Mentaltraining ist für Tintenpatronennachfüller

Bruno Baumgartner hat sich erstmals auf die Couch einer Mentaltrainerin gelegt. Mit einer gehörigen Portion Selbstironie beleuchtet der Bodenseeaspirant in seinem neusten Blog die Frage, ob „echte“ Männer wirklich Mentaltraining brauchen ...

| 13. August 2013 | AKTUELL

Bruno Baumgartner | Bruno Baumgartner

Bruno Baumgartner

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Mentaltraining ist für Tintenpatronennachfüller

Liebe swim.de Freunde,

hasst ihr sie auch so sehr, diese Männer, die in Kontakt mit ihrem Innersten und ihren Gefühlen stehen? Die Weiberkram wie Mentaltraining und vielleicht sogar Entspannungsübungen toll finden? Ich meine diese Generation von Männern, die sich unter dem jahrelangen Erwartungsdruck der Frauen zu „Badezimmerduftkerzenauslern“ und „Zahnpastatubenresteausdrückern“ entwickelt hat. Die sich Duftcremchen unter die rasierten Achselhöhlen und Pflegespülungen in die Haare reiben? Fehlt nur noch, dass wir uns die Beine enthaaren, Rollkragenpullover tragen und solidarisch zu Gesülze wie Privat Practice mitheulen.

Für mich ist nur ein rechter Mann, wer auf solche und ähnliche Auswüchse der modernen Gesellschaft und auf jede Form der Metrosexualität verzichtet. Ein echter Mann isst sein Fleisch am liebsten roh und kümmert sich nicht darum, dass ihm der warme Saft der toten Kuh in Strömen über das Kinn läuft. Er stählt seinen Körper mit Bankdrücken, erfreut sich an Klang und Würze seiner eigenen Düfte, rülpst ab und zu hemmungslos und lasst es mich ganz deutlich sagen – er kratzt sich ungeniert in aller Öffentlichkeit am Hintern oder zwischen den Beinen, weil er nicht jeden Tag seine stylische Calvin-Klein-Buchse wechselt.

Mentaltraining?

Beim Wort Mentaltraining verdreht er bedeutungsvoll die Augen und erläutert lautstark, warum nur „Frauenfußball-Schauer“ und „Gelbphasenbremser“ solchen Unsinn nötig haben. Dann trommelt er zufrieden auf sein Brusthaar-Toupet und stellt die digitale Verblödungskiste auf Fußball um. Er schimpft über die schwache Leistung von David Beckham, der halt längst kein echter, sondern nur noch das domestizierte, Haar-Gel benutzende Abbild eines Mannes ist.

Solche und ähnlich wirre Gedanken gehen mir durch den Kopf, als ich eben diesen auf ein weiches Sofakissen lege. Die Möbel in dem freundlichen Raum entsprechen nicht ganz meinem Geschmack und trotzdem wirken sie gemütlich, warm und irgendwie harmonisch. Ein leichter Schweißfilm auf den Handflächen zeugt von meiner inneren Anspannung und der Angst vor dem Ungewissen. Die attraktive, blonde Frau im Sessel gegenüber lächelt freundlich und ihre blauen Augen suchen forschend etwas in den meinen.