Erfolgreiche Querungen von Nord nach Süd

Es scheint der Sommer der Open-Water-Schwimmer zu werden: Wieder gab es in Nord- und Süddeutschland erfolgreiche Querungen. Im Bodensee gelang Mirjam Schall am Montag das erste Mal überhaupt die Dreiländerquerung und den Fehmarnbelt querte erfolgreich Theodosis Charalambos aus Griechenland.

| 30. Juli 2014 | AKTUELL

Miriam Schall2 | Miriam Schall

Miriam Schall

Foto >Oliver Halder / Bodenseequerung

Mitten in der Nacht startete Mirjam Schall ihr Abenteuer im Bodensee. Die Dreiländerquerung führt von Lindau (Deutschland) nach Rorschach (Schweiz) und dann weiter nach Bregenz (Österreich). „Die ersten Kilometer nach dem Start waren sehr hart. Ca. 40 cm hoher Wellengang und Neumond erschwerten das Vorankommen. Hinzu kam auch noch starker Wind aus wechselnden Richtungen“, erzählt Oliver Halder, Veranstalter der Bodenseequerung.

Militante Schwäne

Um 9.03 Uhr erreichte die 37-Jährige das Rorschacher Strandbad und stand regelkonform trockenen Fußes am Ufer. Nur zwei Minuten, von zulässigen fünf, gönnte sie sich an Land, bevor sie weiterschwamm. „Auf dem Weg von Rorschach nach Bregenz, hatte die Crew dann mit einigen militanten Schwänen zu tun, die mehrfach die Route kreuzten. Bis zu acht weißgefiederten Zeitgenossen machten sich aus der Jagd auf das Begleitboot einen unterhaltsamen Vormittag“, berichtet Halder.

Miriam Schall | Miriam Schall auf dem Weg nach Bregenz.

Miriam Schall auf dem Weg nach Bregenz.

Foto >Oliver Halder / Bodenseequerung

Auf dem Rückweg bekam die Extremschwimmerin den alten Rheinzufluss mit kalten 12 bis 14 Grad zu spüren. Doch eine positive Rückenströmung sorgte dafür, dass die nächsten Kilometer wesentlich schneller als erwartet abgewickelt werden konnten. Doch ein neues Problem bereitete der Crew Sorgen: Schall schwamm sehr dicht am neuen Rheinzufluss. Kräftig schiebt der Rhein seine Wassermassen an dieser Stelle in den Bodensee. Millionen von Kubikmetern an Wasser bahnen in milchkaffeebraunen Wellen ihren Weg in das herrliche Grün des Bodensees – optisch beeindruckend und beängstigend zugleich.

Eine gefährliche Entscheidung

„Da durchschwimmen oder einen großen Umweg drumherum nehmen, der in diesem Falle gegen die bislang positive Strömung verläuft“, das war die entscheidende Frage. Hinzu kam, dass die Wassertemperatur in diesem Bereich von angenehmen 20 Grad auf etwa die Hälfte abfällt. Doch Schall entschied sich für die Einsparung der Strecke.

„Tief durchatmen und Vollgas“ - so lautete der Plan und so wurde er auch umgesetzt. Unter jubelndem Motivationsgeschrei der Crew, die ihr keine Sekunde von der Seite wich und Rettungsschwimmer Axel Ehrhardt, der für den Einsatz bereitstand, ging es durch diesen undurchsichtigen, strudelnden und welligen Eisstrom. „Ein Gefühl von Millionen Nadelstichen …“, erzählt die Schwimmerin später. Dennoch blieb sie hart und beschleunigte nach bereits 28 geschwommenen Kilometern, um möglichst schnell diesen Strom zu durchqueren.

Gewitter zieht auf

Kurz vor dem erfolgreichen Finish dann der Albtraum jedes Freiwasserschwimmer: Ein angekündigtes Gewitter zog auf, Donnerschläge waren bereits zu hören. Doch um 17.04 Uhr – nach 35 Kilometern – hatte Mirjam Schall in Bregenz wieder trockenen Boden unter den Füßen und ist die erste Finisherin der Dreiländerquerung. Kurz darauf entlud sich das Gewitter mit Starkregen über dem Bodensee.

Damit reiht sich Schall in die erfolgreichen Open-Water-Leistungen ihrer Schwimmkollegen ein. Mitte Juli war TV-Star Wigald Boning (7:24 Stunden) die Bodenseequerung in der Breite gelungen, genauso wie Meik Kottwitz (4:35 Stunden) und Stefan Jung (4:14 Stunden). Nathalie Pohl hatte mit 2:50 Stunden Ende Juni einen neuen Rekord aufgestellt.

An der Ostsee konnten Mitte Juli Thomas Pesch und Matthias Kaßner aus Duisburg den Fehmarnbelt queren. Dieses Kunststück gelang Anfang der Woche auch dem Griechen Theodosis Charalambos.

Theodosis Charalambos | Theodosis Charalambos

Theodosis Charalambos

Foto >www.beltquerung.de