Sorry, Plauer See

Der Plauer See hätte mehr verdient. Aber ich bin ein bisschen in Zeitnot. Deshalb leider nur zweimal die Breite. Unser Autor will ein paar der größten Seen in Deutschland queren. Nummer sieben.

| 16. Juli 2016 | AKTUELL

Plauer See | Nächste Station für Martin Tschepe: Diesmal nimmt der Freiwasserschwimmer den Plauer See in Angriff.

Nächste Station für Martin Tschepe: Diesmal nimmt der Freiwasserschwimmer den Plauer See in Angriff.

Foto >Martin Tschepe

Ich muss mich entschuldigen. Beim Plauer See. Der hätte mehr verdient als zwei läppische Breitenquerungen. Aber ich bin ein bisschen in Zeitnot. Also diesmal etwas weniger Strecke, ausnahmsweise keine Längsquerung. Sondern nur einmal vom Ostufer hinüber nach Plau am See, geschätzt drei Kilometer. Und dann wieder zum Ostufer und zurück zum Start beim Naturcamping-Platz Zwei Seen. Das Betreiberehepaar, das aus Darmstadt kommt, hat mich eingelanden. Ich darf in einem ihrer kuriosen Schlaffässer nächtigen. Allein das ist schon die Reise wert. 

Dieser Sommertag fühlt sich leider an wie Herbst. Der Himmel: ist grau. Das Thermometer: zeigt nur rund 15 Grad Lufttemperatur an. Das Seewasser ist deutlich wärmer, hat rund 20 Grad.

Raus mit Applaus

Obgleich an diesem Tag nur knapp sieben Kilometer zusammen kommen werden, erhalte ich schon beim Start Applaus. Von den Campingplatzbetreibern und von ein paar Buben, die sich neugierig erkundigen: "Was macht der da?" Sie fragen: "Gehst Du tauchen?" Nein Schwimmen. "Das will ich auch mal machen", sagt ein knapp zehnjähriger Knirps.   

Die Stadt Plau am See ist vom Start weg immerhin zu erahnen. Der Wind bläst ordentlich aus Nordwesten - und ich muss, richtig: in Richtung Nordwesten. Wenn schon eine so kurze Strecke, dann zumindest unter etwas erschwerten Bedingungen. Der wasserdichte Transportsack, den ich im Schlepptau hab, wirkt wie ein kleiner Bremsfallschirm. 

Ohne Begleitboot heißt es immer gut aufpassen. Oft rechts gucken und links gucken. Nach vorne gucken und nach hinten gucken. An diesem Tag unter der Woche sind zum Glück nur ganz wenige Boote unterwegs. Nur einmal kommt mir ein Segelschiff arg in die Nähe - und dreht ab. 

Weiter mit 8 PS

Ein Kran, der mitten in Plau steht, dient als Orientierungshilfe. Langsam wird er immer größer. Nach etwa 50 Minuten bin ich nah am Ufer. Von links schippert ein kleines Boot heran. Ich frage den Mann an Bord, ob ich tatsächlich in Plau angekommen bin. Man weiß je nie… 

Der Mann heißt Frank, und er fragt mich, ob er mich auf eine Spritztour durch die Stadt mitnehmen dürfe. Aber gerne doch. Und dann sagt er noch: "Ja, das ist Plau." Ich steige an Bord. Und Frank, geschätzt knapp 50 Jahre alt, gibt so viel Gas, dass der kleine Acht-PS-Yamaha-Motor ordentlich jault. Frank ist Altenpfleger, und erzählt, dass er seit er denken könne in Plau lebe. Ihm gefalle die Region, die seit Jahren immer mehr Menschen verlassen. Frank hat ein paar Tage frei und will den Motor testen, den ihm ein Kumpel gegeben habe. Ich komme ihm offenbar ganz gelegen für die kleine Testfahrt.

Wenig später fahren wir - jetzt indes ganz langsam - durch einen Kanal in Richtung Plauer Stadtzentrum. Zunächst vorbei an betagten, teilweise windschiefen Bootsschuppen, später mit Blick auf schmuck renovierte Prachtbauten und neue Häuser, die direkt am Wasser stehen.

Von Zurauf nach Hause

Nach gut einer halben Stunde wirft mich der Skipper dann wieder von Bord, ein bisschen weiter südlich von der Stelle, an der er mich vorher aufgegabelt hat. Vom sogenannten Zuruf am Westufer sind es nur etwa 1,5 Kilometer hinüber bis zum Ostufer. Deshalb der Name Zuruf - eine sehr schmale Stelle im See. Die 1.500 Meter sind flott geschwommen - dann noch ein bisschen am Ufer entlang nach Norden. Schon ist dieser kurze Schwimmtag vorbei, schade eigentlich. 

Ich sollte wieder kommen - und von Plau bis nach Alt-Schwerin schwimmen. Mindestens. Vom Natur-Zeltplatz aus gibt es indes noch eine ganz besonders interessante Schwimm-Option: Es sollte möglich sein, über den Petersdorfer See, vorbei an der Inselstadt Malchow, durch den Fleesensee und den Kölpinsee bis in die Müritz zu schwimmen.

Plauer See | Geschwommen wird hier wohl häufiger.

Geschwommen wird hier wohl häufiger.

Foto >Martin Tschepe

Martin Tschepe ist Redakteur der Stuttgarter Zeitung und Langstreckenschwimmer des SV Ludwigsburg. Auf swim.de berichtet er gelegentlich von seinen Schwimm-Abenteuern.