Mastersschwimmerin holt Bronze bei Deutschen Meisterschaften

Eine Medaille bei Deutschen Meisterschaften: Wofür sich andere bis zu zehnmal in der Woche schinden, schafft Nicole Heidemann mit deutlich weniger Aufwand. Dreimal in der Woche geht die 33-Jährige nach ihrem Job als Sparkassenkauffrau in die Schwimmhalle. Weil ihrem Verein zurzeit ein Trainer fehlt, bringt sie die Trainingspläne einfach selbst mit.

| 25. November 2015 | AKTUELL

Nicole Heidemann | Nicole Heidemann bei den DKM in Wuppertal.

Nicole Heidemann bei den DKM in Wuppertal.

Foto >Peter Jacob / swim.de

Wenn Nicole Heidemann mit dem Schwimmtraining beginnt, liegt ein langer Tag hinter ihr. Als stellvertretende Filialleiterin einer Sparkasse in Meppen arbeitet sie 40 Stunden in der Woche. Für Training bleibt da nicht viel Zeit. Trotzdem kann sie mit den schnellsten deutschen Brustsprinterinnen mithalten. Am Wochenende gewann Heidemann bei den Deutschen Kurzbahnmeisterschaften in Wuppertal die Bronzemedaille über 50 Meter Brust. In 31,10 Sekunden schwamm sie neue persönliche Bestzeit. Nur die beiden Schwimmprofis Dorothea Brandt (30,46 Sekunden) und Caroline Ruhnau (30,82 Sekunden) waren noch einen Tick schneller unterwegs.

"Mit dem Alter trainiert man effizienter, weil man das Optimale aus der Zeit herausholen will"

Nicole Heidemann

"Das ist mein größter Erfolg in der offenen Wertung", sagt Heidemann, die sich selbst eher als Mastersschwimmerin sieht. Im Altersklassenbereich gewann sie vergangenes Jahr Gold bei der WM in Montreal. Nächstes Jahr geht es nach London zu den Europameisterschaften. Doch ein- oder zweimal im Jahr misst sie sich bei den Deutschen Meisterschaften auf der Lang- und Kurzbahn mit der nationalen Spitze. Während sie sonst auch über andere Strecken antritt, konzentriert sie sich dann voll und ganz auf ihre Paradedisziplin 50 Meter Brust.

Nächstes Ziel: Weltrekord!

Ein wenig ungläubig vernahmen die Zuschauer in Wuppertal bei der Siegerehrung durch den Hallensprecher, dass sich die Sprinterin selbst trainiert. "Ja, das stimmt", erklärt Heidemann. "Ich schreibe die Pläne, weil wir weder für die erste noch für die zweite Mannschaft einen Trainer haben." Bis zu dreimal pro Woche fährt sie zum Training ihrer Schwimmgruppe beim TV Meppen, zweimal geht sie in den Kraftraum. Hat sich durch das Alter etwas am Training verändert? "Ich glaube, man trainiert effizienter, je älter man wird. Man nimmt sich Zeit und achtet viel mehr auf alles, weil man das Optimale aus der Zeit herausholen will. Früher bin ich einfach nach der Schule ein bisschen trainieren gegangen."

Mit der DM ist Heidemanns Saison aber noch nicht vorbei. Bereits an diesem Wochenende steht für sie mit den Deutschen Kurzbahnmeisterschaften der Masters das nächste Highlight an. In Freiburg geht sie über sechs Strecken als Favoritin an den Start. Für ihre Lieblingsstrecke hat sie sich dazu etwas ganz Besonderes vorgenommen. "Ich möchte Weltrekord über 50 Meter Brust schwimmen."