Bruno Dobelmann schafft doppelte Beltquerung

Mit 52 Jahren machte sich Bruno Dobelmann zum Weltrekordhalter. Der Stuttgarter durchschwamm als Erster nonstop zweimal den Fehmarnbelt: 50 Kilometer ohne Begleitschwimmer, aber in Begleitung von Kälte, Strömung und Quallen.

| 5. August 2011 | AKTUELL

Bruno Dobelmann | Den Sonnenuntergang hatte Bruno Dobelmann bei seiner doppelten Beltquerung nicht im Blick – wohl aber den Weltrekord.

Den Sonnenuntergang hatte Bruno Dobelmann bei seiner doppelten Beltquerung nicht im Blick – wohl aber den Weltrekord.

Foto >Tom Nyfeler / Doppel-Solo-Beltquerung by WoW-Art

"Ankommen oder absaufen, aufgeben gehört nicht dazu", waren die markigen Worte von Bruno "Orca" Dobelmann gegenüber RTL, als der Extremschwimmer am Mittwoch vergangener Woche nach seiner doppelten Beltquerung wieder festen Boden unter den Füßen hatte. Das glaubt man dem 52-Jährigen sofort. Er ist keiner, der aufgibt: 110 Kilogramm schwer, Grundwehrdienst bei der Marine, Marathonläufer und Halter von diversen Bahnenrekorden bei 24-Stunden-Schwimmen. Den Spitznamen "Orca" haben ihm Freunde verpasst.

Bibbern in Badehose

Bei seinem Meisterwerk, der doppelten Querung des Fehmarnbelts ohne Begleitschwimmer, trug Dobelmann dem Reglement entsprechend keinen Neoprenanzug. Er absolvierte die aufgrund starker Strömungen knapp 50 Kilometer lange Strecke in Badehose, dick eingerieben mit schützendem Fett. Noch nie zuvor war es den Aufzeichnungen des Veranstalters zufolge einem Schwimmer gelungen, den Belt zwischen Puttgarden auf der Insel Fehmarn und dem dänischen Rødby ohne Pause hin und zurück zu durchschwimmen. Auf die Idee habe den Stuttgarter eine befreundete Langstreckenschwimmerin gebracht, die 2005 bei dem Versuch der doppelten Beltquerung scheiterte. "Sie kam in ein Unwetter und durfte nicht mehr zurückschwimmen", so Dobelmann gegenüber der Deutschen Presse-Agentur.

Fast wäre auch Bruno Dobelmann gescheitert: Kurz vor dem Ziel schwamm er im 14 bis 17 Grad kalten Wasser eine halbe Stunde auf der Stelle. Schuld war die Strömung. An die Schmerzen im ganzen Körper dachte der Extremschwimmer zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr. "Irgendwann werden die Schmerzen normal, das geht", erklärte er gegenüber RTL.

Hastige Rast in Dänemark

Für seine Sicherheit, seine Motivation und dafür, dass die Schmerzen nicht zu groß wurden, sorgte ein fünfköpfiges Betreuerteam um seine Lebensgefährtin, das den Schwimmer auf einem gemieteten Kutter begleitete. Motivation von außen brauchte Dobelmann, der den Extremsport als Hobby betreibt und bei einem Automobilkonzern arbeitet, besonders nach der Hälfte der Distanz. In Rødby, auf der dänischen Insel Lolland, stieg er aus dem Wasser und gönnte sich eine vierminütige Verschnaufpause. Um das Prädikat "nonstop" zu erfüllen, musste er spätestens nach fünf Minuten den Rückweg antreten, so steht es im Reglement.

Nach 19 Stunden, 15 Minuten und 51 Sekunden ging Dobelmann dort, wo er gestartet war, in Puttgarden, wieder an Land: Weltrekord. Dabei hätte er sich diesen Titel noch schneller holen können: Sechs Kilometer vor Rødby verlor der Langstreckenschwimmer in der Fahrrine 40 Minuten, weil er Schiffe passieren lassen musste.

Dieses Problem dürfte Doblemann nur eineinhalb Wochen nach seinem Weltrekord erspart geblieben sein: Da ging er beim WakenitzMan in Lübeck an den Start und schwamm dort in einer Zweier-Staffel sieben Kilometer flußabwärts. Als nächstes großes Projekt will er 2012 den Ärmelkanal durchschwimmen und sich in drei Jahren zu seinem 55. Geburtstag mit einer Teilnahme über die Triathlon-Langdistanz bei den Ironman World Championship auf Hawaii beschenken. "Alle Langstreckenschwimmer sind halt etwas bekloppt", so Dobelmann gegenüber der Deutschen Presse-Agentur – aber nicht jeder hält einen Weltrekord.

Einfetten gegen die Kälte | Vor dem Start ließ sich Bruno Dobelmann als Kälteschutz mit Fett einreiben.

Vor dem Start ließ sich Bruno Dobelmann als Kälteschutz mit Fett einreiben.

Foto >Tom Nyfeler / Doppel-Solo-Beltquerung by WoW-Art