Steinhuder Meer: Zur Inselfestung und zurück

Spötter sprechen von der größten Badewanne des Landes. Doch das Steinhuder Meer westlich von Hannover ist weit mehr. Unser Autor will 2016 ein paar der größten Seen in Deutschland queren. Nummer vier.

| 27. Juni 2016 | AKTUELL

Steinhuder Meer | Martin Tschepe schwimmt im Steinhuder Meer.

Martin Tschepe schwimmt im Steinhuder Meer.

Foto >Martin Tschepe

Steinhuder Meer: Zur Inselfestung und zurück

Sicher, man könnte auch zu Fuß gehen - auf dem Grund des Meers. Aber warum sollte man laufen, wenn man doch schwimmen kann? Also schwimmen wir, durch das Steinhuder Meer, den größten Flachsee Norddeutschlands. Die Wassertiefe beträgt durchschnittlich nur eineinhalb Meter. Deshalb wird dieses Meer mitunter belächelt. Die größte Badewanne Deutschlands, witzeln manche. Doch das ist ungerecht.

Am Abend vor dem Start der Seequerung noch aller beste Bedingungen. Strahlender Sonnenschein, kaum Wind, spiegelglatte Wasseroberfläche. Genau so wünscht es sich der Freiwasserschwimmer. Doch am Morgen dann: Regen und Wind. Egal. Wir wollen das Meer queren, von der Badeinsel bei Steinhude zur Inselfestung Wilhelmstein - und dann wieder zurück schwimmen.

Heute lieber mit Anzug

Marcus Reineke hat spontan zugesagt, als er von meiner Idee gehört hat. Seensucht - die größten Seen in der Republik durchschwimmen und mit diesem Projekt Geld sammeln für das Behindertenschwimmen des SV Ludwigsburg. Marcus wohnt ein paar Kilometer südlich von Steinhuder Meer. Er ist Trainer, betreibt eine Schwimmschule, kennt die Region und fast alle potenziellen Schwimmstrecken im Großraum. Wir kennen uns vom Eisschwimmen in Burghausen, wo bei unter fünf Grad Wassertemperatur nur in Badehosen gekrault werden muss.

Steinhuder Meer | Die Richtung stimmt!

Die Richtung stimmt!

Foto >Martin Tschepe

An diesem etwas schmuddeligen Tag im Juni, der sich anfühlt wie April, stecken wir allerdings in Anzügen. Sicher ist sicher. Wer mit Neo schwimmt, der geht im Notfall nicht unter. Und wir haben kein Begleitboot, dafür aber auffällige, orangefarbene Bojen im Schlepptau.

Fotostopps müssen sein

Ein paar Schaulustige wollen gar nicht glauben, dass wir zu der einst von Graf Wilhelm von Schaumburg-Lippe für Verteidigungszwecke angelegten Insel kraulen wollen. Man könnte sich in der Tat Schöneres vorstellen für so einen schmuddeligen Sonntagmorgen. Aber es hilft ja nichts: los, rein jetzt ins Wasser, das geschätzt knapp 20 Grad haben dürfte.

Start. Wir schwimmen recht zügig nebeneinander her. Eigentlich wollte ich ja ganz gemütlich schwimmwandern. Aber wer einen Sportler wie den Marcus, 46 Jahre, fragt, der darf sich nicht wundern. Marcus schwimmt regelmäßig Wettkämpfe. Er krault oft schneller als viele seiner jüngeren Konkurrenten.

Die Orientierung im Steinhuder Meer fällt uns zunächst leicht. Die fast rechteckige Insel ist zwar weit weg, aber sie ist selbst aus dem Wasser heraus ganz gut zu erahnen. Trotz des Wellengangs kommen wir zügig voran, stoppen nur zwei, drei Mal um Fotos zu machen. Bei diesen kurzen Pausen stellen wir uns auf dem Grund des Sees und bleiben dabei mit den Oberkörpern tatsächlich über Wasser. Jedes Mal. Nach und nach indes sinkt man beim Stehen in den morastigen Boden ein. Ein komisches Gefühl. Ganz klar: schwimmen ist angenehmer. Wer weiß, was da alles im Schlick steckt. Womöglich Aale oder anderes Getier.