Stefan Lurz: "Ich rechne mit drei WM-Medaillen"

Nach dem Rennen in Eilat (Israel) steht am Samstag für die deutschen 10-Kilometer-Asse die zweite Quali-Hürde auf dem Weg zur WM an. Vor dem entscheidenden Rennen sprach DSV-Freiwassertrainer Stefan Lurz mit swim.de über Medaillenchancen bei der WM, den deutschen Freiwasser-Nachwuchs und natürlich seine Prognose für Cancun.

| 12. April 2013 | AKTUELL

Stefan Lurz | Stefan Lurz supportet seinen Bruder Thomas an der Verpflegungsstelle des 10-km-Rennens von London 2012.

Stefan Lurz supportet seinen Bruder Thomas an der Verpflegungsstelle des 10-km-Rennens von London 2012.

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Zur WM nach Barcelona fährt, wer in der Addition der Rennen in Eilat und Cancun die beste Platzierung aufweist. In Israel konnte bei den Männern Christian Reichert etwas überraschend vor Thomas Lurz gewinnen. Bei den Damen belegte Isabelle Härle Platz zwei.

Herr Lurz, beim ersten Quali-Rennen in Eilat konnten gleich mehrere deutsche Schwimmer überzeugen. Wer wird Deutschland bei der WM über 10 Kilometer vertreten?

Eine Prognose abzugeben ist wirklich schwer. Ich bin selbst gespannt. Momentan haben bei den Jungs natürlich Christian Reichert und Thomas Lurz die besten Karten. Aber auch unser Nachwuchs war in Eilat mit Rob Muffels (Platz vier) sehr erfolgreich. Bei den Frauen ist Isabelle Härle mit ihrem zweiten Platz gut dabei und auch Svenja Zishler hat beste Chancen. Angela Maurer war nicht hundertprozentig zufrieden und wird ganz sicher noch kommen. Ich denke die drei Mädels und Jungs werden die Plätze unter sich ausmachen.

Wie sind die deutschen Langstreckenschwimmer insgesamt ins WM-Jahr gestartet?

Bis jetzt läuft es ganz gut. Wir hatten ja bereits die ersten Weltcups im Januar zur Vorbereitung. Schon da gab es für uns einige sehr gute Resultate, sowohl Nadine Reichert als auch Thomas Lurz holten einen dritten Platz. Der Weltcup in Eilat lief dann aus Sicht des DSV sehr erfolgreich. Vor allem Isabelle Härle hat dort überzeugt. Es war ja fast ihr Freiwasser-Debüt. Sie war seit 2011 nicht mehr außerhalb des Beckens aktiv.

Angela Maurer in London | Angela Maurer hat trotz ihres sechsten Platzes in Eilat noch Chancen auf die WM-Qualifikation.

Angela Maurer hat trotz ihres sechsten Platzes in Eilat noch Chancen auf die WM-Qualifikation.

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Der DSV hat im Freiwasser eine solide Nachwuchsbasis. Bisher sind eher Schwimmer erfolgreich, die nicht unbedingt im Becken auftauchen. Ist das der typische Weg oder kommen die zukünftigen Spitzenschwimmer eher aus dem Becken?

Ich denke, dass man in Zukunft im Becken die gleichen Schwimmer sehen wird wie im Open Water – in der Jugend und und auch im Erwachsenenbereich. Im Jugendbereich bin ich auch absolut dafür – da tausche ich mich regelmäßig mit Henning Lambertz aus -, dass die besten Langstreckenschwimmer im Becken auch Freiwasserschwimmer werden. Wenn man sich die Finals über 1.500-Meter-Freistil ansieht und das vergleicht mit den 10-Kilometer-Rennen, dann gibt es da sehr viele Parallelen. Es ist ja auch nicht so, dass ein Thomas Lurz ausschließlich im Freiwasser trainiert. Das macht er nur selten, wir trainieren fast ausschließlich im Becken.

Wie lange braucht denn der Nachwuchs, um an Thomas Lurz und Angela Maurer anzuschließen?

Ich bin da wirklich guter Dinge, dass wir im Freiwasser-Bereich auch nach der Ära Lurz/Mauer noch sehr erfolgreich sein werden. Wir sind schon auf einem guten Weg. Natürlich ist die offene Klasse ein bisschen anders als der Jugendbereich, da dauert es ein, zwei Jahre bis man sich an gewissen Taktiken gewöhnt hat. Ich hoffe, Rob Muffels schafft die Qualifikation für die WM, um Erfahrungen zu sammeln.

Wir schreiben das Jahr nach Olympia. Viele Sportler orientieren sich nach einem solchen Großereignis neu. Werden in Barcelona vermehrt Beckenschwimmer im Open Water auftauchen?

Das kann ich mir schon vorstellen. Viele Beckenschwimmer haben das ja auch schon in London gemacht. Oussama Mellouli als bestes Bespiel. Da kann es gut sein, dass es jetzt noch andere versuchen. Bei den ersten Wettkämpfen gab es zwar nicht viele neue Gesichter, aber ich bin mir sicher, dass in Barcelona der ein oder andere schauen wird, wie es im Freiwasser zugeht. Vielleicht noch nicht gleich über zehn Kilometer, aber fünf Kilometer als Einstiegsstrecke könnten einige nutzen.

Wie viele Medaillen fischt der DSV in Barcelona aus dem Hafenbecken?

Ich rechne mit drei WM-Medaillen. Das ist das Minimalziel, dass ich mir mit meinen Sportlern gesetzt habe. Wenn alles absolut super und wahnsinnig gut läuft, können daraus auch fünf werden.