Schwer beeindruckt von Schwerin

Schon der Start der Schweriner Seequerung ist bombastisch. Los geht’s mit Blick auf das pompöse Schweriner Schloss. Unser Autor will ein paar der größten Seen in Deutschland queren. Nummer sechs.

| 13. Juli 2016 | AKTUELL

Schweriner See | Schwimmen und Sightseeing gehen im Schweriner See Hand in Hand.

Schwimmen und Sightseeing gehen im Schweriner See Hand in Hand.

Foto >Martin Tschepe

Schwer beeindruckt von Schwerin

Was für eine grandiose Kulisse für den Start dieser Seequerung. Das dürfte nur schwer zu topen sein. Die Sonne strahlt vom Himmel, die Wasseroberfläche ist nahezu spiegelglatt und darauf schimmert das Abbild des Fünfflügelbaues. Fachleute spreche von einem der bedeutendsten Bauwerke des romantischen Historismus. Einfach toll anzuschauen das Märchenschloss, speziell vom Wasser aus. Heute residiert im Schloss der Landtag von Mecklenburg-Vorpommern. Nobel, nobel.

Die ersten paar hundert Meter also immer nach links atmen - mit Schlossblick. Gestartet bin ich an diesem tollen Sommertag von Steg der Schweriner Rudergesellschaft. Der altehrwürdige Club gewährt mir Asyl. Am Abend hab ich mein Zelt direkt am Ufer auf dem Vereinsgelände aufstellen dürfen. Mein Projekt Seensucht wird immer mehr zum Selbstläufer - ich muss (fast) nur noch schwimmen.

Boot im Schlepptau

Diesmal hab ich eine Begleiterin gefunden, die ich bis dato überhaupt nicht kannte. Lisa sitzt im Kajak und gibt mir die Richtung im Schweriner See vor. Verschwimmen ist also kaum möglich. Lisa kennt den See wie ihre Westentasche. Lisa Bach, 26 Jahre jung, stammt - passend zum Nachnamen - aus Marbach am Neckar. Sie war also mal quasi-Nachbarin meines SV Ludwigsburg mit dem Clubhaus direkt am Neckar. Lisa, Freunde nenne sie Socke, hat von der Querung des Schweriner Sees in der Lokalzeitung gelesen und sich spontan bei mir gemeldet - hoch lebe Facebook.

Lisa sagt, sie habe bis zum frühen Nachmittag Zeit. Den letzten Teil der geschätzt knapp 25 Kilometer werde ich also vermutlich allein unterwegs sein - nun ja, nicht ganz allein. Wir haben noch ein Boot im Schlepptau, es wurde vom NDR gechartert und befördert ein Fernsehteam, das einen kleinen Beitrag über die Seensucht fürs Vorabendprogramm dreht. Deshalb muss ich ab uns zu anhalten und direkt vom Wasser aus Fragen beantworten.

"Was sagt Ihre Frau dazu?"

"Was sagt Ihre Frau denn dazu, dass Sie andauernd weg sind und schwimmen?" Das ist eine der vielen Fragen der Reporterin. Knappe Antwort: Sie schwimmt nicht mit, lässt mich halt gehen - ich komme ja wieder. Nach so einem Kurzinterview geht’s ganz flott weiter. Die Bedingungen sind nach wie vor ideal. Leichter Wind schräg von hinten und immer noch Sonne. Für später ist Regen angesagt, es soll eventuell gewittern.

Lisa ist in den hohen Norden gezogen, weil es ihr am See besser gefällt als am Neckar. Es sei nie zu heiß in Meck-Pomm. Immer wehe ein bisschen Wind. Und die Menschen seien nett. Das kann ich alles nur bestätigen.

Schweriner See | Lisa im Kajak gibt die Richtung vor.

Lisa im Kajak gibt die Richtung vor.

Foto >Martin Tschepe