Eiskalte Typen

Es ist einer der verrücktesten Wettbewerbe überhaupt. Bei den Ice Swimming German Open kraulen eiskalte Typen, Männer und Frauen, nur in Badehose oder Badeanzug im Wöhrsee in Burghausen. Bei knapp fünf Grad Wassertemperatur. Martin Tschepe ist mit gekrault.

| 10. Januar 2015 | AKTUELL

Ice Swimming German Open | Impressionen von den 1. Ice Swimming German Open

Impressionen von den 1. Ice Swimming German Open

Foto >Martin Tschepe

Giganten-Duell über 450 Meter


Am Samstag gegen Mittag kündigt der Sprecher den "ersten absoluten Höhepunkt" der German Open an: Das Rennen Wandratsch gegen den amtierenden Weltmeister über 450 Meter, den Esten Henri Kaarma (zur Bildergalerie). Die Kulisse ist grandios, über dem See thront die weltweit längste Burg. Mehrere hundert Zuschauer trommeln und applaudieren. Ein Kenner der Szene sagt: "Jetzt wird's interessant." Recht hat er. Die 450 Meter werden sofort nach dem Start zu einem spannenden Kopf-an-Kopf-Rennen. Nach gut 200 Metern zieht "Wandi", der in Burghausen daheim ist, auf und davon. Das Publikum ist begeistert, tobt. Nach 5:48 Minuten schlägt der Meisterschwimmer, Jahrgang 1966, an. Deutlich vor dem knapp zehn Jahre jüngeren Mann aus Estland.

Ice Swimming German Open | Impressionen von den 1. Ice Swimming German Open

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Foto >Martin Tschepe

"Das war gute Werbung", sagt Wandratsch. Er und sein Trainer Stefan Hetzer wollen 2017 die Ice Swimming Weltmeisterschaften nach Burghausen holen. Wenig später sitzen Wandratsch und Kaarma in einem großen, mit warmen Wasser gefüllten Bottich, werden interviewt, gefilmt, fotografiert. "Ich wollte unbedingt gewinnen", sagt Wandratsch und grinst. Dann macht er sich auch schon bereit für den Abflug. Der ehemalige deutsche Nationalschwimmer ist vom ZDF in das Aktuelle-Studiostudio eingeladen, "das ist das erste Mal, dabei schwimme ich schon seit 1974".

Über 100 Teilnehmer

Ich weiß nicht, wie sich 450 Meter oder sogar ein ganzer Kilometer im Eiswasser anfühlen, ich will es auch lieber gar nicht wissen. Andere geben Auskunft: Steffi Praher aus Plüderhausen ist eigentlich Extremläuferin. Nach ihren 450 Metern sagt sie: "Ein paar Bahnen und alles ist eh egal, dann spürst du nämlich sowieso nichts mehr." Aha.

Die Veranstalter der 1. German Open in Burghausen sind zufrieden, rund 100 Schwimmer sind angereist - aus Deutschland und aus Österreich, aus der Schweiz, aus Italien und Spanien, aus der Türkei, aus Polen, Tschechien und Estland, aus den Niederlanden, aus Schottland, aus den USA und sogar aus Südafrika, aus Argentinien und aus Brasilien. Zu den Promis gehört der Präsident der International Ice Swimming Association. Ram Barkai hat sich ein großes Ziel gesetzt: Er will, dass das Eisschwimmen möglichst bald Bestandteil der Olympischen Spiele wird, der Olympischen Winterspiele wohlgemerkt!