL

Martin Tschepe | Martin Tschepe bei den Deutschen Meisterschaften im Wildwasserschwimmen.

Martin Tschepe bei den Deutschen Meisterschaften im Wildwasserschwimmen.

Foto >O. Halder / WoW-Art

Davon wird man noch den Urenkeln erzählen


Der 48-jährige Franke, der kürzlich als erster die Bodenseelängsquerung gemeistert hat, schlägt sich in seinem Vorlauf und in seinem Zwischenlauf gut – ganz offenkundig ohne größeren Aufwand. Im Vorlauf kommt Wandratsch souverän als Erster an. Er erzählt, dass er an den vier Stellen am Ufer, die alle Schwimmer abklatschen müssen um in die Wertung zu kommen, noch genügend Zeit gehabt habe, um kurz aufzustehen und sich zu orientieren, um die schnellste Strömung im Inn zu finden und mitzunehmen.

Martin Tschepe | Autor Martin Tschepe ist häufig in offenen Gewässern anzutreffen. Im Juli startete er beim Hamburger Freiwasserschwimmen.

Autor Martin Tschepe ist häufig in offenen Gewässern anzutreffen. Im Juli startete er beim Hamburger Freiwasserschwimmen.

Foto >Peter Jacob / spomedis

Mein Vorlauf läuft auch super. Platz zwei, direkt hinter dem Meisterschwimmer. Die Teilnahme im Zwischenlauf ist gesichert. Puh. Gegen Mittag sind alle Vorläufe absolviert. Im Ziel beim Bauhof in Roppen werden die Wildwasserschwimmer mit Brötchen, Müslirigeln, Obst und Getränken verköstigt. Und dann geht es auch schon wieder zu Fuß zurück zum Start. Wandratsch schlägt sich wieder gut. Ganz kalkuliert erreicht er als Zweiter in seinem Zwischenlauf das Finale. Den Zuruf "Christof, du schaffst es" beantwortet er knapp und grinsend: "Ich weiß."

Volle Kraft zurück

Mein Zwischenlauf misslingt hingegen, einmal vorbei geschwommen an einem der Abschlagpunkte am Ufer. Also mit aller Kraft zurück kraulen, wie beim ersten Test. Mit letzter Kraft erreiche ich das Zwischenziel zwar noch, verliere aber viel zu viel Zeit, zu viel Konkurrenten sind auf und davon. Außerdem schmerzt der Oberschenkel, vermutlich ein heftiger Stoß gegen einen Stein. Im eiskalten Wasser bemerkt man so ein Malheuer zunächst indes gar nicht, aber dann im Ziel.

Die Endläufe. Christof Wandratsch, der für den SV Wacker Burghausen startet, hat nicht zu viel versprochen mit seinem "ich weiß". Er gewinnt die Wertung der Masters, der Männer über 40 Jahre, in 8:01 Minuten. Noch schneller schwimmt indes Daniel Schwarz (Männer unter 40) vom TSV Bad Saulgau, er benötigt für die knapp zwei Kilometer nur 7:25 Minuten. Untrainierte Zeitgenossen schaffen zwei Kilometer kaum in siebeneinhalb Minuten zu Fuß. Schnellste Frau (U40) wird Bettina Schimmelpfenning von der SK Sparta Konstanz in 8:14 Minuten.

Was bleibt? Dem einen Schwimmer für die nächsten Tage ganz bestimmt der schmerzende Zeh. Mir der gezerrte Muskel im linken Oberschenkel und allen die Erinnerung an ein Rennen, von den man vermutlich noch den Urenkeln erzählen wird. Reiner Koch vom SV Ludwigsburg, der in der Klasse Ü40 Platz acht geschafft hat, sagt am Ende der Meisterschaften: "Das ist eine bleibende Geschichte."

Der Autor ist begeisterter Hobby-Langstreckenschwimmer und Redakteur bei der Stuttgarter Zeitung. Dieser Artikel erschien zuerst auf der Interseite des Blatts.