Open-Water-Schwimmen in der Adria

Das Wochenende in Riccione steht voll im Zeichen der Open-Water-Wettbewerbe. Und das Wetter meinte es gut mit den Schwimmern und Zuschauern: Bei 23 Grad Wassertemperatur in der Adria und Sonnenschein ließ es sich gut schwimmen und ebenso gut zuschauen.

| 17. Juni 2012 | AKTUELL

Start Open Water | Start Open Water Riccione

Start Open Water Riccione

Foto >Angela Delissen

Tag sieben der Masters WM in Riccione - erste Ermüdungserscheinungen zeigen sich. Nachdem die Schwimmer in den ersten Tagen hier mit der großen Menge von Läufen zu kämpfen hatten, worüber viel gesprochen und reflektiert wurde, war die letzten zwei Tage die Länge des Events Thema.

Durchhaltevermögen gefragt

Man benötigt viel Durchhaltevermögen, um acht Tage lang die Wettkampfspannung aufrecht zu erhalten. Die klugen Athleten nahmen sich immer wieder Auszeiten und erschienen einen Tag lang gar nicht im Bad oder verbrachten nur halbe Tage dort. Wer durchgehend bei den Wettkämpfen war, dem sah man die Müdigkeit an.

Viele deutsche Schwimmer hatten am sechsten Tag ihr Wettkampfprogramm beendet und flanierten noch einmal entspannt durch die Wettkampfanlage. Am Abschlusstag der Beckenwettkämpfe – auf dem Programm standen 50 Meter Rücken und 400 Meter Freistil – lichteten sich die Reihen auf den Zuschauertribünen, hinter den Kulissen begann der Veranstalter mit dem Abbau der Cateringzelte und Akkreditierungsstände. Viele WM-Teilnehmer waren bereits am Strand bei den Wettbewerben im Freiwasserschwimmen, die nach sieben Tagen Beckenschwimmen bei mir einen komplett neuen Motivationsschub auslösen.

Klares Wasser, glückliche Gesichter

Es ist herrlich am Strand von Riccione, Traumwetter und perfekte Wassertemperatur bei 23 Grad. Die Strecke ist ein Dreieckskurs, gerade abgesteckt und gut zu überschauen, nur die mittags zunehmend kippelige Wasseroberfläche macht den Schwimmern offenbar zu schaffen. Doch sieht man glückliche Gesichter bei fast allen, die nach dem Rennen aus dem seichten Wasser steigen. Das Wasser ist klar, man sieht den Sandboden unter sich, der Strand ist in Sichtweite beim Schwimmen.

Natürlich sind die Rennen bei denjenigen sehr hart, die um die Medaillen kämpfen, und man sieht bei den Starts, wie die ersten Schwimmer schnell davon ziehen, um sich eine gute Ausgangsposition für den Titel zu sichern. Für sehr viele Mastersathleten ist das Freiwasserschwimmen hier aber vor allem ein krönender Abschluss ihrer großen Schwimmlust.

3 Kilometer oder doch nur 2,6?

Wegen der außerordentlich hohen Meldezahl (2.316 Teilnehmer) hat das Organisations-Komitee die Wettkämpfe auf zwei Tage verteilt. Am ersten Tag starteten die jüngeren Altersklassen 25 bis 40, am zweiten Tag sind die 45- bis 75-Jährigen auf der Strecke. Nach den ersten Ergebnissen zu schließen (die Zeiten sind mit rund 30 Minuten viel zu schnell), ist der Schwimmkurs kürzer als drei Kilometer, vielleicht sind es 2,5 oder 2,6 Kilometer.

Bereits am ersten Tag war es eine Freude, die Wettbewerbe anzuschauen und das bunte Geschehen am Strand zu beobachten. Die Zuschauer können unmittelbar am Geschehen teilhaben, wir standen bis zum Bauchnabel im Wasser, um möglichst nahe an die Schwimmer heran zu kommen. Die Sonne scheint einem auf den Kopf, die Beine sind schön kühl. Die Schwimmer genossen das Geschehen ganz offensichtlich genauso, wie wir Zuschauer.

Ich habe mir gestern die Strecke genau angesehen und bin abends die 750 Meter von der letzten Wendeboje bis ins Ziel abgeschwommen. Heute geht es für mich los. Aufregung! Lust! Es ist mein dritter Start im Freiwasser überhaupt, mein erster Start im Meer, und ich schwimme zum ersten Mal bei einer Masters-WM im Freiwasser mit. Bin gespannt wie ein Flitzebogen und freue mich auf das Erlebnis, der Bericht folgt.

Erst Open Water, dann Becken

Übrigens gab es gestern ganz besondere Helden hier: Weil die Freiwasserwettbewerbe einen Tag vorverlegt wurden, sind viele Schwimmer der Altersklassen 40 und jünger nach ihrem Start im Meer in die Wettkampfanlage zurückgekehrt und gingen im Becken über 400 Meter Freistil an den Start. Das sah schon ungewohnt und verwegen aus: Beckenschwimmer mit leicht abgeriebener Startnummer-Beschriftung auf Arm und Rücken. Hut ab vor der Doppelleistung dieser Athleten!

Die deutschen Weltmeister des siebten Wettkampftages

50 Meter Rücken: Bernd Horstmann (AK 75, Nordhorn) mit 34,90 Sekunden Weltrekord

400 Meter Freistil: Julius Feicht (AK 90, Berliner TSC), Werner Schnabel (AK 75, Dresden), Günter Kallenbach (AK 70, Leutzsch), Helga Reich (AK 75, Herne).