Schwer beeindruckt von Schwerin

Schon der Start der Schweriner Seequerung ist bombastisch. Los geht’s mit Blick auf das pompöse Schweriner Schloss. Unser Autor will ein paar der größten Seen in Deutschland queren. Nummer sechs.

| 13. Juli 2016 | AKTUELL

Schweriner See | Schwimmen und Sightseeing gehen im Schweriner See Hand in Hand.

Schwimmen und Sightseeing gehen im Schweriner See Hand in Hand.

Foto >Martin Tschepe

Viel schneller als gedacht

Das Schloss ist längst nicht mehr zu sehen. Dafür ist der Paulsdamm bereits zu erahnen, der Wall, der den Inneren und den Äußeren See voneinander trennt. Auf dem Paulsdamm verläuft eine viel befahrene Straße. Unter durch führt nur ein schmaler Kanal. Schwimmen, haben mir die Schweriner Ruderer erklärt, sei in dem nur wenige hundert Meter langen Kanal tabu. Also werden wir uns etwas einfallen lassen müssen, das Fernsehen guckt schließlich zu. Wer weiß, ob irgend ein Ordnungshüter den Beitrag schaut und dann eine Mahngebühr verlangt.

Kurze Pause. Ein bisschen Apfelsaftschorle trinken, einen Schokorigel futtern - und weiter. Wir kommen super schnell voran. Viel schneller als gedacht. Sind schon nach gut zwei Stunden am Damm - ich hatte mit mindestens drei Stunden gerechnet, womöglich mehr, wollte indes auch näher am Ufer entlang schwimmen. Aber mit Kajakbegleitung fühlt sich das Schwimmen mitten im See sicher an.

Kurz ins Kajak

Kurzer Landgang beim Paulsdamm. Dann entscheiden wir: ich steige für die Strecke im Kanal um aufs Kajak, sitze leicht schwankend hinter Lisa und stürze mich nach ein paar Minuten huckepack wieder in den See, den Äußeren. Das Wasser ist etwas kälter als im Inneren See - aber immer noch geschätzt rund 20 Grad warm. Sehr angenehm zu schwimmen. 

Am späten Vormittag kommt mehr Wind auf. Leichte Wellen schaukeln das Kajak und den Schwimmer. Jetzt geht’s wieder schnurgerade mitten über den See. Immer in Richtung Lieps, die längliche Insel im Norden des Schweriner Sees. Ohne Lias würde ich bestimmt zickzack Schwimmen, deshalb hatte ich auch mit rund 25 Kilometern und eventuell sieben bis acht Stunden Schwimmzeit gerechnet. Aber mittlerweile zeichnet sich ab, dass wir sehr viel früher ankommen in Bad Kleinen. Nach knapp vier Stunden sind wir an der Südspitze der Insel. Lisa bleibt bis zum Schluss. Nach etwa fünf Stunden netto-Schwimmzeit und geschätzt 20 Kilometern sind wir im Ziel.

Schweriner See | Blick auf das Schweriner Schloss.

Blick auf das Schweriner Schloss.

Foto >Martin Tschepe

Empfang mit Applaus

Ein paar Männer und Frauen in orangefarbenen Jacken empfangen uns mit strahlenden Minen und mit Applaus. Glückwunsch, rufen sie und erklären, sie hätten von der Seequerung in der Zeitung gelesen. So weit, sagen die Helfer der DLRG, sei - soweit sie wüssten - noch keiner gekrault im Schweriner See. 

Kurzer Landgang in Bad Kleinen. Ganz in der Nähe des Badeplatzes der DLRG ist der Bahnhof. Deshalb das Ziel Bad Kleinen. Eigentlich hatte ich nämlich vor, mit dem Zug zurück nach Schwerin fahren. Bahnhof Bad Kleinen? Da war doch was. Am See will davon aber keiner mehr was hören - von dem aus dem Ruder gelaufenen Einsatz der Elitetruppe GSG 9 im Jahr 1993 gegen Terroristen der Roten Armee Fraktion. Also lassen wir das Thema. Ist ja viel zu schön hier. 

Schweriner See | Schwimmen vor imposanter Kulisse.

Schwimmen vor imposanter Kulisse.

Foto >Martin Tschepe

Ohne jeden Gedanken an die GSG 9 und die RAF besteige ich das Boot, das das NDR-Team chauffiert hat. Der Kapitän unternimmt mit uns auf dem Rückweg eine Sightseeing-Tour - durch schmale Kanäle, über den Ziegelsee und vorbei an alten, schmuck renovierten und sündhaft teueren Bootshäusern mit Wohnstube im Dachgeschoss. 

Schließlich sind wir zurück bei der Rudergesellschaft mit Schlossblick. Der Vorsatz ist gefasst: Ich komme wieder in die Landeshauptstadt. Hier gibt es noch ungezählte andere Möglichkeiten für Freiwasserschwimmer. Schwerin, ich bin schwer beeindruckt von dir und deinen Seen.

Martin Tschepe ist Redakteur bei der Stuttgarter Zeitung und Langstreckenschwimmer des SV Ludwigsburg. Auf swim.de berichtet er gelegentlich von seinen Schwimm-Abenteuern.